30. Jan 2007 09:34
Sony-Chef Stringer hält an seinem Ziel fest, die Profitabilität des Elektronikkonzerns bis 2008 zu verdoppeln. Dabei hilft ihm nicht wie erhofft die Playstation, sondern Flachbildschirme und digitale Kameras.
Trotz eines deutlichen Gewinnrückgangs im Schlussquartal 2006 rechnet der japanische Sony-Konzern mit deutlich mehr Gewinn im gesamten Geschäftsjahr als noch im Oktober vorhergesagt: Wie das Unternehmen am Dienstag in Tokio mitteilte, soll bis Ende März ein Reingewinn von 110 Milliarden Yen (knapp 697 Millionen Euro) in den Büchern stehen. Damit setzte das Management seine Prognose aus dem Oktober um 38 Prozent nach oben, als noch von 80 Milliarden Yen Nettogewinn die Rede war.Auch im vierten Quartal 2006 liefen die Geschäfte besser als erhofft – allerdings an anderer Stelle als von der Konzernführung erwartet: Während hohe Anlaufkosten für die neue Spielkonsole Playstation 3 und schwache Verkäufe der tragbaren Variante PSP die Spiele-Sparte erheblich belasteten und in die Verlustzone drückten, waren vor allem Flachbildschirme und digitale Kameras des Unternehmens begehrt.
Insgesamt fiel das Quartals-Plus mit 159,9 Milliarden Yen binnen Jahresfrist zwar um gut fünf Prozent. Im Schlussquartal 2005 hatte Sony indes einen Rekordwert von knapp 169 Milliarden Yen ausgewiesen. Analysten hatten befürchtet, der Reingewinn werde um mehr als die Hälfte einbrechen. Der Umsatz erhöhte sich nach Firmenangaben zugleich um rund zehn Prozent auf 2,61 Billionen Yen.Die neue PS3 bereitete Sony von Anfang an Probleme: Weil Dioden für den eingebauten DVD-Nachfolger Blu-ray fehlten, kamen zunächst weitaus weniger Geräte als geplant auf den japanischen und nordamerikanischen Markt; in Europa wurde der Start gleich ganz auf März 2007 verschoben. Sony hat zwar nach eigenen Angaben die angestrebte Marke von einer Million verkaufter Geräte inzwischen hinter sich gelassen. Experten sprechen dennoch von schwachen Verkäufen, was vor allem mit dem hohen Preis des technisch hochwertigen Gerätes begründet wird.
Zusätzlich belastet wurde das Unternehmen im vergangenen Jahr durch Akkus für tragbare Computer: Die von Sony hergestellte und in Modellen vieler weiterer Anbieter eingebaute Laptop-Stromversorgung drohte Feuer zu fangen, so dass sie vielfach ausgetauscht werden musste. Nach Unternehmensangaben erhielt Vorstandschef Howard Stringer allerdings Hilfe von unerwarteter Seite: Die Nachfrage nach Flachbildschirmen der Marke Bravia sei sehr stark gewesen, teilte Sony mit. Auch im Kerngeschäft Unterhaltungselektronik war das Unternehmen zuvor den Konkurrenten hinterhergelaufen. Bei den Käufern seien zudem digitale Kameras beliebt gewesen, hieß es weiter.Konzernchef Stringer hatte erst jüngst bekräftigt, an seinen Profitabilitäts- Ziel festzuhalten: Als er 2005 als erster Ausländer an die Spitze von Sony aufrückte, gab er eine Gewinnmarge von fünf Prozent für den Konzern bis zum Ende des Geschäftsjahrs 2007/08 aus. Damals betrug der Wert gerade einmal 2,6 Prozent. Dazu hatte er unter anderem auf drastischen Personalabbau und die Stilllegung von Werken gesetzt, um der billigeren asiatischen Konkurrenz gewachsen zu sein.
Dennoch setzte Stringer die Strategie fort, Spielkonsolen unter Herstellungskosten zu verkaufen, um mit der Spielen selbst Gewinn zu machen. Das scheint bei der PS3 indes nicht aufzugehen: Die Wii-Konsole des japanischen Herstellers Nintendo scheint sich derzeit weitaus besser zu verkaufen – sie kostet nur ungefähr die Hälfte der PS3.Auch die Xbox von Microsoft ist deutlich beliebter, allerdings auch schon ein gutes Jahr länger auf dem Markt. Allein auf die PS3 zu setzen, um die Probleme bei Sony zu lösen, dürfte daher nicht ausreichen. Deshalb ist Konzernchef Stringer weiter in Schwierigkeiten: Ein neuer Bestseller – wie zuletzt die PS2 – ist derzeit beim Konzern nicht in der Entwicklung. (nz)