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Peter Hartz, ein Drama in drei Akten

17. Jan 2007 09:23
Noch zu besseren Zeiten: Peter Hartz
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Eineinhalb Jahre wurde ermittelt, um die VW-Affäre aufzuklären. Mit dem Skandal verbunden ist der steile Aufstieg und der rasante Absturz eines der angesehensten Manager der Republik.

Von Marcus Gatzke

Akt I: Der Schleier lüftet sich

Wenn der Begriff des sozialen Friedens auf ein Unternehmen in der Vergangenheit zutraf, dann war das der Automobilkonzern Volkswagen . Streiks gab es nur äußerst selten – das Unternehmen war ein Symbol dafür, wie Konzernführung und Betriebsrat kooperativ Probleme lösen können.

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Bestes Beispiel: Die Vier-Tage-Woche, die 1994 eingeführt wurde – zur damaligen Zeit ein ganz neuer Weg, Beschäftigung in einer Krise zu sichern, statt einfach nur Arbeitsplätze abzubauen. Auch mit dem Projekt 5000 mal 5000 schuf das Unternehmen 2001 ein beispielhaftes Modell gegen den Kahlschlag. Es schien so einfach, Kompromisse zwischen Betriebsrat und Gewerkschaft zu finden, ohne in die alten Gräben des Arbeitskampfes zurückzufallen. An der Spitze des Erfolges stand Peter Hartz, der 1993 vom damaligen VW-Chef Ferdinand Piech nach Wolfsburg geholt worden war.

Davon redet heute niemand mehr. Aus dem Modell Volkswagen ist das System Volkswagen geworden. Der Absturz des Peter Hartz nahm im Juni 2005 seinen Anfang. Nach ersten Gerüchten um eine Schmiergeld- Affäre bei VW tritt am 30. Juni überraschend der damalige Betriebsratsvorsitzende Klaus Volkert zurück.

Zitat:
Peter Hartz: "Es bestand Einigkeit zwischen Herrn Piech und mir, dass Herr Volkert behandelt wird wie ein Top-Manager."
Eine Verwicklung in die Affäre wird aber zurückgewiesen: «Ich habe mich keiner kriminellen Handlung schuldig gemacht», behauptet Volkert, inzwischen einer der Hauptbeschuldigten in der «Lustreisen-Affäre» («Bild»). Der Wechsel im Betriebsrat sei schon lange geplant.

Von einer Beteiligung des damals noch im Amt stehenden Personalvorstands Hartz will niemand etwas wissen – von Rücktritt ist keine Rede. Hartz selbst schweigt, dabei waren er und sein Duz-Freund Volkert jahrelang ein gutes Gespann und auf engste miteinander verbunden. Ohne die Zustimmung Volkerts ging bei VW nichts.

Akt II: Der Held muss gehen

Klaus Volkert Foto: dpa
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So richtig ins Rollen kommt die Affäre erst mit einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung». Der Vorstand brachte demnach den Betriebsrat – das hat inzwischen auch die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt - mit Reisen nach Brasilien auf Vorstandslinie. Mit Hilfe des Firmenjets und eingeflogenen «Luxus-Nutten» erkaufte sich der Vorstand das Einverständnis der Belegschafts- Vertretung. «Absurd», behauptete Hartz noch am 5. Juli 2005 und gab sich kämpferisch: «Ich weise die Verunglimpfungen aufs Schärfste zurück.»

Erste Kritik am Arbeitsdirektor wird trotzdem laut: «Niemand ist sakrosankt, niemand bekommt einen Persilschein, niemand bekommt Absolution, während noch ermittelt wird», verkündet Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Das Land ist zu diesem Zeitpunkt noch der größte Aktionär von Volkswagen.

Durch die internen Ermittlungen bei Volkswagen stellt sich aber schnell heraus: So «absurd» sind die Vorwürfe nicht. Schon drei Tage später – am 8. Juli - bietet Hartz seinen Rücktritt an. Er übernehme «die volle Verantwortung für die Versäumnisse einzelner Mitarbeiter». Von eigener Schuld ist nicht die Rede – Hartz spricht von «Verleumdung» gegen seine Person. Der Aufsichtsrat nimmt sein Angebot Anfang August 2005 trotzdem an und bedankt sich «für seine Verdienste um die Entwicklung des Unternehmens».

Akt III: Der gefallene Held gesteht und schämt sich

Stichwort:
Peter Hartz: "Herr Volkert kam in den Genuss von Vertrauensspesen, nachdem er wiederholt darum gebeten hatte."
Ende September 2005 muss Peter Hartz erstmals der Staatsanwaltschaft Braunschweig Rede und Antwort stehen. Der VW-Pensionär weist erneut jegliche Kenntnis über die «Lustreisen» des VW-Betriebsrates zurück. Er habe nur die notwendige Kontrolle missen lassen, sagt er. Die Anklage-Behörde lässt ihn gehen. Es bestehe kein Anfangsverdacht, dass Hartz «Untreuehandlungen selbst vorgenommen, gebilligt beziehungsweise gefördert oder andere Straftaten begangen haben könnte», lautet die Begründung.

Klaus-Joachim Gebauer
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Wenige Tage darauf hat die Staatsanwaltschaft den notwendigen «Anfangsverdacht» dann doch gefunden – die Büros des Managers werden durchsucht. Er soll bei seiner Vernehmung die Unwahrheit gesagt haben. Beschuldigt wird Hartz von Klaus-Joachim Gebauer, einem ehemaligen Untergebenen und einem weiteren Angeklagten in der VW-Affäre.

Danach beginnt die mühsame Ermittlungsarbeit der Staatsanwaltschaft. Am 10. Oktober 2006 legt Hartz erstmals die Karten offen auf den Tisch und gesteht ein, für Begünstigungen des ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Volkert verantwortlich zu sein. Ausführendes Organ sei der ehemalige Personal-Manager Gebauer gewesen. Zwischen 1994 und 2004 hat Volkert demnach Sonderzahlungen von fast zwei Millionen Euro erhalten, ohne dafür eine entsprechende Leistung erbracht zu haben. Schon wenige Wochen später erfolgt die Anklage gegen Hartz wegen Untreue in 44 Fällen.

Nachspiel ohne Huren

Pikante Details sind bei der am Mittwoch beginnenden Verhandlung nicht zu erwarten. Hartz versprach der Staatsanwaltschaft ein umfassendes Geständnis. Einzige Bedingung: Es sollen keine Prostituierten im Prozess befragt werden. Schon bei der Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft soll sich Hartz allein beim Wort Prostituierte «hilflos» gezeigt haben. «Der Mann ist völlig fertig», heißt es aus seinem Umfeld. Öffentlich aufgetreten ist er schon lange nicht mehr. Das wird sich spätestens nach der Urteilsverkündung ändern. Mitte März erscheint sein Buch unter dem Namen «Macht und Ohnmacht».

 
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