03.01.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Peter Hartz (l.) und Klaus Volkert
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Eigentlich hätte er in den Vorstand gehört, plaudert der frühere VW-Betriebsratschef Volkert - zumindest habe das Peter Hartz gesagt. Auch in Untersuchungshaft wurde er schnell zum Vertrauensmann. Thema: Schmiergeld-Skandal bei VW Volkert nach Geständnis frei Hartz steht ab Januar vor Gericht Justiz will Verfahren in VW-Affäre straffen VW findet nach Skandal neuen Indien-Standort Staatsanwälte ermitteln gegen Volkert-Anwalt
Der frühere Vorsitzende des Betriebsrats von Volkswagen
, Klaus Volkert, will trotz der vom Konzern an ihn geflossenen Sonderzahlungen «nichts gefordert» haben - «nirgendwo». «Das ist Quatsch», sagte Volkert der «Zeit». Die in der Schmiergeld-Affäre gegen ihn erhobenen Vorwürfe, die Zahlungen seien grundlos und ohne Gegenleistung gewesen, wies er zurück. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wirft Volkert Anstiftung zur Untreue in 36 Fällen vor.
Der Ex-Betriebsratschef räumte indes ein, Sonderzahlungen vom Unternehmen erhalten zu haben: «Soviel ich weiß», sei das «in den Jahren seit 2001» drei Mal geschehen, sagte er der Wochenzeitung. Zudem habe allein der damalige Personalvorstand Peter Hartz die Zahlungen bewilligt und nicht wie üblich ein Gremium des Aufsichtsrats. Hartz war im Zuge der Affäre zurückgetreten. Er muss sich von Mitte Januar in Braunschweig wegen des Verdachts auf mehrere Fälle von Untreue verantworten.
«Im Rahmen unserer Möglichkeiten»Arbeitsdirektor Hartz habe die Sonderzahlungen, die sich laut Staatsanwaltschaft auf bis zu zwei Millionen Euro summieren, folgendermaßen begründet, sagte Volkert dem Blatt: «Klaus, wenn Du nicht im Betriebsrat wärst, wärst du im Top-Management. Da das aber nicht so ist, gucken wir, wie wir das im Rahmen unserer Möglichkeiten hinkriegen.» Volkert und anderen Betriebsratsmitgliedern sollen weitere Vergünstigungen gewährt worden sein, so Urlaub zum Einkaufen mit der Ehefrau oder Besuche von Luxus-Prostituierten.
Volkert sagte, Hartz habe ihm den Bonus gewährt, weil er «besonderes Engagement» gezeigt habe: «Ich habe Sachen übernommen, die sonst der Vorstand hätte machen müssen», sagte Volkert der «Zeit». Er habe als Betriebsratschef vor allem dafür gesorgt, dass es keine Unruhe und keinen Streik gegeben habe.
Volkert liebte den Roten TeppichAuf die Frage, ob er im Gegenzug 600.000 bis 700.000 Euro verdient habe, antwortete er: «Ich habe diese Summe nicht gekriegt», äußerte sich aber nur vage zu seinen tatsächlichen Einkünften. Es «kann schon sein», dass er der am besten verdienende Betriebsratschef in Deutschland gewesen sei, ließ sich Volkert zitieren. Mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats, dem früheren Konzernchef Ferdinand Piech, habe er «auf Augenhöhe» verhandelt.
Die gut drei Wochen, die Volkert wegen Verdunkelungsgefahr in Braunschweig in Untersuchungshaft hatte verbringen müssen, seien aus seiner Sicht «eine Beugehaft» gewesen: «Ich denke, die wollten an Piech ran», meinte er mit Blick auf die Ermittlungen der Staatsanwälte, die sich bislang nicht gegen den Aufsichtsratschef richten.
Die Haft selbst sei für ihn durchaus ungewohnt gewesen er sei «ja einer, der gerne über den Roten Teppich mitgelaufen ist». Dennoch habe er rasch Kontakt zu Mit-Insassen geschlossen, die ihm auch nach seiner Entlassung auf postalische Grüße geantwortet hätten. Fast sei er zu einer Art Vertrauensmann geworden, kommentierte die «Zeit». (nz)