14.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
HP-Chef Mark Hurd
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Möglicherweise hat Mark Hurd seiner eigenen Aussage nicht ganz getraut: Zwei US-Senatoren wollen wissen, warum der HP-Chef Aktienoptionen zu Geld machte - ausgerechnet an dem Tag, als er vor dem Parlament zum Spitzel-Skandal aussagte.
Aktienoptionen sind derzeit ein heißes Thema bei den High-Tech-Unternehmen in Kalifornien weil die Börsenaufsicht SEC in mehr als hundert Firmen ermittelt, ob es bei der Gewährung der Zusatzbezahlung zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist. Einige Manager sind deswegen schon verurteilt worden. Nun muss sich auch Mark Hurd, Vorstands- und Verwaltungsratsvorsitzender beim Computerkonzern Hewlett-Packard (HP), zum Thema äußern, wenn auch in einem anderen Zusammenhang.
Zwei Demokratische Senatoren haben nämlich die Veröffentlichungen der SEC offenbar genau studiert und sind dabei auf einen merkwürdigen Zufall gestoßen, den Hurd ihnen noch vor Weihnachten erklären soll. Der HP-Chef nämlich übte am 25. August Optionen für Aktien im Wert von fast 1,4 Millionen Dollar aus und machte die verbilligt erworbenen Papiere noch am selben Tag zu Geld.
Zufall oder nicht?Ob das ein Zufall war, wollen die Senatoren John Dingell und Bart Stupak aus dem Bundesstaat Michigan wissen. Sie fordern ultimativ eine Antwort der Firmenchefs bis zum 21. Dezember. Denn am 25. August war Hurd in Washington zu Gast: Er wurde von einem Senatsausschuss zur Spitzel-Affäre bei HP verhört.
Möglicherweise fürchtete Hurd, seine Aussagen oder die von Patricia Dunn, seiner im Zuge der Affäre zum Abtritt gezwungenen Vorgängerin als Verwaltungsratschef, könnte den HP-Kurs zum Absacken bringen. Dann hätte es sich für ihn gelohnt, seine Optionen auszuüben und die Papiere sofort abzustoßen. Sollte das so gewesen sein, hätte Hurd indes übervorsichtig gehandelt: Am Tag der Befragung und auch danach bewegte sich die Notierung in einem schmalen band zwischen 35 und 36 Dollar.
Streit im HP-VerwaltungsratAnalysten hatten bereits zuvor kommentiert, die HP-Aktie habe den Skandal erstaunlich gut verdaut. Allerdings geht es bei der Affäre auch um nichts, was die finanzielle Lage des Computerkonzerns oder die operativen Geschäfte belasten könnte. Es geht vielmehr um das, was die US-Amerikaner «boardroom quarrel» nennen: Streit unter den Direktoren im Verwaltungsrat.
Einer von ihnen hatte Anfang 2005 geplaudert, und zwar eher, als der Konzernführung lieb war. Zu früh hatten Berichte in der Presse gestanden, die damalige Vorstandschefin Carly Fiorina stehe vor dem Rauswurf. Verwaltungsratspräsidenten Dunn machte sich auf die Suche nach dem Leck und engagierte dazu auch eine Reihe von Privatdetektiven.
«Bitte erklären Sie den Grund für die Transaktion»Die machten sich mit nicht ganz sauberen Methoden auf die Suche: Unter Angaben eines falschen Namens erschlichen sie sich Internet- und Telefondaten der Direktoren, um zu prüfen, ob sie mit Journalisten Kontakt hatten. Ob diese als «pretexting» bekannte Praxis legal ist, ist angesichts rechtlicher Grauzonen in verschiedenen Bundesstaaten umstritten. Auch die Medienvertreter wurden überwacht, wie HP einräumen musste. Neben Dunn verabschiedeten sich zwei externe Direktoren also Verwaltungsratsmitglieder mit Kontrollfunktionen ähnlich den deutschen Aufsichtsräten aus dem Gremium.
Erst als Dunn ihren Rücktritt bekannt gab zwei Wochen nach der Befragung vor dem Senat in Washington und Hurd zu ihrem Nachfolger ernannt wurde, begann der Kurs abzurutschen. Inzwischen hat er sich indes wieder gefangen. Es sei kein langfristiger Auszahlungsplan gewesen, in dessen rahmen die Optionen eingelöst und die Aktien verkauft worden seien, stellen die beiden demokratischen Senatoren in einem Schreiben an den HP-Chef fest. «Bitte erklären Sie den Grund für die Transaktion», heißt es laut «Wall Street Journal» in dem Schreiben.
Einflussreiche Demokraten drohenMark Hurd muss sich schnell eine Antwort überlegen, um das Ultimatum der Politiker einzuhalten und sich mit ihnen gut zu stellen. Denn Senator Stupak ist der wichtigste Demokrat in dem Untersuchungsausschuss, der sich in Washington mit dem HP-Skandal befasst und Dingell soll den Vorsitz des übergeordneten, einflussreichen Handelsausschusses im Senat, wenn die im November neu gewählten Vertreter der Bundesstaaten in die obere Kammer des US-Parlaments einziehen. (nz)