13.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Protestzug Brüsseler VW-Arbeiter gegen das geplante Ende der Golf-Produktion
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Brüsseler VW-Arbeiter stehen offenbar Schlange, um das Werk freiwillig gegen eine Abfindung zu verlassen. Gearbeitet wird dort schon seit dreieinhalb Wochen nicht mehr - aus Ärger über den Abzug der Golf-Fertigung.
Schon mehr als 1500 Beschäftigte im VW-Werk Brüssel haben sich bereit erklärt, gegen eine Prämie das Unternehmen zu verlassen. Das teilte Volkswagen
am Dienstagabend in Wolfsburg mit. Bei Beginn der Registrierung zu dem Abfindungsprogramm am Montag hätten die Mitarbeiter Schlange gestanden, hieß es. Beschäftigte, die das Werk freiwillig verlassen, erhalten eine Abfindung von bis zu 144.000 Euro. Die genaue Höhe hängt vom Zeitpunkt der Entscheidung und vom Dienstalter des Mitarbeiters ab.
Der Konzern will 2007 die Produktion des Golf aus Brüssel abziehen und das Modell nur noch im derzeit schlecht ausgelasteten Stammwerk Wolfsburg und in Mosel bei Zwickau fertigen. Davon sind in Brüssel 4000 von rund 5400 Arbeitsplätzen betroffen. 190.000 der in Brüssel jährlich vom Band laufenden 204.000 Fahrzeuge sind Golf-Autos.
Streik dauert anVor dreieinhalb Wochen hatten Mitarbeiter wegen der drohenden Streichung der Stellen die Arbeit niedergelegt. Der Ausstand dauert an. Nach Angaben der Werksleitung bat Fabrikdirektor Norbert Steingräber die Belegschaft dringend, zur Arbeit zurückzukehren.
VW will die Verhandlungen mit den belgischen Gewerkschaften über die Zukunft des Brüsseler Werkes am Donnerstag fortsetzen. Am Dienstag waren bereits Management und Betriebsrat des VW-Werks zu einer Verhandlungsrunde zusammengekommen. Auch in der kommenden Woche werde es voraussichtlich weitere Gespräche geben, hieß es.
Audi A1 als Golf-ErsatzVolkswagen will als Golf-Ersatz von 2009 an einen neuen Kleinwagen von Audi, den A1, in Brüssel fertigen. Dadurch könnten bis zu 3000 Arbeitsplätze erhalten werden, hieß es. Dazu fordert VW aber unter anderem längere Arbeitszeiten. Für eine mögliche Fertigung des A1 in Brüssel soll noch in dieser Woche ein technisches Projektteam bei Audi in Ingolstadt die Voraussetzungen prüfen. Für die Zeit bis 2009 werde noch nach Lösungen gesucht, hieß es.
Ende vergangener Woche hatte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh wegen der Brüsseler Pläne mit einer Protestwelle an allen Standorten gedroht. Wenn sich der Vorstand bis Ende dieser Woche «nicht im Sinne unserer Kolleginnen und Kollegen» bewege, «werden wir über konkrete Solidaritätsbekundungen nachdenken». Der Vorstand müsse seine Restrukturierungspläne für andere Standorte in Westeuropa «endlich auf den Tisch legen». (nz)