30. Nov 2006 16:19
Ein großer Teil der Geldauflagen im Mannesmann-Prozess geht an gemeinnützige Organisationen. Die rennen dem Landgericht Düsseldorf nun die Türen ein.
Ein Gerichtssprecher sagte am Donnerstag, es seien bereits mehr als 100 Anfragen gezählt worden - darunter auch einige zwielichtige. Die ehemaligen Angeklagten und die Staatsanwaltschaft können dem Gericht bis 15. Dezember Vorschläge unterbreiten, an wen das Geld fließen soll. Das Gericht werde dann eine Auswahl treffen, hieß es.Das Landgericht hatte am Mittwoch den Prozess um mögliche schwere Untreue bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Jahr 2000 ohne Urteil beendet – die Richter sahen «kein öffentliches Interesse» an dem Verfahren mehr. Im Gegenzug muss der damalige Mannesmann-Aufsichtsrat und heutige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank
Insgesamt belaufen sich die Geldauflagen auf etwa ein Zehntel der Prämien und Pensionszusagen, die bei der Übernahme geflossen waren. Die Einstellung des Prozesses hatte am Mittwoch für teils scharfe Kritik gesorgt. Die Linksfraktion im Bundestag sprach von einem «Kuhhandel» zwischen der Düsseldorfer Justiz und den Angeklagten. Der Rechtswissenschaftler Walter Beyer nannte die Argumentation in der Netzeitung des Gerichts «sehr schwach». Der rechtspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Jerzy Montag, nannte in der Netzeitung die Einstellung des Mannesmann-Verfahrens eine «grobe Fehlentscheidung». Die Staatsanwaltschaft, aber auch die NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) und «die ganze Landesregierung» hätten sich das öffentliche Interesse an dem Fall «für fünf Millionen Euro abkaufen lassen». (nz)