netzeitung.deInsider-Ermittlungen bei EADS ausgeweitet

 Herausgeber: netzeitung.de

Lupe Insider-Ermittlungen bei EADS ausgeweitet

Wegen möglichen Insiderhandels bei EADS ermittelt in Paris jetzt nicht mehr nur die Börsenaufsicht. Derweil zeichnet sich die Lösung für das zum Verkauf stehende Daimler-Aktienpaket ab. Thema: A380-Krise bei Airbus Bischoff wird EADS-Verwaltungsrat ...

Die Pariser Staatsanwaltschaft hat offenbar ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Insiderhandel beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS
eingeleitet. In Justizkreisen hieß es am Donnerstag, damit reagiere die Behörde auf Vorwürfe vom Juni. Damals hatten EADS-Aktionäre beklagt, sie hätten aus starken Kursschwankungen schwere Verluste erlitten.

Zuvor hatte bereits die in Nancy erscheinende Zeitung «L'Est Républicain» über die aufgenommenen Untersuchungen berichtet. Die EADS-Aktie war Mitte Juni um mehr als 23 Prozent eingebrochen, nachdem weitere Verzögerungen beim Bau des Großraum-Airbus A380 bekannt geworden waren. Vor dem Kurssturz hatten die beiden EADS-Großaktionäre DaimlerChrysler

und Lagardère jeweils 7,5 Prozent EADS-Anteile mit hohem Gewinn verkauft.

Auch der damalige EADS-Co-Chef Noel Forgeard und andere Manager hatten vor dem Kurseinbruch EADS-Aktien mit Gewinn abgestoßen. Wenige Wochen später musste die EADS-Tochter Airbus Lieferverzögerungen beim geplanten Großraumflugzeug A380 einräumen. Forgeard hat alle Anschuldigungen des Insiderhandels bisher zurückgewiesen.
Kleinaktionäre fühlen sich getäuscht
Ein EADS-Sprecher wollte sich am Donnerstag nicht zu den Ermittlungen äußern, da es ein laufendes Verfahren sei. Zudem liege noch keine offizielle Benachrichtigung über eine Untersuchung vor. In jedem Fall werde der Konzern die Behörden vollständig unterstützen. Den Justizkreisen zufolge richtet sich die nun eingeleitete Untersuchung nicht gegen Forgeard, der im Frühjahr zurückgetreten war.

Der französische Kleinaktionärsverband APPAC wirft der EADS-Führung vor, die Öffentlichkeit monatelang über Verzögerungen beim Bau des A380 getäuscht zu haben. Die französische Finanzmarkt-Aufsichtsbehörde hatte bereits im Juni mitgeteilt, man werde Aktienverkäufe von früheren EADS-Managern überprüfen.

Bankenkonsortium steigt direkt ein
Derweil bahnt sich in der Frage des künftigen deutsch-französischen Gleichgewichts bei EADS eine Lösung an. Ein Konsortium aus Banken soll offenbar den deutschen Einfluss sichern, wenn der EADS-Großaktionär DaimlerChrysler ein Aktienpaket in Höhe von 7,5 Prozent verkauft. Nach einem Bericht der «Börsen-Zeitung» sieht die von der Bundesregierung angestrebte Lösung vor, dass das Konsortium – angeführt von Deutscher Bank
, Commerzbank
, WestLB und KfW – das Paket im Wert von 1,5 Milliarden Euro übernimmt.

Dabei solle die Beteiligung direkt und nicht, wie spekuliert, über eine Anleihe erfolgen. Bankenkreise bezeichneten am Donnerstag die von der Zeitung genannten Details als die wahrscheinlichste Lösung. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hatte am Mittwoch mitgeteilt, die Bundesregierung habe bei den Verhandlungen über einen Einstieg von Investoren bei EADS eine grundsätzliche Einigung mit DaimlerChrysler erzielt. Derzeit hält der Autokonzern 22,5 Prozent an EADS; einen ebenso großen Anteil liegt bei französischen Eignern um den Medienkonzern Lagardère.
Landesbanken winken ab
Ein Sprecher der Hamburger Wirtschaftsbehörde erklärte, Hamburg wolle sich an dem zur Disposition stehenden Aktienpaket beteiligen. In welcher Form genau sei noch offen. Weitere Angaben machte er nicht. Der Industrieverband Hamburg (IVH) begrüßte die geplante Hamburger Beteiligung als «wirtschaftspolitisch richtige Entscheidung des Senats». «Die Beteiligung ist eine Investition in die Zukunft der Stadt», sagte IVH-Vorsitzender Karl Gernandt.

Laut «Börsen-Zeitung» sollen die Landesbanken von Bayern und Baden-Württemberg sowie die HSH Nordbank definitiv einen Einstieg bei EADS abgelehnt haben, obwohl sich in den entsprechenden Bundesländern die wichtigsten deutschen Produktionsstandorte des Konzerns befinden. Mit dem Halten des Daimler-Anteils in deutscher Hand will die Politik verhindern, dass eine Sanierung von Airbus überwiegend auf Kosten der Standorte in der Bundesrepublik geht. (nz)