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Lupe Siemens-Schwarzgeld ging in bar über Grenze

Fast jeden Tag wird die Summe, um die es bei der Schwarzgeld-Affäre bei Siemens geht, größer. Der aufgedeckte Skandal kommt für den Konzern zu einer denkbar ungünstigen Zeit. Thema: Schwarzgeld bei Siemens Weitere Siemens-Manager verhaftet Athener ...

Das Ausmaß der Schwarzgeld-Affäre beim Münchener Siemens-Konzern
wächst durch immer neue Details fast täglich – ein Ende ist nicht in Sicht. Nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» könnte die Gesamtsumme des in die schwarzen Kassen geflossenen Geldes den bislang genannten Betrages von 200 Millionen Euro noch deutlich übersteigen.

Allein 70 Millionen Euro sollen über drei Konten bei der Raiffeisenlandesbank Tirol AG geflossen sein. Ein Siemens-Mitarbeiter habe das Geld in bar über die Grenze gebracht und es auf das Raiffeisen-Konto eingezahlt. Der Geldbote sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft - insgesamt wurden sechs Siemens-Mitarbeiter, darunter ein ehemaliger Bereichsvorstand, verhaftet. Der Beschuldigtenkreis ist aber mit zwölf Personen weitaus größer.

Minister in Nigeria bestochen
Von Österreich soll das Geld in viele Länder geflossen sein, um dort an Aufträge zu gelangen oder die Politik des jeweiligen Landes wohlwollend zu stimmen. Unter anderem soll auch der nigerianische Telekommunikations-Minister bedacht worden sein.

Der aufgedeckte Skandal kommt für Siemens zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Begonnen hat die lange Reihe von Negativ-Schlagzeilen mit der Debatte um die geplante 30-prozentige Lohnerhöhung für den Vorstand – dann kam die Pleite der an den taiwanesischen Konkurrenten Benq verkauften Handy-Sparte noch hinzu. Den Verkauf von Enterprise Networks wurde dem Vernehmen nach vorerst gestoppt – noch mehr negative Schlagzeilen kann sich das Unternehmen derzeit nicht leisten.

Kleinfeld nur Zeuge
Sogar das Büro des Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld wurde von der Staatsanwaltschaft München durchsucht – auch wenn Kleinfeld selbst nur Zeuge im Rahmen der Ermittlungen ist. Und nicht nur in Deutschland wird gegen Siemens ermittelt. In Athen geht die dortige Staatsanwaltschaft dem Verdacht auf Unregelmäßigkeiten beim Auftrag für das Sicherheitssystem der Olympischen Sommerspiele 2004 nach – Siemens war am Aufbau beteiligt.

In Italien laufen Untersuchungen gegen Siemens bereits seit mehreren Jahren. Die Staatsanwaltschaft Bozen verdächtigt Siemens, sich in den 90er Jahren den Einstieg in den Telekom-Markt mit Schmiergeld-Zahlungen erkauft zu haben.

Rechnungen für nie geleistete Berater-Aufträge sollen laut «Wall Street Journal» von hochrangigen Siemens-Mitarbeitern unterzeichnet worden sein. Die Bezahlung erfolge über Briefkasten-Firmen mit Sitz in Steueroasen wie den Kanal-Inseln. (nz)