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Lupe Schwarze Kasse bei Siemens-Com gesucht

Auch bei den Olympischen Spielen in Athen war Siemens möglicherweise nur dabei, weil Schmiergelder flossen. In Verdacht stehen zwei Spitzen-Manager der Sparte Com.

Die Staatsanwaltschaft München verdächtigt zwei Bereichvorstände der Sparte Com des Siemens-Konzerns
, bis zu 20 Millionen Euro in Schwarze Kassen geleitet zu haben und sie für Bestechung im Ausland benutzt zu haben. Die «Süddeutsche Zeitung» berichtete, es handele sich um den früheren Com-Finanzchef sowie den im Sparten-Vorstand für das Unternehmensgeschäft zuständigen Manager. Einer der beiden arbeite noch im Immobiliengeschäft des Konzerns. Der andere sei im vergangenen Jahr ausgeschieden.

Dem Blatt zufolge werfen ihnen die Ermittler vor, mit Scheinrechnungen und über Briefkastenfirmen die Millionen aus dem unternehmen geschleust zu haben. Damit sollten nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Verantwortliche in ausländischen Firmen bestochen werden. Unklar sei noch, ob Teile des Geldes in die Taschen der Täter geflossen seien.

Bestechung in Arabien und Asien?
Ermittler hatten in den vergangenen Tagen in einer groß angelegten Aktion mehrere Büros und Wohnungen durchsucht. Die beschlagnahmten Unterlagen würden noch geprüft, hieß es. Drei Verdächtige hätten aber bereits «umfassende Angaben» gemacht. Ingesamt handele es sich um zwölf Verdächtige, von denen zehn beim Unternehmen beschäftigt seien. Namen nannte die Staatsanwaltschaft bislang nicht. Inzwischen sind fünf Haftbefehlen ergangen, von denen sich einer gegen einen früheren Com-Bereichsvorstand richtet.

Laut «SZ» prüft die Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang unter anderem die Vergabe von Aufträgen an Siemens-Com bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen. Auch Telekommunikationsaufträge in Ägypten, Saudi-Arabien, Kuwait, Indonesien und Vietnam hat der Konzern nur durch Korruption erhalten, lautet der Verdacht. Zudem würden neben einem Geschäft in der Karibik zahlreiche weitere Projekte geprüft.

Ausgelöst wurde das verfahren offenbar bereits im vergangenen Jahr, als eine anonyme Anzeige einging. Auch lägen Rechtshilfeersuchen aus der Schweiz und Italien vor, berichtete das Blatt. Die Ermittler prüfen demnach, ob es ein international weit verzweigtes Finanzsystem gegeben hat, um die Schwarze Kasse zu verschleiern.

Ermittlungen auch bei Kraftwerkssparte
Auch in Wuppertal wird der «SZ» zufolge gegen Siemens ermittelt. Dort sei der verdacht ähnlich, es handele sich aber um die Kraftwerkssparte Power Generation. Die Staatsanwaltschaft prüfe Vorwürfe gegen mehrere aktive Mitarbeiter von Siemens. Namen wurden auch hier nicht genannt.

Das Landgericht Darmstadt hatte bereits im März Anklage gegen zwei ausgeschiedene Manager des Kraftwerksbereichs Anklage erhoben. Ihnen wird vorgeworfen, Mitarbeiter den italienischen Stromkonzerns Enel bestochen zu haben, um an Aufträge zu kommen. Auch sie sollen die Mittel nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft in Schwarzen Kassen «außerhalb der offiziellen Buchhaltung» gesammelt haben. (nz)