15.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Bahnmitarbeiter mit Zug der Trenitalia
Foto: Trenitalia
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Italiener müssen sich auf einschneidende Änderungen in ihrem Verkehrssystem vorbereiten. Zwar müssen sie wohl auch in Zukunft nicht laufen - Fliegen und Bahnfahren könnten aber teurer werden.
Die italienische Bahn ist kurz vor der Pleite. «Wir stehen vor dem Zusammenbruch», sagte Mauro Moretti, Geschäftsführer der Staatsbahn Trenitalia, bei einer Ansprache vor dem Senat in Rom.
Er forderte eine Erhöhung des Fahrkarten-Preise sowie Zuschüsse vom italienischen Staat «sonst besteht das Risiko, dass wir Konkurs anmelden müssen». Für eine Sanierung seien in den kommenden vier Jahren vier Milliarden Euro nötig, rechnete Moretti vor. Derzeit schreibe das Unternehmen rote Zahlen im Umfang von 1,7 Milliarden Euro.
Höhere Ticket-Preise bislang abgelehntHöhere Ticket-Preise hatte die Regierung bislang stets abgelehnt. Ministerpräsident Romano Prodi sagte jedoch zu, dem angeschlagenen Konzern helfen zu wollen. Eine eventuelle Kapitalaufstockung erfordere jedoch die Zustimmung der EU-Kommission in Brüssel. Damit ein solches Unterfangen Aussicht auf Erfolg habe, müsse Trenitalia einen Entwicklungsplan vorlegen, hieß es weiter.
Die Bahn ist bereits das zweite staatliche Verkehrsunternehmen, das in Italien vor der Insolvenz steht. Schon im Oktober hatte Prodi gewarnt, dass die Lage bei der staatlich kontrollierten Fluggesellschaft Alitalia «völlig außer Kontrolle geraten sei».
Alitialia: Mehr Passagiere, höherer VerlustZwar hatte Alitalia im ersten Halbjahr die Zahl der Passagiere um über drei Prozent auf 11,7 Millionen gesteigert. Zugleich erhöhte sich jedoch der operative Verlust auf 131,8 Millionen Euro nach 83,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Wegen der prekären Situation war die italienische Regierung, die rund 59,9 Prozent an der Airline hält, immer wieder mit finanziellen Hilfen eingesprungen.
Lange Zeit hoffte Alitalia auf eine strategische Partnerschaft vor allem mit dem französischen Konkurrenten Air France KLM. Interesse der Franzosen besteht durchaus jedoch fordern sie eine vorherige Sanierung des italienischen Konkurrenten. Mit rund 80 Cent ist die Alitalia-Aktie noch halb so viel wert wie ein Jahr zuvor. (nz)