netzeitung.deGasprom will sich an RWE beteiligen

 Herausgeber: netzeitung.de

Gasprom-Zentrale in Moskau (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gasprom-Zentrale in Moskau
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Gasprom will sich in westeuropäische Energiekonzerne einkaufen. Ganz oben auf der Liste steht dem Vernehmen nach das deutsche Unternehmen RWE.

Der russische Energiekonzern Gasprom plant, bei westeuropäischen Energieunternehmen einzusteigen. Nach einem Bericht des «Handelsblatt» steht RWE dabei ganz oben auf der Liste der Russen. Die Zeitung beruft sich dabei auf Unternehmenskreise.

Eine Übernahme der Mehrheit steht jedoch nicht an - was angesichts der komplizierten Aktionärsstruktur von RWE

auch schwierig sein dürfte. Neben der Allianz und der Münchener Rück sind auch zahlreiche Kommunen am Stromkonzern beteiligt. Laut «Handelsblatt» ist eine Minderheitsbeteiligung in Kombination mit einer strategischen Partnerschaft warscheinlich. Aus Unternehmenskreisen hieß es, die Überlegungen seien noch in einem sehr frühen Stadium.
RWE-Aktien werden aufgekauft
Am Aktienmarkt wird Gasprom aber offenbar schon tätig: Investmentbanker bestätigten der Zeitung, dass Papiere von RWE am Markt aufgekauft würden. Die Käufe würden durch mehrere Quellen getätigt, um die Meldeschwelle von fünf Prozent nicht zu überschreiten. Ob dahinter aber wirklich Gazprom oder russische Finanzanleger stehen, blieb unklar, hieß es weiter.

Dass Gaprom daran interessiert ist, Zugang zum Endkunden in Westeuropa zu erhalten, ist schon seit längerem bekannt. Im vergangenen Jahr hatten Manager des Unternehmens wiederholt Interesse am britischen Versorger Centrica geäußert.

Skepsis in der Politik
Innerhalb der EU herrscht jedoch große Skepsis gegenüber den Gasprom-Konzern, der noch mehrheitlich in staatlicher Hand ist. Erst im vergangenen Jahr hatte der Konzern für Unmut gesorgt, als die Gaslieferungen in die Ukraine vorübergehend gestoppt wurden, weil das Land nicht die vom Unternehmen geforderten Preise zahlen wollte. Kritiker vermuteten hinter dem Vorgehen auch politische Motive.

RWE gilt nach dem kürzlich vollzogenen Verkauf von Thames Water als möglicher Übernahmekandidat. Das inzwischen weitgehend auf das Kerngeschäft fokussierte Unternehmen hat in den vergangenen Jahren radikal Schulden abgebaut und verfügt inzwischen über eine positive Nettofinanzposition von 2,2 Milliarden Euro. (nz)