netzeitung.deNRW sieht Windkraft als Blackout-Mitauslöser

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Windkrafträder (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Windkrafträder
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Energiekonzern Eon vermutet, dass die geplante Durchfahrt eines Kreuzfahrtschiffes auf der Ems unter einer Stromleitung einer der Gründe für den Stromausfall ist. Das Land Nordrhein-Westfalen sprach von einem anderen Mitauslöser.

Nach dem weitflächigen Stromausfall am Samstagabend in Westeuropa hat der Energiekonzern Eon die die geplante Durchfahrt des Kreuzfahrtschiffes «Norwegian Pearl» auf der Ems unter einer abgeschalteten Starkstromleitung als eine der wahrscheinlichen Ursachen bezeichnet.

«Eine halbe Stunde vor dem Netzausfall wurde eine Höchstspannungsleitung über der Ems nördlich von Papenburg ausgeschaltet, um ein Schiff passieren zu lassen», sagte der Sprecher der Eon Netz, Christian Schneller, am Sonntag. «Hier kann es möglicherweise einen Zusammenhang geben. Es erklärt den Vorgang aber nicht. Es muss noch andere Ursachen geben.»

Für große Schiffe sei es zu riskant, unter einer nicht abgeschalteten Hochspannungsleitung durchzufahren, sagte ein Sprecher der Meyer-Werft in Papenburg.

Ferner habe eine Panne bei der Einspeisung von Strom aus Windkraft ins Netz nach Darstellung des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums den Stromausfall mit verursacht. Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums erläuterte am Sonntag, je nach Menge des zugeführten Windkraft-Stroms müsse der Anteil von Strom anderer Energieträger angepasst werden. Am Samstag habe es eine erhöhte Einspeisung von Windkraft-Strom gegeben, im Gegenzug sei vermutlich die übrige Strommenge nicht ausreichend reduziert worden.

Etwa zehn Millionen Europäer seien von der Panne betroffen gewesen, sagte der Präsident des französischen Stromzulieferers RTE, André Merlin, am Sonntag in Paris. Über Schäden wurde zunächst nichts bekannt. Dank der späten Stunde am Samstag blieb ein Verkehrschaos aus.

Hochspannungsleitung ausgeschaltet
Belgische und französische Netzbetreiber hatten schon am Sonntagmorgen eine Panne im deutschen Stromnetz für die Ausfälle verantwortlich gemacht.

Laut Eon fiel der Strom im Netz des Betreibers um 22:10 Uhr aus und wurde spätestens um 22.48 Uhr wieder angeschaltet. «Wir wissen immer noch nicht genau, woran es gelegen hat», sagte eine Eon-Sprecherin.


In Frankreich traf der Blackout vor allem den Norden und einige Stadtteile von Paris. Französische Medien sprachen von der «größten Strompanne seit fast 30 Jahren». In Belgien kam der Zugverkehr bei Antwerpen zum Erliegen. In Italien waren mehr als hunderttausend Menschen betroffen, vor allem in Turin und Umgebung. Aber auch im Süden des Landes waren die Folgen des Stromausfalls zu spüren.

Engpässe in Spanien
Auch in einigen Teilen Spaniens kam es zu Energieengpässen. Dort waren Kraftwerke automatisch abgeschaltet worden. Die Verbindung von Spanien nach Marokko sei zum Schutz der dortigen Anlagen abgestellt worden. In Niederösterreich waren nach offiziellen Angaben 2000 Haushalte 13 Minuten ohne Elektrizität.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) verlangte von Eon eine rückhaltlose Aufklärung. «Mein Ministerium wird von Eon einen Bericht über die Netzstörung erhalten. Wir werden diesen Bericht zügig analysieren, um gemeinsam mit den Unternehmen sicherzustellen, dass sich solche Vorfälle, wenn irgend möglich, nicht wiederholen.»

Experten fordern seit Jahren einen Ausbau der Leitungen und Verteilernetze. «Ohne diese Investitionen», warnte die Europäische Kommission im Dezember 2003, «und bei Fortdauer der gegenwärtigen Nachfragesteigerung und Belastung des Netzes entsteht ein immer größeres Risiko von Versorgungsunterbrechungen.» E.on ist mit einem Umsatz von 56 Milliarden Euro der größte private Strom- und Gasversorger in Europa. (nz)