netzeitung.deChronologie des Mannesmann-Prozesses

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Einst Mannesmann, heute Vodafone: Das Gebäude des Unternehmens in Düsseldorf (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Einst Mannesmann, heute Vodafone: Das Gebäude des Unternehmens in Düsseldorf
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Mannesmann-Prozess am Düsseldorfer Landgericht steht vor dem vorzeitigen Ende. Sechs Jahre lang befasste sich die Justiz mit dem Fall um mutmaßliche Untreue bei der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone.

Vor dem Düsseldorfer Landgericht wird der Mannesmann-Prozess neu aufgerollt, nachdem der Bundesgerichtshof Freisprüche aus der ersten Instanz aufgehoben hatte. Auf der Anklagebank sitzen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der ehemalige IG-Metallchef Klaus Zwickel, der frühere Mannesmann-Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Funk und Ex-Mannesmannchef Klaus Esser sowie zwei weitere Angeklagte.

Ihnen wird im Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Jahr 2000 Untreue in einem besonders schweren Fall beziehungsweise Beihilfe vorgeworfen. Im folgenden eine Chronik der wichtigsten Ereignisse in Deutschlands spektakulärstem Wirtschaftsstrafverfahren:

3. Februar 2000:
Vodafone und Mannesmann einigen sich auf eine Übernahme.

7. März 2000:
Esser gerät wegen seiner Rekordabfindung von damals fast 60 Millionen Mark (knapp 30 Millionen Euro) ins Visier der Justiz. Zwei Rechtsanwälte stellen Anzeige gegen Esser wegen des Verdachts der Untreue.

12. März 2001:
Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf weist die Staatsanwaltschaft an, gegen Esser und Mitglieder seiner Führungsmannschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue und anderer Vorwürfe einzuleiten.

20. August 2001:
Die Staatsanwaltschaft weitet ihre Ermittlungen aus. Wegen des Verdachts der Untreue oder der Beihilfe dazu ermittelt die Behörde nun auch gegen Zwickel und Ackermann, die im Mannesmann-Aufsichtsrat saßen.

17. Februar 2003:
Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Ackermann, Zwickel, Esser, Funk, Ex-Konzernbetriebsratschef Jürgen Ladberg und Ex-Personalvorstand Dieter Droste.

19. September:
Die Anklage gegen alle Hauptbeschuldigten wird vom Landgericht Düsseldorf zugelassen.

21. Januar 2004:
Der spektakulärste Strafprozess der deutschen Wirtschaftsgeschichte beginnt.

22. Januar 2004:
Ackermann bezeichnet die Millionenprämien für Esser und sein Team als «eine außergewöhnliche Anerkennung für eine außergewöhnliche Leistung». Zwickel und Funke bestreiten jede Schuld.

17. März 2004:
Vertreter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sagen aus, die Millionenprämien seien von Anfang an auf erhebliche Bedenken gestoßen.

22. Juli 2004:
Das Düsseldorfer Landgericht spricht die Angeklagten frei.

23. Juli:
Die Staatsanwaltschaft legt Revision ein.

5. April 2005:
Die Bundesanwaltschaft schließt sich der Revision an.

21. Dezember 2005:
Der Bundesgerichtshof (BGH) hebt die Freisprüche auf.

25. Oktober 2006:
Neuauflage des Mannesmann-Prozesses vor dem Landgericht Düsseldorf.

2. November:
Ackermann stellt seine Zustimmung zu den Prämien vor Gericht als alternativlos dar. Die Prämien seien keineswegs nur eine «besondere Vergütung für außerordentliche Leistungen in der Vergangenheit» gewesen. Vielmehr habe die Zahlung das Engagement des damaligen Chefs Esser auch im Eingliederungsprozess in die neue Muttergesellschaft Vodafone motivieren sollen, sagt Ackermann.

Esser lässt am selben Tag erklären, er habe die Prämien «nicht erbeten und nicht gewünscht». Die Zahlungen seien zudem keinesfalls «einzigartig hoch» gewesen – sondern «nur einzigartig transparent» in der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

16. November:
Ein früherer Mannesmann-Jurist nennt die Zahlungen an Ex-Chef Esser vor Gericht «ausgesprochen unüblich». Er widerspricht Ackermanns Darstellung: Beim Beschluss sei von einem künftigen Nutzen der Prämien keine Rede gewesen. Damit bestätigt der frühere Hausjurist die Auffassung des BGH, der die Prämien als nutzlos für das Unternehmen bewertet hatte.

24. November:
Ackermanns Anwalt fordert ein Ende des Verfahrens. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ist bereit, der Einstellung des Verfahrens zuzustimmen. Dafür fordert sie die Zahlung von Geldbußen von insgesamt 5,8 Millionen Euro. Über die Einstellung muss das Gericht befinden. Ackermann soll 3,2 Millionen, der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser 1,5 Millionen Euro zahlen. (AP/nz)