10.10.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Maschine der Alitalia
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Lage bei der angeschlagenen Fluglinie Alitalia ist «völlig außer Kontrolle» geraten, warnt Italiens Ministerpräsident Prodi: Es bleibt nur wenig Zeit, um die staatliche Airline zu retten.
Der defizitären Fluggesellschaft Alitalia droht offenbar das Aus. Der staatlichen kontrollierten italienischen Airline bleibt nur wenig Zeit, um einen Bankrott abzuwenden. «Wir haben bis Januar Zeit, um mit einer gemeinsamen Lösung einen Zusammenbruch zu verhindern», sagte der italienische Ministerpräsident Romano Prodi nach Gewerkschaftsangaben bei einer Krisensitzung am Dienstag in Rom. «Die Lage ist völlig außer Kontrolle geraten», warnte er. Zugleich stellte Prodi allerdings klar, dass keine weiteren staatlichen Gelder mehr fließen werden.
«Alitalia durchlebt derzeit die schwierigste Zeit ihrer Geschichte», betonte demnach der Ministerpräsident. Im Mittelpunkt einer Sanierung müsse die Suche nach einer «strategischen internationalen Partnerschaft» stehen. Die Airline erwirtschaftet schon seit Jahren hohe Verluste. Doch bislang blieben alle Sanierungsbemühungen ohne Erfolg. Erst Ende vergangenen Jahres hatte sich die Fluggesellschaft mit den Gewerkschaften auf ein drastisches Sparprogramm geeinigt. Die italienische Regierung, die rund 59,9 Prozent an der Airline hält, war immer wieder mit finanziellen Hilfen eingesprungen.
Alitalia braucht eine Strategie «Es macht keinen Sinn, von Sanierung und Kapitalerhöhung zu sprechen, ohne eine nationale und internationale Strategie zu haben», kritisierte Prodi am Dienstag. Die Airline hat in den vergangenen Jahren im In- und Ausland Marktanteile verloren und leidet vor allem an der wachsenden Konkurrenz durch Billiganbieter.
Vor wenigen Tagen hatte Alitalia-Chef Giancarlo Cimoli eingeräumt, dass die Gesellschaft nicht profitabel arbeiten könne: «Je mehr wir fliegen, desto mehr verlieren wir Geld.» Zwar hatte das Unternehmen im ersten Halbjahr die Zahl der Passagiere um über drei Prozent auf 11,7 Millionen gesteigert - doch zugleich erhöhte sich der operative Verlust auf 131,8 Millionen Euro nach 83,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. «Wir brauchen eine radikale Änderung des Systems, sonst steht das Überleben der Alitalia auf dem Spiel», hatte Cimoli gewarnt.
Eine «politische Frage»Alitalia hoffte lange Zeit auf eine strategische Partnerschaft vor allem mit dem französischen Konkurrenten Air France. Doch über eine Handelspartnerschaft ging die Kooperation wegen der Zurückhaltung der Franzosen bislang nicht hinaus. Eine strategische Partnerschaft wiederum ist für Prodi auch eine «politische Frage» - schließlich gehe es dabei auch um Ansehen und Glaubwürdigkeit der Regierung. (nz)