Siemens-Vorstände handeln «instinktlos»
20.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Siemens verteidigt die am Wochenende bekannt gewordenen Gehaltspläne. «Fakt ist: Bei Siemens hat es seit drei Jahren keine Anpassungen gegeben», sagte ein Unternehmenssprecher in München. Mit den Erhöhungen habe man sich an anderen Dax-Unternehmen orientiert und sich dabei «nicht an die Spitze katapultiert». Zudem seien vor den entsprechenden Entscheidungen Gutachten hinzugezogen worden.
Bayerns Ministerpräsiden Edmund Stoiber (CSU) warf dem Unternehmen Instinktlosigkeit vor: «Das ist für mich ein außerordentlich bedauerlicher Vorgang», sagte Stoiber in Kloster Banz. Die deutsche Wirtschaft sei in einem Umstrukturierungsprozess, fügte der Ministerpräsident auch mit Blick auf die Probleme bei Siemens an. «Von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern muss das so verstanden werden, dass man die Situation bei ihnen ablädt und beim Vorstand einen anderen Maßstab anlegt.»
Verärgerung rufen die Pläne auch bei den Mitarbeitern von Siemens am Standort Erlangen hervor. Es sei für die Mitarbeiter nicht erkennbar, welche Leistungen diese Einkommenserhöhungen rechtfertigten, schreibt Siemens-Betriebsratsvorsitzender Klaus Hannemann in einem bereits am Dienstag veröffentlichen offenen Brief an den Aufsichtsrat und Vorstand des Konzerns. Die Überraschung bei der Belegschaft sei um so größer, als erst vor wenigen Tagen 50 Prozent der Erlanger Siemens-Beschäftigten mitgeteilt worden sei, dass die Firma beabsichtige, ihr Tarifentgelt zu senken. (nz)

