In HP-Spitzelaffäre drohen drei Jahre Haft
14.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Mögliche Vorwürfe seien der illegale Zugriff auf Computerdateien, der Zugang zu persönlichen Daten Dritter und ihre rechtswidrige Verwendung sowie Betrug, um an Daten eines Versorgers in diesem Fall einer Telefongesellschaft zu gelangen. Sollte es jemanden innerhalb des Konzerns treffen, dürfte er wegen Anstiftung und Beihilfe zur Verschwörung vor Gericht gestellt werden, meinte der Jurist.
Im Falle einer Verurteilung sei je nachdem, wie genau die Anklage formuliert wird eine Höchststrafe von einem bis drei Jahren Gefängnis vorgesehen, erläuterte Shustak. Seiner Einschätzung nach dürfte sich ein Schuldnachweis vor Gericht leicht erbringen lassen, zumindest was die Vorwürfe des so genannten Pretexting durch einen Privatdetektiv angeht.
Das Leck ist inzwischen identifiziert und Verwaltungsratspräsidentin Patricia Dunn hat bereits angekündigt, ihren Posten nach dem Jahreswechsel an Fiorina-Nachfolger Mark Hurd zu übergeben. Sie wird zwar als unabhängige Direktorin im Verwaltungsrat bleiben. Dafür tritt George Keyworth doch zurück: Der Direktor hatte eingestanden, Informationen an Journalisten weitergegeben zu haben, wollte aber nach Aufforderung von Dunn nicht zurücktreten. Dafür verließ Keyworth-Freund Tom Perkins im Zorn den Verwaltungsrat und machte die Affäre öffentlich.
Er sprach lediglich davon, eine im Raum Boston an der Ostküste ansässige Detektei in Visier zu haben und dass es sich um eine «komplizierte Kette» von verdächtigen Firmen und Personen in mehreren Bundesstaaten handele. Namen wurden nicht genannt, auch die von den Bespitzelungen selbst betroffene Presse hält sich mit Spekulationen zurück. Nach Angaben des Lockyer-Sprechers liegen der Behörde genug Beweise vor, um Anklage zu erheben «möglicherweise bald».
Doch Lockyer ist nicht unbedingt auf Taten angewiesen, um sich im Wahlkampf zu behaupten manchmal reichen schon seine Äußerungen in der Presse: Für einen Skandal sorgte ein Zitat von ihm im «Wall Street Journal» auf dem Höhepunkt der Stromkrise in Kalifornien 1999. Damals sagte er über den inzwischen verstorbenen Chef des Energiehändlers Enron, Kenneth Lay: «Ich würde es lieben, ihn persönlich in eine zwei mal drei Meter große Zelle zu eskortieren, die er mit einem tätowierten Typen teilen muss, der sagt: 'Hallo, mein Name ist Spike, Liebling'.» (nz)

