netzeitung.deAufruhr um geplanten Umzug von Wall

 Herausgeber: netzeitung.de

Chef des Außenwerbers Wall, Hans Wall (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Chef des Außenwerbers Wall, Hans Wall
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Umzugspläne des Außenwerbers Wall haben den Berliner Senat in helle Aufregung versetzt. Wirtschaftssenator Wolf hofft, Firmenchef Wall mit verbesserten Rahmenbedingungen zu halten.

Der Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) will den Wegzug des Außenwerbe- Unternehmens Wall mit seinen 320 Mitarbeitern verhindern. Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen, sagte Wolf nach einem Gespräch mit Vorstandschef Hans Wall am Donnerstag.

Weitere Gespräche seien vereinbart, hieß es weiter. Darin sollten alle Optionen geprüft werden, «wie die Bedingungen für Wall am Standort Berlin und in der Hauptstadtregion stabilisiert und verbessert werden können». Hans Wall hatte nach einer Niederlage in einem Bieterwettstreit um die Werbetochter der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), VVR-Berek, angekündigt, den Firmensitz nach Hamburg zu verlegen. Die Entscheidung, VVR-Berek an den französischen Konzern JCDecaux zu verkaufen, hatte Wall als «Armutszeugnis» und verfehlte Wirtschaftspolitik kritisiert.

Angebot aus Frankreich war besser
Er warf der rot-roten Landesregierung vor, dass letztlich der Kaufpreis und nicht die Qualität des Angebots entscheidend gewesen sei. «Immer der Größte bekommt den Zuschlag. Das kann nicht sein», empörte er sich. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa belief sich das Angebot von Wall auf 60 Millionen Euro. Zusätzlich sollten 15,3 Millionen Euro investiert werden. JCDecaux bot 103 Millionen Euro und gab Investitionszusagen in Höhe von 22,2 Millionen Euro.

Der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) wies die Kritik Walls zurück:: JCDecaux habe «sowohl beim Kaufpreis als auch bei den Investitions- und Arbeitsplatzzusagen das beste Angebot unterbreitet». Hätte das Land Berlin dennoch einen lokalen Bieter bevorzugt, «hätte das leicht einen Filzgeruch bekommen können», fügte der Senator hinzu, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der BVG ist.

Wall bleibt bestimmt
Auch der Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer, Eric Schweitzer, reagiert verständnislos auf die Vorwürfe von Wall: «Es gibt klare Regeln für Ausschreibungen, damit keine politische Willkür herrscht, und daran halten wir uns. Das Angebot von Decaux war einfach besser», sagte er der «Berliner Morgenpost». Schweitzer erwartet aber, dass Wall in Berlin bleibt. (nz)