19.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Yahoo-Chef Terry Semel
Foto: Yahoo
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Yahoo hat zwar erwartungsgemäß einen Gewinneinbruch verzeichnet. Doch Analysten waren auch enttäuscht darüber, dass eine verbesserte Werbeplattform erst später kommt als angekündigt.
Der Internet-Portalbetreiber Yahoo hat im abgelaufenen Quartal wie erwartet einen Gewinneinbruch verzeichnet. Der Überschuss fiel im zweiten Quartal um 78 Prozent auf 164 Millionen Dollar oder elf Cent je Aktie, wie das Unternehmen am Dienstag nach US-Börsenschluss in Sunnyvale im US-Bundesstaat Kalifornien mitteilte.
Im Vorjahr hatten Gewinne aus einem Anteilsverkauf an Google das Ergebnis um 563 Millionen auf 755 Millionen Dollar nach oben getrieben. Das deutlich niedrigere Ergebnis im vergangenen Quartal war in etwa dieser Größenordnung erwartet worden.
Vorsichtiger als AnalystenDer Umsatz fiel indes etwas schwächer aus als von Analysten vorhergesagt. Er zog im Berichtsquartal um 26 Prozent auf 1,576 Milliarden Dollar an, was den Angaben zufolge auch dem Interesse an der Fußball-WM geschuldet ist. Yahoo verbuchte mehr als 138 Millionen Video-Streams zu dem Turnier. Ohne Zahlungen an Partnerfirmen die so genannten Verkehrsakquisitionskosten (TAC) stieg der Umsatz auf 1,12 Milliarden Dollar. Hier hatten Analysten im Schnitt mit 1,139 Milliarden Dollar gerechnet.
Yahoo bekräftigte zugleich seinen Ausblick für das Gesamtjahr. Ohne TAC werde der Umsatz bei 4,6 bis 4,85 Milliarden Dollar liegen, hieß es. Analysten rechnen bislang für 2006 im Schnitt mit 4,78 Milliarden Dollar. Auch die Prognose für das laufende Quartal liegt etwas unter den Schätzungen der Marktbeobachter: Yahoo erwartet einen Umsatz zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Dollar, während Analysten im Schnitt auf 1,2 Milliarden Dollar tippen.
Neues System verzögert sichZugleich teilte Yahoo mit, dass sich der Start einer verbesserten Werbe-Suchtechnik verzögere. Die neue Plattform werde erst im vierten Quartal gestartet, sagte Vorstandschef Terry Semel. Ursprünglich sollte das System im dritten Quartal den Betrieb aufnehmen. «Um die Anforderungen zu erfüllen, die unserer Ansicht nach unsere Kunden von uns erwarten dürfen, halten wir es für klug, etwas mehr Zeit für die Einführung zu verwenden», begründete Semel die Verschiebung.
Marktbeobachter sehen in der Verzögerung einen klaren Dämpfer für Yahoo im Bemühen, bei Online-Werbung den Abstand zum Marktführer Google zu verringern. Investoren warten mit Spannung auf das neue automatisierte System für suchbasierte Werbeanzeigen, das in mehreren Stufen eingeführt werden soll. 88 Prozent des Gesamtumsatzes von Yahoo stammen aus Online-Werbung. Die Aktien von Yahoo gaben im nachbörslichen Handel zeitweise um fast 14 Prozent nach. (nz)