netzeitung.deSPD handelt mehr für «FR» aus

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Der neue Redaktionssitz der 'Frankfurter Rundschau' (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der neue Redaktionssitz der 'Frankfurter Rundschau'
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Dem DuMont-Verlag geht es bei der Übernahme der «Frankfurter Rundschau» angeblich nicht nur ums Geld. Noch in diesem Monat könnten die Kölner die Regie bei dem linksliberalen Blatt übernehmen.

Möglicherweise erhält die SPD-Medienholding DDVG einen höheren Preis für ihre Mehrheitsbeteiligung am Druck- und Verlagshaus Frankfurt, in dem die «Frankfurter Rundschau» erscheint: Statt des bislang vermuteten rund 30 Millionen Euro könnten die Einnahmen «deutlich» über 35 Millionen Euro liegen, berichtete die «Süddeutsche Zeitung» unter Berufung auf einen nicht näher bezeichneten Insider. Die Verhandlungen seien praktisch abgeschlossen, hieß es. Demnach könnte der Verkauf noch in diesem Monat über die Bühne gehen.

Die DDVG, in der die SPD ihre Beteiligung an Medienunternehmen gebündelt hat, war im Frühjahr 2004 beim angeschlagenen Druck- und Verlagshaus eingestiegen. Die Schulden des Unternehmens sowie des damaligen Alleineigners, der Karl-Gerold-Stiftung, sollen sich zu diesem Zeitpunkt auf rund 100 Millionen Euro summiert haben. Das Verlagshaus war in einem Gutachten zwar als «sanierungsfähig» eingestuft worden. Dennoch gehen Fachkreise davon aus, dass im vergangenen Jahr noch ein Betriebsverlust von zehn Millionen Euro angefallen ist.

«FR» bleibt linksliberal und überregional
Die «Süddeutsche» nennt als Begründung für den raschen Abschluss, dass es keinen echten Bieterwettbewerb um die «FR» gegeben habe. Wieso die SPD dennoch in der Lage war, mehr als erhofft aus dem Geschäft zu erlösen, berichtete das in München erscheinende Blatt allerdings nicht. Neben dem DuMont-Verlag - Mutterhaus des Kölner «Express», der «Kölnischen Rundschau», des «Kölner Stadtanzeigers» sowie der «Mitteldeutschen Zeitung» – waren der Holtzbrinck-Konzern, die westdeutsche WAZ-Gruppe und das in Hannover angesiedelte Verlagshaus Madsack genannt worden. Eine Übernahme durch die letzt genannte Gruppe galt als Notlösung, weil Verkäufer DDVG zu 23 Prozent an Madsack beteiligt ist.

Laut «Süddeutscher» stecken hinter der Kaufentscheidung durch DuMont weniger finanzielle als vielmehr verlegerische Gründe. Welche das sein könnten, berichtete die Zeitung nicht. Die linksliberale Linie der «FR» solle jedenfalls ebenso erhalten bleiben wie die überregionale Verbreitung des Traditionsblattes – ansonsten müssten die Statuten der Karl-Gerold-Stiftung geändert werden, die mit zehn Prozent Minderheitseigner ist und bleiben wird.

Druckaufträge gefährdet?
Betriebswirtschaftliche Probleme könne es indes mit den Auftragen fremden Zeitungen für das Druck- und Verlagshaus geben. So stehe in vielen Verträgen eine so genannte Chance-of-Control-Klauseln, die Neuverhandlungen bei einem Eigentümerwechsel ermöglicht. In der in Neuisenburg südlich von Frankfurt angesiedelten Druckerei werden unter anderem Teilauflagen des bei Holtzbrinck erscheinenden «Handelsblatts», aber auch des Druck-Verlags Blitz-Tip bearbeiten. Da die Geschäftsbeziehungen zudem zeitlich befristet sei, könnten die Einnahmen aus den fremden Druckeraufträgen sinken, berichtete die «Süddeutsche» weiter. (nz)