T-Mobile könnte von Doping-Affäre profitieren
30.06.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Die Telekom-Tochter T-Mobile könnte nach Ansicht von Marketing-Experten von der Doping-Affäre um den Radsportler Jan Ullrich - zumindest kurzfristig - profitieren. «Es kann durchaus einen positiven Effekt für T-Mobile haben», sagte Arnold Hermanns, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität der Bundeswehr München, der Netzeitung.
Als Beispiel führte er den größten Doping-Skandal in der Geschichte der Tour de France aus dem Jahr 1998 an: Damals habe sich der Ausschluss des gesamten Festina-Teams von der Tour de France positiv auf den Sponsor Festina, einen spanischen Uhrenhersteller, ausgewirkt, erläuterte Hermanns, der auch Autor des Buchs «Sponsoring und Events im Sport» ist. «Wer kannte denn vorher Festina? Plötzlich hatten die einen ungeheuren Bekanntheitsgrad.»
«Kurzfristig verschafft der Vorfall T-Mobile aber auch einen Nutzen: Denn durch die gesamte Medienberichterstattung wird das Radsport-Sponsoring von T-Mobile auf einen Schlag noch bekannter.»
«Denn auch wenn möglicherweise noch gar nicht abschließend bewiesen ist, dass an den Vorwürfen etwas dran ist, hätte eine tage- oder wochenlange Hängepartie für T-Mobile wirklichen wirtschaftlichen Schaden anrichten können.» Der negative Effekt wäre umso größer gewesen, wenn es eine Bestätigung des Verdachts erst während der Tour de France gegeben hätte, betonte Kollege Hermanns.
Insbesondere beim Sportsponsoring sei das Risiko, in Doping-Skandale verwickelt zu werden, groß, urteilte Voeth. «Das unterscheidet Sportsponsoring von Kultursponsoring. Risiko bedeutet aber nicht nur eine größere Gefahr von Verlust, sondern auch eine größere Gewinnchance: Wenn also beispielsweise Jan Ullrich in diesem Jahr 'sauber' die Tour gewonnen hätte, dann hätte sich die Sponsoring-Investition vielfach ausgezahlt.»

