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Verdi kritisiert Lidls Verhalten im Ausland

27. Jun 2006 17:43
Mitarbeiterin bei Lidl
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In einem Schwarzbuch wirft Verdi der Supermarktkette Lidl vor, auch im Ausland Sozialdumping zu betreiben. Der Discountbetreiber ist sich jedoch keiner Schuld bewusst.

Die Gewerkschaft Verdi hat die Arbeitsbedingungen von Mitarbeitern der Discounter-Kette Lidl im europäischen Ausland kritisiert. Der Arbeitsalltag sei gekennzeichnet von knappem Personal, Zeitdruck und ständigen Kontrollen bis in den privaten Bereich, monierten Gewerkschaftsvertreter am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung eines Lidl-Schwarzbuchs für Europa.

In dem Buch werden die Praktiken der Geschäftsführung im Ausland beschrieben. Als besonders skandalös bezeichnete Gewerkschaftssekretärin Agnes Schreieder die Videoüberwachung in französischen Lidl-Märkten. Im Lager einer Filiale in Nantes gebe es mehr Kameras als im örtlichen Gefängnis, betonte sie. Damit würden alle Mitarbeiter per se unter Diebstahlverdacht gestellt.

Schwarzbuch Deutschland

Mehr in der Netzeitung:
Bereits Ende 2004 veröffentlichte Verdi ein Schwarzbuch für Lidl Deutschland, in dem dem Unternehmen ein ähnliches Gebaren gegenüber seinen Mitarbeitern bescheinigt wird.

Die Lidl-Discounter gehören zur Unternehmensgruppe Schwarz aus dem baden-württembergischen Neckarsulm. Mit Lidl und der Supermarktkette Kaufland hat Schwarz im vergangenen Jahr rund 40 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Zum Gewinn machte die Gruppe keine Angaben.

Verstoß gegen Ruhezeiten

Inzwischen verfügt Lidl über mehr als 6000 Filialen in 24 Ländern. Dabei werde das System «Billig auf Kosten der Beschäftigten» einfach exportiert, sagte Andreas Hamann, Autor des Schwarzbuchs. Zwar halte sich Lidl in Staaten mit starken Gewerkschaften «formal an die Spielregeln», sagte Hamann weiter: Mitbestimmungsgremien würden akzeptiert, betriebliche Vereinbarungen mit Arbeitnehmervertretern getroffen. Sobald sich jedoch Möglichkeiten böten, Standards abzusenken, nutze das Unternehmen diese auch.

Als ein Beispiel nannte Hamann Polen. Dort seien «beinahe flächendeckend» Verstöße gegen die Einhaltung der Ruhezeiten registriert worden. Überstunden würden dort so gut wie nie bezahlt und Arbeitszeiten nur ungenau erfasst. In anderen Ländern würde die Wahl von Betriebsräten verboten und Gewerkschaftsarbeit massiv behindert, hieß es weiter.

«Unverrückbare Grundsätze»

Lidl wies die Vorwürfe scharf zurück. Sie seien «verantwortungslos und rufschädigend» zurück, teilte das Unternehmen am Dienstag in Neckarsulm mit. Die von Verdi vorgebrachten Einzelfälle entsprächen weder dem Stil noch den Führungsgrundsätzen von Lidl.

Das Unternehmen verwies auf «unverrückbare Grundsätze». Dazu gehöre, dass die Mitarbeiter korrekt bezahlt würden und das Unternehmen jede Überstunde vergüte. Darüber hinaus würden die Arbeitszeiten eingehalten. (nz)

 
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