netzeitung.de«Als Anleger bin ich doch nicht karitativ tätig»

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Christian Angermayer (Foto: privat<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Christian Angermayer
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Die «Heuschrecken»-Debatte hat der Private-Equity-Branche am Ende vielleicht sogar genützt, meint Christian Angermayer vom Dachfonds-Betreiber Themis. Die Netzeitung sprach mit ihm über Anlagechancen und risikoscheue Anleger.

Netzeitung: Herr Angermayer, derzeit läuft die Zeichnungsfrist für die Kapitalerhöhung bei Themis Equity Partners. Wie groß ist die Nachfrage?

Christian Angermayer: Es handelt sich um eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht – Altgesellschafter können bis Dienstag zeichnen. Die Zeichnungsfrist für nicht bezogene Aktien läuft vorbehaltlich einer vorzeitigen Schließung bis kommenden Donnerstag. Die Nachfrage ist sehr gut. Die großen Investoren, die bereits heute bei uns beteiligt sind, wollen aufstocken. Wir sind daher schon jetzt mehrfach überzeichnet. Was wir jetzt noch machen, ist gewissermaßen eine Investorenoptimierung: Wir teilen die neuen Aktien denjenigen Investoren zu, die möglichst langfristig einsteigen oder zukaufen wollen.

Netzeitung: Wie sieht die Nachfrage bei Privatanlegern aus? Herrscht da noch Skepsis gegenüber Private Equity?

Angermayer: Das kann ich derzeit noch nicht sagen. Nur von den institutionellen Investoren, bei denen wir auf Road Show sind, bekommen wir ein umgehendes Feedback. Noch wissen wir nicht, wie die Ausübung der Bezugsrechte bei den Privatanlegern ausgefallen ist. Was jedoch ein positives Indiz für die Privatanleger-Nachfrage ist: Die bekannten Anlegerzeitschriften wie «Capital», «Der Aktionär» oder «Euro am Sonntag» stehen der Kapitalerhöhung ausgesprochen positiv gegenüber.

Deshalb gehen wir davon aus, dass auch Privatanleger gut mit dabei sein werden. Allerdings spielen für uns die institutionellen Investoren die wichtigere Rolle, weil sie langfristig interessanter sind. Im Verhältnis zu den Institutionellen wird der Anteil der Privatanleger bei der Zuteilung daher eher niedrig sein.

Netzeitung: Was macht den Einstieg bei Private Equity für Private besonders attraktiv?

Angermayer: Private Equity hat erwiesenermaßen in den vergangenen Jahrzehnten konstant eine wesentlich höhere Rendite als Aktien oder erst recht die Rentenmärkte erreicht. Im Buyout-Segment etwa liegt die durchschnittliche jährliche Rendite bei rund 19 Prozent, im Venture-Capital-Geschäft sogar bei über 26 Prozent. Und das bei einer grundsätzlich relativ geringen Korrelation zur Börsenentwicklung. Das heißt: Der Anleger erhält eine extrem hoch rentierliche Anlage, die noch dazu relativ wenig mit den Aktienmärkten zu tun hat. Aber diese beiden Gründe gelten für institutionelle wie private Anleger gleichermaßen.

Das größte Manko bei traditionell geschlossenen Private-Equity-Fonds ist allerdings, dass sich ein Anleger zehn bis 15 Jahre fest binden muss, um diese hohen Renditen zu erwirtschaften. Er bekommt zwar regelmäßig Gewinnausschüttungen, aber sein Einsatz ist auf Jahre hin gebunden. So etwas schreckt gerade Privatanleger ab, für die Liquidität ein wichtiges Thema ist. Hier kommt nun der besondere Pluspunkt der Themis zum Zug: Themis ist ein börsennotierter Dachfonds, der in andere Private-Equity-Fonds investiert. Somit kann der Privatanleger die positiven Seiten von Private Equity nutzen, hat aber eine täglich liquide Aktie im Depot. Das ist einmalig in Deutschland.

Netzeitung: Aber Ihre Beteiligungen an den Fonds laufen doch über einen mehrjährigen Zeitraum. Müssen dann nicht auch Privatanleger bei Ihnen so lange investiert bleiben? Für sie zeichnet sich doch auch erst nach einigen Jahren ab, wie erfolgreich die ausgewählten Fonds wirklich sind.

Angermayer: Das stimmt. Wir investieren in nicht-liquide Private-Equity-Fonds, bei denen sich der Erfolg erst über Jahre hinweg zeigt. Und wir freuen uns natürlich über langfristige Anleger, die Private Equity als festen Bestandteil ihres Portfolios ansehen. Aber unsere Investoren haben immerhin die Möglichkeit, auch schon nach kurzer Zeit wieder auszusteigen – aus welchen Gründen auch immer. Und diese potenzielle Liquidität ist Anlegern viel wert.

Netzeitung: Ihre laufende Kapitalerhöhung überschneidet sich interessanterweise mit der Exitphase einiger Ihrer Zielfonds, also dem Ausstieg aus Beteiligungen, bei denen die getätigten Investment zu barem Geld gemacht werden ...

Angermayer: Wir haben unser Portfolio bisher vereinfacht gesagt in zwei Phasen aufgebaut: das meiste von 2002 bis 2004, und in einer zweiten Phase in 2005 und 2006. Die Beteiligungen der ersten Phase kommen nun in die Exitphase, so dass es hier zu starken Rückflüssen kommt. Wir sind derzeit indirekt an mehr als 50 Unternehmen beteiligt, von denen viele in nächster Zeit verkauft oder an die Börse gebracht werden können. Das Entscheidende ist: Diese Beteiligungen stehen überwiegend zum Einstandskurs in unserer Bilanz und der quartalsweise publizierten Net-Asset-Value-Berechnung oder wurden – wenn sie schlecht gelaufen sind – abgeschrieben. Nur in Ausnahmefällen erlaubt sind aber Zuschreibungen. Wir werden also in den kommenden zwölf bis 24 Monaten zahlreiche stille Reserven heben und sichtbar machen.

Netzeitung: Mit welchem Gewinn rechnen Sie dadurch in diesem Jahr?

Angermayer: Analysten schätzen die Summe für 2006 auf mindestens drei Millionen Euro, und damit fühlen wir uns sehr wohl.

Netzeitung: Was planen Sie mit den Einnahmen aus der Kapitalerhöhung?

Angermayer: Mit dem neuen Geld investieren wir in weitere Private Equity Fonds, die sich dann ihrerseits an neuen Unternehmen beteiligen. Wir müssen schließlich jetzt die stillen Reserven und Erträge der Zukunft aufbauen.

Netzeitung: Wie ist die derzeitige Lage für neue Investments?

Angermayer: Das lässt sich so nicht mit einem Satz beantworten. Private Equity teilt sich vereinfacht gesagt in drei Unterbereiche auf: High-Tech-Finanzierung über Venture Capital, das Buyout- und das Mezzanine-Geschäft. Allein den Buyout-Bereich kann man dann wieder in verschiedene Segmente aufteilen: Large-Cap-Buyout – also die milliardenschweren Transaktionen, von denen man immer wieder in der Presse liest –, Investitionen in Mittelständler und Sanierungen und Restrukturierungen. Einige dieser Segmente sind unseres Erachtens aufgrund des enormen Kapitalzuflusses überhitzt. So meiden wir aktuell bewusst großvolumige Buyout-Fonds, bei denen wir es als schwierig erachten, die eingesammelten Volumina zu vernünftigen Renditen zu investieren.

Unser Lieblingssegment – wenn man es denn so nennen will – sind Sanierungs- und Restrukturierungsfonds, da deren Performance besonders wenig mit der Börse und dem allgemeinen wirtschaftlichen Klima korreliert. Ob eine Sanierung ein Erfolg wird oder nicht, hängt nur in geringem Maße von der allgemeinen Wirtschaftslage und den Börsen ab, sondern in erster Linie von den Fähigkeiten des Investors. Setzt man hier auf die richtigen Fonds, kann man konstant weit überdurchschnittliche Renditen erzielen. Im ersten Moment mögen Restrukturierungen risikoreich klingen, aber die Deals werden von den richtig guten Teams regelmäßig so strukturiert, dass das Down-side-Risiko extrem begrenzt ist. Es ist oftmals niedriger als bei einem klassischen Investment.

Netzeitung: Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland eine heftige Debatte über Private- Equity-Firmen, die als «Heuschrecken» bezeichnet wurden. Wie stark hat das dem Image der Beteiligungsbranche geschadet?

Angermayer: Ich denke, letztlich gar nicht. Deutschland hat bei Private Equity ziemlichen Nachholbedarf, und die Debatte hat zumindest die Aufmerksamkeit dafür geschaffen, was unsere Branche überhaupt macht. Wenn ich früher meinen Freunden gesagt habe, dass ich im Bereich Private Equity arbeite, wusste niemand, was das ist. Heute muss ich nur sagen «Ich bin eine Heuschrecke», und jeder weiß, was ich tue. Vielleicht hat es am Ende sogar mehr genützt als geschadet.

Peinlich war es jedenfalls für die Leute, die die Diskussion entfacht haben – aber das ist eine politische Sache. Es ist meines Erachtens schizophren, erst eine ganze Branche zu denunzieren und dann ehemalige Staatsbetriebe an eben solche «Heuschrecken» zu verkaufen. Die heutige Politik in Deutschland ist meines Erachtens zumindest in Wirtschaftsfragen so anfängerhaft und realitätsfremd, dass vernünftigen Unternehmern und Investoren nichts anderes übrig bleibt, als die täglichen Äußerungen einfach zu ignorieren – morgen ist ohnehin wieder alles anders.

Netzeitung: Sie sagten, Private Equity hat in Deutschland noch Nachholbedarf. Sind die privaten Anleger in Deutschland da besonders risikoscheu?

Angermayer: Das ist ja gerade das Interessante: Wie auch Ihre Frage zeigt, assoziiert man Private Equity immer mit Risikokapital. Das ist es aber gerade nicht. Private Equity weist ein wesentlich besseres Rendite-Risiko-Verhältnis auf als Aktien oder Anleihen. Es wäre also sogar risikoärmer, wenn man in sein Portfolio mehr Hedgefonds und Private Equity beimischte.

Ich glaube eher, dass die Deutschen insgesamt zu wenig über ihre Geldanlage nachdenken. Wir sind zwar ein Land der Sparer, aber nicht wirklich der intelligenten Anleger. Und das gilt nicht nur für Privatanleger, sondern auch für viele institutionelle Investoren. Der Mix der Anlageklassen ist bei den meisten deutschen Anlegern nicht vernünftig. Deutsche Versicherer etwa haben im Durchschnitt ein bis drei Prozent in Private Equity investiert, die Harvard-Universität dagegen etwa 17 Prozent ihres eigenen Investmentvermögens.

In diesem großen Problemfeld gehen die innovativen Anlageklassen wie Hedgefonds und Private Equity völlig unter – aber nicht weil sie zu risikoreich wären oder weil die Deutschen zu risikoscheu sind, sondern weil zu wenig Aufklärung betrieben wird. Deshalb war diese «Heuschrecken»-Debatte eben am Ende vielleicht sogar hilfreich. Viele Freunde haben mir gesagt: «Mir ist egal, was ihr macht – ihr scheint auf jeden Fall damit Erfolg zu haben. Lieber investiere ich in eine erfolgreiche 'Heuschrecke' als in ein lahmes Sparbuch.»

Netzeitung: Aber die Debatte drehte sich gerade um die Rolle der «Heuschrecken» in den Unternehmen – dass also nur auf die Rendite geschaut wird und unter Umständen Arbeitsplätze, also Mitarbeiter, auf der Strecke bleiben ...

Angermayer: Ganz ehrlich: Als Anleger bin ich doch nicht karitativ tätig. Selbstverständlich schaue ich auf die Rendite – worauf denn sonst?! Was die Frage der Arbeitsplätze betrifft: Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass Private-Equity-geführte Unternehmen schneller und profitabler wachsen als Unternehmen ohne Beteiligungskapital. Und die Anzahl der Arbeitsplätze ist natürlich überproportional gestiegen. Das sieht die Politik auch, daher gibt es ja auch viele Vergünstigungen für Private Equity.

Der Staat fördert Private Equity gerade wegen der Schaffung von Arbeitsplätzen, das ist in der Heuschreckendebatte – die rein wahlkampforientiert war – völlig untergegangen. Im Übrigen: Die meisten Anleger fanden die Assoziation mit Heuschrecken, die negativ gemeint war, überhaupt nicht negativ. Sie haben verstanden, dass es am Ende zu ihrem Vorteil ist, dass diese Branche vor allem die Erträge im Blick hat und hohe Renditen erzielt. Der Schuss der SPD ging nach hinten los.

Zuletzt noch ein Beispiel: Sie haben eine drohend insolvente Firma mit 3000 Arbeitsplätzen. Nun hat man die Wahl – entweder man verändert nichts, arbeitet weiter wie bisher, muss irgendwann Insolvenz anmelden und produziert 3000 neue Arbeitslose. Oder man fährt mit Hilfe professioneller Investoren einen harten Sanierungskurs, bei dem man vielleicht auch 500 Mitarbeiter abbauen muss, hat aber am Ende 2500 stabile Arbeitsplätze und eine sanierte Firma. Was ist die bessere Alternative? Wir leben nun einmal nicht in einem sozialistischen Märchenland, sondern in einer sich verändernden, globalisierten Welt. Natürlich wäre es schön, wenn man in meinem Beispiel alle 3000 Arbeitsplätze retten könnte, aber das ist oftmals nicht die Alternative.

Man muss sich einfach nur über Ursache und Wirkung im Klaren sein: Unsere Branche schafft nicht deshalb Arbeitsplätze, weil wir so human sind, sondern weil gesunde Unternehmen, die langfristig richtig aufgestellt sind und Gewinne erwirtschaften, eben am meisten wert sind. Und davon profitieren ganz automatisch auch die Mitarbeiter.

Netzeitung: Ist Private Equity hierzulande nicht sogar wichtig, gerade für den Mittelstand?

Angermayer: Private Equity ist für die gesamte Wirtschaft enorm wichtig – nicht nur speziell für den Mittelstand, sondern auch für große Unternehmen, für Sanierungsfälle, für High-Tech-Unternehmen. Private Equity ist notwendig, weil es Unternehmen, die für den Kapitalmarkt noch nicht reif sind, mit Geld versorgt. Ohne Private Equity gibt es keine funktionierende Wirtschaft. Das ist auch ein Grund von vielen, warum die US-Wirtschaft deutlich robuster ist: Die Amerikaner haben ein funktionierendes Gründer- und Aufbauklima mit einer florierenden Private-Equity-Szene.

Und dabei ist Deutschland ein Land, das über ein enormes, oft unterschätztes Wachstumspotenzial verfügt. In der Mitte des erweiterten Europas gelegen, sind wir als stärkste Wirtschaftsmacht das zentrale Bindeglied zu den aufstrebenden Staaten Osteuropas und bieten hervorragende Investitionsmöglichkeiten. Wir haben zahlreiche ertragsstarke mittelständische Unternehmen ebenso wie junge Technologie-Firmen, die auf den Weltmärkten nicht selten Spitzenstellungen einnehmen. Ein ganz banales Rezept für mehr Arbeitsplätze ist, diesen Unternehmern nicht permanent Steine in den Weg zu legen, sondern sie auf allen Ebenen noch mehr zu unterstützen. Sei es politisch oder sei es eben durch die Bereitstellung von Wachstumskapital.

Mit Christian Angermayer sprach Matthias Breitinger.