02.06.2006
Herausgeber: netzeitung.de
'Deutschlands Superstar' Tobias Regner
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Vom Joint-Venture mit Sony wird sich Bertelsmann wohl nicht trennen, um den belgischen Investor Frère auszukaufen: Eine Umbesetzung im Spitzenmanagement soll die Musikfirma wieder nach vorne bringen.
Um die Ausbezahlung des belgischen Minderheitseigners Albert Frère zu finanzieren, sucht Bertelsmann nach Wegen, um mehr Geld aus dem Musik-Joint-Venture mit dem japanischen Sony-Konzern herauszuholen: Wie das «Wall Street Journal» berichtete, könnten die beiden Muttergesellschaft Bargeld aus dem Unternehmen herausziehen, um SonyBMG dafür Schulden aufnehmen zu lassen.
Diskutiert werde auch weiterhin eine Erhöhung des Sony-Anteils über die bisher gehaltene Hälfte hinaus und sogar ein kompletter Abschied von Bertelsmann aus dem Unternehmen, hieß es unter Berufung auf Kreise. Eine Vereinbarung sei indes alles andere als sicher. Die Konzerne wollte sich dem Bericht zufolge nicht äußern.
Die Mohns brauchen BargeldDie Mohn-Familie, die Bertelsmann kontrolliert, hatte dem Partner Frère seine rund 25 Prozent am Unternehmen abgekauft, um einen Börsengang es Medienkonzerns zu verhindern, den Frère hätte erzwingen können. Um das Geschäft im Volumen von 4,5 Milliarden Euro zu finanzieren, hatte Bertelsmann bereits den Musikverlag BMG Music Publishing der nicht Teil von Sony BMG war veräußert. Bislang betonte das Unternehmen aber stets, am 50-prozentigen SonyBMG-Anteil festhalten zu wollen.
Das Joint-Venture kommt derweil nicht zur Ruhe: Wie das «WSJ» weiter berichtete, haben die beiden Spitzenmanager Don Ienner und Michele Anthony das Unternehmen verlassen. Ihre Tätigkeit werde von Rob Stringer übernommen, dem jüngeren Bruder des Sony-Chefs Howard Stringer. Das ist ein weiterer Schritt in dem tief greifenden Umbau des Unternehmensführung, die Bertelsmann-Manager Rolf Schmidt-Holtz begonnen hatte, nachdem er im Februar an die Spitze des Konzern-Musikgeschäfts zurückgekehrt war.
Mütter rangeln um EinflussWeil Schmidt-Holtz Andrew Lack nachgefolgt war, war die Neubesetzung als Stärkung der Position der Deutschen in dem Gemeinschafts-Unternehmen interpretiert worden. Mit der Berufung Stringers könnte sich nun der Einfluss der Japaner wieder verstärken und einen möglichen Rückzug Bertelsmanns aus dem Joint-Venture zumindest erleichtern. Auch könnten Streitereien, die offenbar zwischen einzelnen Labels die aus den beiden Mutterkonzernen übernommen wurden, zumindest gedämpft werden.
Hauptgrund sei aber, dass der jüngere Stringer eine Neubelebung des Geschäfts anstoßen soll. Das hätte SonyBMG auch nötig: Laut «WSJ» stammte zuletzt nur noch gut jedes Zehnte in den USA veröffentlichte Album aus dem Haus. Drei Jahre zuvor seine es noch 13 Prozent gewesen. (nz)