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Deutsche Börse macht massive Zugeständnisse

19. Mai 2006 14:26, ergänzt 21:41
Alte Börse in Frankfurt
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Für ein Zusammengehen mit Euronext würde die Deutsche Börse auch den Finanzplatz Frankfurt schwächen: Die Führung des Aktiengeschäfts könnte künftig in Paris sitzen.

Um doch noch zu einer «Fusion unter Partnern» zu kommen, ist die Deutsche Börse zu weit reichenden Zugeständnissen an die Vierländerbörse Euronext bereit: Wie das Unternehmen am Freitag in Frankfurt mitteilte, könnten Aktienhandel und Listing künftig von Paris aus geführt werden. Am Main verblieben aber die Hauptverwaltung «inklusive der Mehrzahl der Vorstandsbüros und der Schlüsselpositionen in Stabsfunktionen».

Auch sollte ein fusioniertes Unternehmen zunächst von den beiden Vorstandschefs, Reto Francioni und Jean-Francois Theodore geführt werden, hieß es weiter. Der Vorstand werde zu gleichen Teilen mit Vertretern der Deutschen Börse und von Euronext besetzt. «Nach einer Übergangsfrist» werde Francioni allein Verantwortlicher Chef, während Theodore in den nach deutschem Muster gestalteten Aufsichtsrat wechseln soll.

Euronext bleibt kühl

Für das fusionierte Unternehmen solle nach dem als «Fusion unter Partnern» bezeichnetem Geschäft - die Marktkapitalisierung der Deutschen Börse liegt um einiges höher als die von Euronext - ein neuer Name gefunden werden, hieß es weiter.

Für die Euronext sind die Vorschläge der Deutschen Börse nach eigenen Angaben «nichts Neues». «In der Mitteilung von heute Nachmittag steht nichts, was nicht schon bekannt wäre», hieß es am Freitag in Paris.

Clearstream-Verkauf möglich

Reto Francioni Foto: dpa
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Um Bedenken über eine Einschränkung des Wettbewerbs beim Zusammengehen der beiden größten europäischen Börsenbetreiber zu zerstreuen, kommt die Deutsche Börse auch Kritikern der so genannten Silo-Börsen entgegen: Der Frankfurter Börsenbetreiber ist bereit, «ihre Clearing-Aktivitäten für den Aktienhandel in eine europäische, unabhängige und privatwirtschaftlich betriebene Aktienhandels-Clearing-Organisation» abzugeben. Unter Silo-Börsen verstehen Fachleute Unternehmen, die sowohl eine Handelsplattform als auch Wertpapierabwicklung und -verrechnung anbieten.

Bis dahin solle die Abwicklungs- und Verrechnungstochter Clearstream weiter von Luxemburg aus geführt werden. Es sei zudem nicht geplant, «die bestehenden Marktstrukturen in Ländern wie Frankreich zu ändern», betonte das Unternehmen. Außerdem werde eine fusionierte Gesellschaft rechtlich ihren Sitz in den Niederlanden nehmen. Euronext ist bereits offiziell in Amsterdam registriert.

Synergien sollen «deutlich» höher sein

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Mit der ungewöhnlichen Pflichtmitteilung an die Aktienmärkte, mit denen die Deutsche Börse nach eigenem Bekunden «über ihre Sichtweise eines möglichen Zusammenschlusses» informieren wollte, wurde ein Bericht der «Financial Times» weit gehend bestätigt.

Zugleich strich das Unternehmen noch einmal die Vorteile - aus seiner Sicht - einer paneuropäischen Fusion heraus: Die Deutsche Börse nannte «beträchtliche Effizienzgewinne», «Potenzial für weiteres Wachstum» sowie «beträchtliche Kostensynergien und eine optimierte Kapitalstruktur» - ohne allerdings Details zu nennen. Die erwarteten Synergien würden «deutlich über denjenigen liegen, die bislang bezüglich anderer Konsolidierungsvorhaben veröffentlicht wurden», hieß es lediglich.

Drohung vor den Hauptversammlung

Jean-Francois Theodore Foto: dpa
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Die Einlassung des Frankfurter Betreibers kommt vor dem Wochenende gerade zur rechten Zeit: Vor der Hauptversammlung, zu der Euronext die Anteilseigner für den kommenden Dienstag geladen hat, hatte der Hedgefonds Atticus in der «FT» gedroht, gegen das Management der Vierländerbörse opponieren zu wollen, sollte die New Yorker Börse Nyse nicht bis zum Aktionärstreffen ein konkretes Angebot unterbreiten. Auch die Nyse ist an einem Zusammengehen mit dem Betreiber der Handelsplätze in Amsterdam, Brüssel, Lissabon und Paris interessiert – hat aber noch kein offizielles und konkretes Angebot unterbreitet. (nz)
 
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