netzeitung.deHedgefonds drohen Euronext-Management

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Die Pariser Börse von Euronext (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Pariser Börse von Euronext
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Ein klares Ultimatum: Legt die Nyse bis Dienstag kein konkretes Angebot für ein Zusammengehen mit Euronext vor, wollen Anteilseigner der Vierländerbörse für eine Fusion mit der Deutschen Börse stimmen - und das Management rauswerfen.

Der Hedgefonds Atticus droht unverhohlen damit, sich auf der Hauptversammlung der Vierländerbörse Euronext am kommenden Dienstag für einen Wechsel des Managements stark zu machen, sollte bis zum Aktionärstreffen kein klares Angebot des New Yorker Börsenbetreibers Nyse vorliegen. Zudem würde Atticus und möglicherweise auch einige andere Anteilseigner bei der Hauptversammlung «zu Gunsten der Deutschen Börse stimmen», wenn es keinen anderen Vorschlag gebe, zitierte die «Financial Times» einen Partner des Hedgefonds, der etwa sechs Prozent sowohl am Frankfurter Börsenbetreiber wie an Euronext hält.

«Kein Geschäft zu machen, ist keine Option», stellte der Atticus-Vertreter klar. Der Fonds sei darüber verärgert, dass seit mehr als einem Jahr über Zusammenschlüsse diskutiert werde, aber nichts entschieden sei. Auch andere Anteilseigner teilten sowohl diese Sicht wie auch die Drohung gegen das Management des Betreibers der Handelsplätze in Amsterdam, Brüssel, Lissabon und Paris, berichtete das britische Wirtschaftblatt weiter – und sie hätten diese Absicht auch der Konzernführung gegenüber deutlich gemacht.

Spannende HV zeichnet sich ab
Damit erhöht sich die Spannung vor der Euronext-Hauptversammlung noch: Einige Aktionäre haben einen Antrag eingebracht, der ein Zusammengehen mit der Deutschen Börse
empfiehlt. Das Management ist allerdings dagegen und will weitere Möglichkeiten prüfen. Konkrete Vorschläge mit dem zweiten möglichen Fusionspartner Nyse waren bislang allerdings nicht zu hören. Zudem gibt es eine starke Gruppe von französischen Konzernen, die meist an der Pariser Börse gelistet sind und die mehr als ein Zehntel an Euronext besitzen, die sich für ein transatlantisches Geschäft stark machen, um möglichst viel des französischen Einflusses bei Euronext zu bewahren.

Denn Nyse und Euronext sind gemessen an ihrem Börsenwert ungefähr gleich groß, während die Deutsche Börse wertvoller ist. Um die Bedenken daraus entstehenden Sorgen in Paris über einen Machtverlust zu zerstreuen und gleichzeitig den Finanzplatz Frankfurt zu sichern, hat der Börsenbetreiber laut «FT» inzwischen einen Plan ausgearbeitet, der alle Interessen berücksichtigen soll und der am kommenden Dienstag zur Abstimmung vorgelegt werden könnte. Demnach verbliebe die Zentrale sowie das Derivate-Geschäft einer fusionierten europäischen Plattform in Frankfurt, das Aktiengeschäft würde von Paris aus gesteuert, Firmensitz aber werde in Amsterdam, wo Euronext schon heute offiziell registriert ist.

Hedgefonds pokern bei Konsolidierung mit
Spätestens mit dem Börsengang der Nyse im vergangenen Jahr hat die Konsolidierung der weltweiten Börsenlandschaft Tempo angenommen. So versucht derzeit parallel die US-Computerbörse Nasdaq den Londoner Anbieter LSE zu schlucken – nachdem die Deutschen Börse bei diesem Vorhaben gescheitert war.

Großen Einfluss bei diesen Transaktionen über offensichtlich die Hedgefonds aus, die auch jetzt wieder an die Öffentlichkeit treten. Sie hatten schon die Übernahme der LSE durch die Deutsche Börse vereitelt, statt dessen eine Sonderausschüttung der für die Übernahme vorgesehen Mittel durchgesetzt – und den Chef des Frankfurter Management, Werner Seifert, zum Rücktritt gezwungen. (nz)