18. Mai 2006 21:32
Nicht das oft belächelte WM-Maskottchen «Goleo» hat dessen Hersteller Nici in Zahlungsnot gebracht. Vielmehr hat das Unternehmen angeblich über Jahre mit Scheinverkäufen die Bilanz poliert.
Der insolvente Hersteller des WM-Maskottchens «Goleo», Nici, hat angeblich über Jahre mit Scheinrechnungen und getürkten Lieferscheinen die Bilanz gefälscht. Das berichtet die «Süddeutsche Zeitung» (SZ) ohne Angabe von Quellen. Dem Bericht zufolge wurden die Rechnungen für die nie produzierten oder verkauften Waren an Factoring-Gesellschaften verkauft. Wohin das Geld dann geflossen ist, sei bislang unklar. Die Staatsanwaltschaft in Hof wolle die Angaben weder dementieren noch bestätigen. Eine Erklärung der Justiz sei für diesen Freitag geplant, hieß es.Unterdessen durchsuchten dem Bericht zufolge Staatsanwaltschaft und Polizei am Donnerstag mehrere Objekte, darunter die Unternehmenszentrale im oberfränkischen Altenkunstadt sowie das Privathaus des jüngst entlassenen Vorstandschefs und Nici-Gründers Ottmar Pfaff.
Durch die Luftbuchungen sei ein Schaden von möglicherweise etlichen zehn Millionen Euro entstanden, hieß es in dem Bericht weiter. Der Insolvenzverwalter Michael Jaffe arbeite daran, die tatsächlichen Umsätze zu ermitteln, um die Firma und die Jobs zu retten. «Die Hausbanken unterstützen die Fortführung des Unternehmens, ebenso wie die Belegschaft und die Kunden und Lieferanten, mit denen wir bislang gesprochen haben», sagte Jaffe am Donnerstag. Zahlreiche in- und ausländische Investoren hätten sich bei ihm gemeldet. Wirtschaftsprüfer seien bei dem Plüschtier- und Geschenkartikelhersteller bei der Aufstellung des Jahresabschlusses auf die gefälschten Dokumente gestoßen, berichtet die «SZ» weiter. Nachdem der Aufsichtsrat mit diesen konfrontiert wurde, sei Pfaff gekündigt worden. Die durch die Bilanzfälschungen geschädigten Hausbanken hätten ihre Zusammenarbeit außerdem beendet, wodurch der Spielwarenhersteller zahlungsunfähig wurde.