16.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Händler an der New Yor Stock Exchange
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Konsolidierung unter den Börsebetreibern in Europa könnte ohne die Deutsche Börse stattfinden: Der «bevorzugte» Partner Euronext steht möglicherweise kurz davor, mit der New York Stock Exchange zu fusionieren.
Zwei Mal ist die Deutsche Börse
schon gescheitert jetzt droht eine dritte und entscheidende Niederlage. Die Vierländerbörse Euronext, mit der sich die Deutsche Börse zusammenschließen will, ist nach einem Bericht des «Wall Street Journal» in weit reichenden Verhandlungen mit der New York Stock Exchange (Nyse). Euronext-Chef Jean-Francois Theodore sei am Montag nach New York geflogen, um Details einer möglichen Fusion zu diskutieren, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Kreise.
Die Gespräche sind schon so weit fortgeschritten, dass Euronext beim französischen Finanzministerium und den nationalen Regulierungsbehörden angefragt hat, ob es Bedenken gegen eine Fusion gebe.
Deutsche Börse nur «eine Option»Neben der Nyse befindet sich auch der Frankfurter Börsenbetreiber in Gesprächen mit Euronext. «Die Deutsche Börse ist eine ernste Option, aber wir schauen uns im Interesse unserer Aktionäre auch andere Optionen an», sagte ein Euronext-Sprecher. Verschiedene Aktionäre von Euronext drängen den Börsenbetreiber zu einer Fusion mit der Deutschen Börse. Darunter sind auch einige Hedgefonds, die an beiden Unternehmen beteiligt sind. Während sich die Deutsche Börse öffentlich mehr oder weniger auf Euronext als «bevorzugten» Partner festgelegt hat, hatte sich die französische dominierte Vierländerbörse stets auch die Möglichkeit einer anderen Partnerwahl offen gehalten.
Knackpunkt der Verhandlungen mit der Deutschen Börse ist der Sitz des fusionierten Unternehmens. Schon zwei Mal in den vergangenen Jahren waren Verhandlungen zwischen Euronext und der Deutschen Börse unter anderem an diesem Punkt gescheitert. Das Problem würde sich bei einer Fusion mit der Nyse nicht stellen: Euronext könnte allein für Europa und die Nyse für Amerika zuständig sein.
Deutsche Börse gerät ins HintertreffenEine Fusion der Nyse mit Euronext dürfte bei den Kartellbehörden zudem kaum Bedenken hervorrufen bei einem Zusammenschluss von Euronext und Deutsche Börse wäre das aber anders, da beide Unternehmen auch im Geschäft mit Derivaten aktiv sind.
Die Deutsche Börse soll zuletzt sogar den Verkauf der Wetpapierabwicklung Clearstream angeboten haben, um Bedenken zu zerstreuen, nach einer Börsenfusion könnte die dann größte europäische Handelsplattform zum Monopolisten werden. Experten geben zudem zu bedenken, dass eine Fusion von Euronext und Deutscher Börse größere Synergieeffekte bringen würde als ein transatlantischer Zusammenschluss.
Sollte es zu einer Fusion zwischen Nyse und Euronext kommen, wäre die Deutsche Börse der Verlierer: Die Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft würde ohne das Unternehmen stattfinden - denn die US-Computerbörse Nasdaq hat sich mittlerweile rund ein Viertel der Anteile der Londoner Betreiber LSE gesichert. (nz)