11.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Zentrale von ProSiebenSat1
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mit konkreten Prognosen hält sich ProSiebenSat1 zurück. Weil der TV-Werbemarkt nur leicht wachsen dürfte, setzt Konzernchef de Posch auf die Anrufe von 9Live-Zuschauern - und die Ausstrahlung im Internet.
Weil die Zuwächse auf dem TV-Werbemarkt weiter schwach bleiben, sucht der Fernsehkonzern ProSiebenSat1 Media
nach neuen Umsatzquellen: Vorstandsvorsitzender Guillaume de Posch gab am Donnerstag in München bei Vorlage der Quartalszahlen zwar keinen konkreten Ausblick auf den weiteren Geschäftsverlauf. Zum Wachstum «sowohl bei den Umsatzerlösen als auch bei den Gewinnen» werde aber «auch der weitere Ausbau der Aktivitäten im Geschäftsbereich Diversifikation sowie die Konsolidierung von 9Live» beitragen, sagte de Posch.
Der Vorstandschef betonte, bereits in den drei zurückliegenden Monaten habe ProSiebensSat1 die «Abhängigkeit vom Werbemarkt» durch den Zukauf des Quiz-Senders 9Live verringert. Der Sender steuerte seinen Angaben zufolge im ersten Quartal rund 26 Millionen Euro zum Konzernumsatz bei. Die übrigen Geschäfte außerhalb des Fernsehens erhöhten demnach die Erlöse zwar um rund elf Prozent, erwirtschafteten aber mit gut 25 Millionen Euro etwas weniger Außenumsatz als im Vorjahreszeitraum. An der Entwicklung habe die Vermarkter-Tochter SevenOneMedia «wesentlichen Anteil» gehabt.
ProSieben leidet unter QuotenschwächeInsgesamt setzte der im M-Dax geführte Konzern im ersten Quartal nach eigenen Angaben 465,3 Millionen Euro und damit 8,2 Prozent mehr um als im Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) verbesserte sich demnach um zehn Prozent auf 70,6 Millionen Euro. Damit ergibt sich eine Marge auf das Ebitda von 15,2 Prozent. Das sind 0,3 Punkte mehr als im ersten Quartal 2005. Der Reingewinn stieg den Angaben zufolge um sieben Prozent auf 30,7 Millionen Euro. Damit lagen die Ergebnisse im Rahmen der Analystenschätzungen.
Vorstandschef de Posch sagte, das «Kerngeschäft Fernsehen hat sich erfolgreich entwickelt». In der so genannten werberelevanten Zuschauergruppe der 14- bis 49-Jährigen lag der Marktanteil mit 30,1 Prozent um 0,1 Punkte über dem Vorjahreswert für die Sender Sat1, ProSieben, Kabel eins und N24. Allerdings lagen die Erlöse von ProSieben unter Vorjahresniveau: Sie seien «eine Folge der Quotenschwäche im vergangenen Jahr», hieß es. Trotz um acht Prozent höherer Gesamtkosten für die der Konzern vor allem die Eingliederung von 9Live verantwortlich machte stieg das Betriebsergebnis der durchweg profitabel arbeiteten Sender um sieben Prozent auf 61,1 Millionen Euro, wie es weiter hieß.
Unpräzise PrognoseNach der «zufriedenstellenden» Geschäftentwicklung in den ersten drei Monaten des Jahres bekräftigte Vorstandschef de Posch lediglich die unpräzise Prognose, der Konzern werde bei Umsatz und Gewinn «weitere Zuwächse erzielen». Das Unternehmen unterstellt ein Plus von netto zwei Prozent im TV-Werbemarkt in diesem Jahr.
Außerhalb des Kerngeschäfts mit frei empfangbarem Fernsehen sollen zwei neue Pay-TV-Angebote neue Ertragsquellen erschließen. Die Senderkette bietet das Bezahlfernsehen vom 1. Juni an über die Netze von Kabel Deutschland und Unity Media an. Die Verbreitung des Programms im Internet über DSL sowie die Zusammenarbeit mit United Internet
beim Video-on-Demand-Angebot Maxdome soll ebenfalls Einnahmen unabhängig von der TV-Werbung bringen.
Ohne WM wenig WachstumFinanzvorstand Lothar Lanz präzisierte später die Prognose: ProSiebenSat1 rechne mit einem Umsatzwachstum zwischen vier und fünf Prozent in diesem Jahr, sagte er in München. Der Zuwachs werde nur knapp über dem Gesamtmarkt liegen, weil die Sender wie schon die Olympischen Winterspiele auch die Fußball-WM nicht im Programm hätten. Zur Ertragsentwicklung äußerte sich Lanz nur vage: Die Gewinne sollten stärken steigen als die Umsätze, sagte er lediglich. (nz)