03. Mai 2006 12:54
Googles Feinde sind Microsofts Freunde: Um der wachsenden Konkurrenz durch Google zu begegnen, denkt der Softwarekonzern angeblich in ganz neuen Kategorien.
Die Angst vor der Internetsuchmaschine Google und deren wachsender finanzieller Potenz veranlasst den Softwarekonzern Microsoft, in ganz neuen Dimensionen zu denken. Statt wie bisher alle neuen Märkte im Alleingang zu erobern, erwägen Teile des Managements von Microsoft eine strategische Allianz mit keinem geringerem als Yahoo. Das berichtet zumindest das «Wall Street Journal» unter Berufung auf Unternehmenskreise. Demnach haben beide Unternehmen im vergangenen Jahr auch schon Gespräche geführt und Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit ausgelotet. Microsoft hat dabei an eine Beteiligung an Yahoo erwogen.
Auch wenn die Pläne laut «WSJ» derzeit nicht mehr aktiv verfolgt werden, markiert schon allein der Gedanke an eine solche Allianz eine strategische Wende für Microsoft und zeigt, wie viel Respekt der Software-Konzern vor Google hat.Das Top-Management sei für eine Beteiligung weiterhin offen, zitiert die Zeitung Kreise aus dem Unternehmen. Als Hindernisse für eine Übereinkunft nennt die Zeitung neben Microsoft-Chef Steve Ballmer, der sich bisher vor großen Übernahmen gesträubt hat, auch den Yahoo-Mitbegründer Jerry Yang. Dessen Unterstützung sei ein Knackpunkt, um ausreichend Yahoo-Aktionäre von einer Microsoft-Beteiligung zu überzeugen.
Microsoft versucht derzeit noch im Alleingang, gegen die Internetsuchmaschine Google zu bestehen. Gerade im Geschäft mit den lukrativen Text-Anzeigen, die passend zum vom Nutzer eingegebenen Suchbegriff erscheinen, gerät Microsoft jedoch zunehmend ins Hintertreffen. Im ersten Quartal rutschte MSN, der Online-Dienst des Konzerns, in die Verlustzone - operativ fiel ein Minus von 26 Millionen Dollar an. Der Umsatz ging im gleichen Zeitraum von 581 auf 561 Millionen Dollar zurück. Zum Vergleich: Google steigerte den Nettogewinn im gleichen Zeitraum um 60 Prozent auf 592 Millionen Dollar.
Während Microsoft mit einem Marktanteil im Bereich der Internetsuche von 10,9 Prozent in den USA dahindümpelt, konnte Google seine Vormachtstellung weiter ausbauen und kommt auf einen Anteil von 49 Prozent.
Microsoft sagt zwar offiziell, der Konzern investiere langfristig und im Markt für die Suche im Internet sei noch genügend Raum für Wachstum. Doch der Druck auch von Seiten der Aktionäre, die eine ausgereifte Alternative zu Google fordern, nimmt zu.