Gasprom drängt auf den deutschen Markt
24.04.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Bauarbeiten an der Ostseepipeline
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der russische Energiekonzern Gasprom will sich angeblich am Bau eines Kraftwerks bei Greifswald beteiligen. Viel wichtiger ist den Russen aber der damit verbundene Zugang zum deutschen Gasnetz. Thema: Kampf um Europas Energiemarkt Experten werfen Gasprom falsches Spiel vor Gasprom verhandelt über Einstieg bei RWE Energieexperten warnen vor Gasprom Gasprom droht EU mit Lieferstopp Eon will Russen von Ruhrgas fernhalten
Während sich die Politik über die wachsende Abhängigkeit Westeuropas von russischen Energiereserven streitet, bereitet Gasprom offenbar den Einstieg in den deutschen Endkundenmarkt vor. Möglicherweise will der russische Energiekonzern beim Hamburger Stromerzeuger Concord Power einsteigen. Bereits seit Monaten verhandle Gasprom mit der zur Saalfeld Holding gehörenden Concord Power über eine Beteiligung, wie die «Welt» unter Berufung auf Kreise der Energiewirtschaft berichtete.
«Wir verhandeln mit einem Investor aus der Russischen Föderation», sagte ein Sprecher von Concord Power dem Blatt. Dabei könne es auch um eine Mehrheitsbeteiligung gehen, betonte er. Um welches Unternehmen es sich dabei handle, wollte das Unternehmen nicht verraten. Concord Power ging aus der Vasa Energy hervor, einem Joint Venture zwischen der schwedischen Vattenfall und Saalfeld. Nach der Übernahme des Hamburger Stromversorgers HEW zog sich Vattenfall indes aus Vasa Enery zurück.
Nordal sinnvolle Verlängerung der NEGPConcord Power ist dabei nicht nur als Gasabnehmer von strategischer Bedeutung: Von viel größerem Interesse ist für Gasprom der Zugang zum deutschen Gasverbundnetz. Concord Power projektiert nämlich den Bau einer Gaspipeline von Greifswals nach Bernau bei Berlin, der so genannten Nordal-Pipeline. Ursprünglich war die Pipeline dazu gedacht, das seit Jahren in Lubmin bei Greifswald geplante Gas- und Dampkraftwerk mit Gas zu versorgen. Das Kraftwerk soll mit 1200 Megawatt das größte in Deutschland werden und wird ebenfalls von Concord Power gebaut.
Greifswald könnte damit die Kuppelstelle werden, um Gas durch die so genannte Ostseepipeline von St. Petersburg unter dem Meer bis in das deutsche Verbundnetz zu leiten. Gasprom wäre damit nicht nur in der Lage, das über die Ostseepipeline geführte Gas in Deutschland in Strom zu verwandeln, sondern auch an Endkunden zu vertreiben. Eine Genehmigung für den Bau einer zweiten, parallel verlaufenden Pipeline von der Ostsee nach Bernau würde Gasprom kaum erhalten.
Zugang zum EndkundenUm auf allen Ebenen der Gaswertschöpfung mitzuverdienen, verbliebe indes noch ein Teilstück: Für den Zugang zum deutschen Gasverbraucher fehlt Gasprom die Beteiligung an Stadtwerken, die die Verbraucher mit Gas versorgen. Derzeit ist Gasprom lediglich über die Berliner ZGG auf dem Endkundenmarkt in Deutschland aktiv. ZGG hält 5,26 Prozent an der Leipziger Verbundnetz Gas (VNG), die vor allem ostdeutsche Haushalte mit Gas versorgt. VNG ist mehrheitlich im Besitz der Oldenburger EWE. Über die ZGG verwaltet Gasprom außerdem seine Beteiligung von 35 Prozent an Wintershall, einer Tochter des BASF-Konzerns
. Zudem ist Gasprom über ZGG mit 4,5 Prozent am Essener Versorger Erdgas Mobil beteiligt.
Medienberichten zufolge verhandelt Gasprom außerdem mit RWE
über eine Beteiligung bei dem Essener Konzern. Hintergrund ist, dass RWE derzeit noch der wichtigste Gas-Abnehmer des Düsseldorfer Konkurrenten Eon
ist. Mit einem Einstieg von Gasprom könnte RWE zwar unabhängiger werden von der Konkurrenz. Allerdings verlangt Gasprom dafür angeblich den Zugang zum Endkundengeschäft von RWE.