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PS3-Verzögerung kommt Sony nicht ungelegen

15. Mrz 2006 17:33
Präsentation von Sonys PS3
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Ein rascher Marktstart der Playstation 3 könnte die Sanierung von Sony gefährden. Hauptsache, die neuen Konsole ist zum Weihnachtsgeschäft in den Läden, meinen Analysten.

Nun ist es also raus: Vor November wird die neue Playstation 3 nicht in den Läden stehen. Gerüchte, Hersteller Sony könne den angekündigten Marktstart im Frühjahr nicht halten, machten bereits seit geraumer Zeit die Runde.

Dabei ist der angeschlagene Elektronikkonzern nicht allein Schuld an der Verzögerung: Als Grund nannte der Chef von Sonys Konsolensparte, Ken Kutaragi, Probleme mit dem neuen DVD-Standard Blue-ray – und auf den setzt das Unternehmen zusammen mit Partnern wie Apple, Samsung sowie der Hälfte der Hollywood-Studios.

Probleme mit dem Kopierschutz

Mehr in der Netzeitung:
Bislang haben die beteiligten Unternehmen den Kopierschutz für das neue Format, das gegen die Konkurrenz HD-DVD antreten muss, noch nicht in den Griff bekommen. Experten erwarten jedoch, dass die Arbeiten bis zum April abgeschlossen sein werden.

Dennoch wartet Sony noch mit dem Verkaufsstart der PS3. Schließlich soll nicht nur ein neuartiger «Cell»-Chip eine Auflösung der Spiele «im Kinoformat» ermöglichen, wie Kutaragi warb. Sony will mit der neuen Konsole auch gleich für eine umfangreiche Verbreitung des eigenen DVD-Formats sorgen.

Kampf der Konsolen

Der Chef von Sonys Computer-Entertainment-Sparte, Ken Kutaragi
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Im Kampf der Konsolen war Sony zuletzt leicht zurückgefallen. Erzrivale Microsoft brachte Ende 2005 seine neueste Generation, die Xbox360, auf den Markt. Weiteres Ungemach droht, weil der dritte Wettbewerber Nintendo noch in diesem Jahr mit der Revolution-Konsole nachziehen will.

Allzu dramatisch ist der Einbruch in Sonys Domäne indes noch nicht: Der Konzern konterte mit der tragbaren PSP, Microsoft leidet unter Lieferschwierigkeiten bei der Xbox360, und die Japaner – weltweit die größten Konsolen-Käufer – bleiben dem heimischen Hersteller Sony treu. Ob das mit Patriotismus oder Anti-Amerikanismus zu tun hat oder Sony schlicht die besseren Spiele bieten kann, sei dahingestellt.

Hauptsache zu Weihnachten

So traf denn auch der jüngste Rückschlag mit der PS3 Sony nicht allzu arg: Zwar verlor der Aktienkurs in Tokio, die Verluste blieben aber auf rund zwei Prozent begrenzt. Das liegt einerseits daran, dass die Verzögerung bereits «eingepreist» war, wie Fachleute sagen: Die Investoren glaubten den frühen Berichten über den späteren Start, so dass sich der Kurs bereits in die entsprechende Richtung bewegte. Außerdem waren sich die meisten Analysten einig: Auf das Geschäft mit der PS3 wird sich die Verschiebung kaum auswirken, so lange die Konsole zum Weihnachtsgeschäft 2006 in den Läden steht.

Finanzanalysten, die die Sanierung des Elektronikkonzerns aufmerksam verfolgen, haben indes noch ganz andere Berechnungen angestellt und unterstellen Sony, mit der Verzögerung der PS3 gar nicht so unzufrieden zu sein. Denn dass der Marktstart den Hersteller eine ganze Menge Geld kosten wird, darin sind sich alle Experten einig.

Konsolen kosten Geld

Hintergrund:
Hinzu kommen weitere Probleme: Auf mindestens 130 Dollar taxieren die Fachleute den Verlust, den Sony eingangs mit jeder verkauften PS3 machen wird, aber nur wenn die Kosten für das Blue-ray-Laufwerk und den gemeinsam mit IBM und Toshiba entwickelten «Cell»-Chip die internen Planungen nicht allzu sehr überschreiten.

Daran zweifeln indes viele. Letztlich könnten sich die Produktionskosten für jede einzelne Konsole auf 600 oder sogar 700 Dollar summieren. Das aber ist ein Preis, für den Sony voraussichtlich nicht ein einziges Gerät an den Käufer bringen kann. Tatsächlich subventionieren alle Hersteller die Konsolen, der Gewinn wird ausschließlich mit den Spielen gemacht.

Konkurrenz für die Cash-Cow

Abgesehen davon, dass bislang noch gar keine Spiele für die PS3 vorliegen: Mit Titeln für die PS2 und PSP macht der Konzern derzeit satte Gewinne. Warum sollte sich Sony also mitten in der Sanierung nicht nur die hohen Kosten für den Marktstart aufbürden, sondern gleichzeitig auch noch der eigenen Cash-Cow Konkurrenz machen, fragen die Experten.

Zuletzt ging es wieder aufwärts: Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs, das mit dem Jahreswechsel zu Ende ging, lagen nicht nur die Verkäufe um gut zehn Prozent über dem Vorjahresniveau. Der Betriebsgewinn stieg binnen Jahresfrist um fast die Hälfte. Unter dem Strich verblieben knapp 169 Milliarden Yen (fast 1,2 Milliarden Euro). Der Konzern beruhigte zugleich die Investoren: Der zuvor erwartete Jahresverlust werde doch nicht eintreten.

Freude in Stringers Büro?

Sony-Chef Sir Howard Stringer
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Wie jedes japanische Unternehmen beginnt Sony das neue Geschäftsjahr im März. Da macht es sich sicher nicht nur optisch gut in der Bilanz, wenn die Kosten für Entwicklung und Marktstart der PS3 verteilt werden. Vielleicht freut sich Konzernchef Howard Stringer heimlich in seinem Tokioter Büro über einen gelungenen Coup – während die Konkurrenz über die scheinbare Niederlage im Kampf der Konsolen feixt.
 
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