Rom über Pariser Protektionismus verärgert
27.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Zuvor hatten beide Aufsichtsgremiem der geplanten Fusion zugestimmt. Suez zahlt für den französischen Konkurrenten demnach 47,5 Milliarden Euro in eigenen Aktien. Den Angaben zufolge handelt es sich um eine Fusion unter Gleichen rein formal wird jedoch Suez den Wettbewerber Gaz de France übernehmen. Jeder GDF-Aktionär erhält für ein eigenes Papier eine Aktie von Suez.
Vor einer Fusion muss jedoch das Gesetz zur GDF-Börseneinführung geändert werden, das eine Staatsbeteiligung von mindestens 70 Prozent an GDF zwingend vorschreibt. Dies soll bis zur Jahresmitte geschehen. Konzernchef dürfte Suez- Chef Gérard Mestrallet werden, der früher im Schatzamt und im Wirtschaftsministerium gearbeitet hat.
Italien will bei der Europäischen Union gegen das Geschäft interventieren. Seine Regierung werde «alle nötigen Schritte» einleiten, sagte der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Der italienische Außenminister Gianfranco Fini kündigte an, dass die italienische Regierung in Brüssel deutlich machen werde, dass «die Beachtung der Regeln unerlässlich» sei. Was Frankreich gemacht habe, sei eine protektionistische Wahl, die im Widerspruch zu «den Werten und Regeln des freien europäischen Markets» stehe.
«Europa ist tot, und jetzt muss man sich dementsprechend verhalten», forderte Arbeitsminister Roberto Maroni von der rechtspopulistischen Liga Nord. Auch der italienische EU-Kommissar Franco Frattini kritisierte das Vorgehen Frankreichs: «Protektionismus, von wem auch immer er praktiziert wird, ist negativ für Europa», sagte er. Enel selbst wollte sich am Montag nicht zu dem Thema äußern.
Die französische Regierung hat die Fusion als «wirtschaftlichen Patriotismus» verteidigt: «Alles, was die französische Industrie stärkt, nützt ganz Europa», hieß es vom französischen Außenministerium. Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin hob die «strategische Bedeutung» des Energiesektors für Frankreich hervor.
Die EU-Kommission äußerte sich zurückhaltend. Man halte Änderungen auf dem europäischen Energiemarkt angesichts der globalen Herausforderungen für notwendig, sagte Kommissionssprecher Johannes Laitenberger in Brüssel. Ob die Kommission dem Deal zustimmen muss, hängt davon ab, wie groß der Marktanteil der Unternehmen in Europa außerhalb Frankreichs ist. (nz)

