netzeitung.deRom über Pariser Protektionismus verärgert

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Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Zum Unmut Italiens ist die Fusion von Suez und Gaz de France für Frankreich von «strategischer Bedeutung». Beide Unternehmen betonen ihre «französisch-belgische» Identität.

Mit großer Schützenhilfe durch die französische Regierung wird ein neuer europäischer Champion in der Energiebranche geschaffen. Die Verschmelzung von Gaz de France (GDF) und Suez werde kurz- und mittelfristig «signifikante» Synergien schaffen, teilten beide Unternehmen am Montag in einer gemeinsamen Presseerklärung mit.

Zuvor hatten beide Aufsichtsgremiem der geplanten Fusion zugestimmt. Suez zahlt für den französischen Konkurrenten demnach 47,5 Milliarden Euro in eigenen Aktien. Den Angaben zufolge handelt es sich um eine Fusion unter Gleichen – rein formal wird jedoch Suez den Wettbewerber Gaz de France übernehmen. Jeder GDF-Aktionär erhält für ein eigenes Papier eine Aktie von Suez.

Gesetzesänderung notwendig
An die Aktionäre von Suez soll zuvor noch eine Sonderdividende in Höhe von insgesamt 1,25 Milliarden Euro ausgezahlt werden. Der Anteil des französischen Staats an GDF sinkt durch die Fusion von derzeit rund 80 Prozent au 34 bis 35 Prozent.

Vor einer Fusion muss jedoch das Gesetz zur GDF-Börseneinführung geändert werden, das eine Staatsbeteiligung von mindestens 70 Prozent an GDF zwingend vorschreibt. Dies soll bis zur Jahresmitte geschehen. Konzernchef dürfte Suez- Chef Gérard Mestrallet werden, der früher im Schatzamt und im Wirtschaftsministerium gearbeitet hat.

Italien verstimmt
Die Fusion wurde mit massiver Unterstützung der französischen Regierung vorgenommen und führte gerade im Nachbarland Italien zu Verstimmungen. Mit dem Zusammenschluss wehrte Suez nämlich gleichzeitig ein mögliches feindliches Angebot des italienischen Versorgers Enel ab.

Italien will bei der Europäischen Union gegen das Geschäft interventieren. Seine Regierung werde «alle nötigen Schritte» einleiten, sagte der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Der italienische Außenminister Gianfranco Fini kündigte an, dass die italienische Regierung in Brüssel deutlich machen werde, dass «die Beachtung der Regeln unerlässlich» sei. Was Frankreich gemacht habe, sei eine protektionistische Wahl, die im Widerspruch zu «den Werten und Regeln des freien europäischen Markets» stehe.

«Europa ist tot, und jetzt muss man sich dementsprechend verhalten», forderte Arbeitsminister Roberto Maroni von der rechtspopulistischen Liga Nord. Auch der italienische EU-Kommissar Franco Frattini kritisierte das Vorgehen Frankreichs: «Protektionismus, von wem auch immer er praktiziert wird, ist negativ für Europa», sagte er. Enel selbst wollte sich am Montag nicht zu dem Thema äußern.

«Wirtschaftlicher Patriotismus»
Nicht ohne Grund betonten die beiden Unternehmen am Montag ihre «französisch-belgische» Identität. Die Fusion habe die Unterstützung der französischen und belgischen Regierung, hieß es. Beide Länder seien «wichtige Partner» für Suez und GDF.

Die französische Regierung hat die Fusion als «wirtschaftlichen Patriotismus» verteidigt: «Alles, was die französische Industrie stärkt, nützt ganz Europa», hieß es vom französischen Außenministerium. Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin hob die «strategische Bedeutung» des Energiesektors für Frankreich hervor.

Hohe Synergien erwartet
Beide Unternehmen versicherten, dass mit dem Zusammenschluss kein Stellenabbau verbunden ist – trotzdem sollen schon kurzfristig Synergien von 500 Millionen Euro pro Jahr realisiert werden. Zu den längerfristig erwarteten Einsparpotenzialen äußerten sich Suez und GDF zunächst nicht. Der neue französische Energiegigant wird mit Wasser, Gas und Strom einen jährlichen Umsatz von zusammen gerechnet 64 Milliarden Euro erwirtschaften.

Die EU-Kommission äußerte sich zurückhaltend. Man halte Änderungen auf dem europäischen Energiemarkt angesichts der globalen Herausforderungen für notwendig, sagte Kommissionssprecher Johannes Laitenberger in Brüssel. Ob die Kommission dem Deal zustimmen muss, hängt davon ab, wie groß der Marktanteil der Unternehmen in Europa außerhalb Frankreichs ist. (nz)