netzeitung.deDresdner war «Vertrauensbank der SS»

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Bahngleise führen zum KZ Auschwitz (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bahngleise führen zum KZ Auschwitz
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Verwicklungen in der Nazi-Zeit bis hin zur Finanzierung des KZ Auschwitz haben Historiker bei der Dresdner Bank aufgedeckt. Teilweise sei «aus Mitwirkung Mittäterschaft» geworden.

Die inzwischen zum Allianz-Konzern
gehörende Dresdner Bank war tiefer in die Herrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland verwickelt als bislang eingestanden: Das Unternehmen war aktiv an der so genannten «Arisierung» jüdischer Vermögen beteiligt und hat als «Vertrauensbank des SS» unter anderem an der Finanzierung des Vernichtungslagers Auschwitz teilgehabt. Das geht aus einer Studie mehrerer Historiker hervor, die am Freitag in Berlin vorgestellt wurde. Klaus-Dietmar Henke, einer der Herausgeber der Arbeit, sprach von einer Vielzahl «verwerflicher» Geschäfte in der Nazizeit.

Die Dresdner Bank hatte das 1,6 Millionen Euro teure Gutachten, das unter dem Titel «Die Dresdner Bank im Dritten Reich» veröffentlicht wird, selbst in Auftrag gegeben. Hintergrund waren Sorgen beim damals noch selbstständigen Unternehmen, von den Nationalsozialisten Verfolgte und ehemalige Zwangsarbeiter könnten Schadenersatzforderungen stellen. Drei Historiker forschten für die Arbeit nach eigenen Angaben acht Jahre lang im Firmenarchiv und sahen insgesamt 50 Archive in ganz Europa durch.

«Rigoros und ohne Bedenken»
Der ebenfalls beteiligte Geschichtswissenschaftler Harald Wixforth sagte am Freitag, gerade bei der «Verwertung» jüdischen Vermögens «ging die Dresdner Bank vielfach gezielter und geschickter vor als ihre Konkurrenz».

Die Expansion der Bank sei unter anderem deswegen möglich gewesen, weil sie in den abhängigen und besetzten Gebieten «rigoros und ohne Bedenken» in heiklen Geschäftsfeldern aktiv geworden sei: «Ihre massive Beteiligung beim Ausbau der deutschen Rüstungswirtschaft belegt dies ebenso wie ihr Engagement bei der Finanzierung von Unternehmen zur wirtschaftlichen Ausbeutung der besetzten Gebiete, ihre zahlreichen finanziellen Dienstleistungen für die SS und ihre engen Kontakte zur SS sowie ihre Mitwirkung bei der 'Verwertung' jüdischen Vermögens», urteilte Wixforth.

Obwohl die Bank bei ihrem Engagement in den besetzten Ostgebieten nur geringe Aussichten auf Gewinne hatte, habe sie sich dennoch als Finanzier und Berater bei der Ausbeutungspolitik angedient. Grund war die Hoffnung, in einem «germanisierten» Großwirtschaftsraum die Spitzenstellung unter den Kreditinstituten einnehmen zu können.

Rentenstopp bei Deportation
Der Wirtschaftshistoriker Dieter Ziegler erwähnte als besonders «abstoßenden» Konflikt den Streit um die Deportation von jüdischen Betriebsrentnern. Sobald die Deportationsmitteilung eines ehemaligen Mitarbeiters bei der Bank einging, stellte sie sofort ihre Rentenzahlungen ein. Die Finanzverwaltung forderte demgegenüber eine weitere Auszahlung der Renten an den Fiskus.

Die Dresdner Bank argumentierte jedoch zynisch, sie halte es für ausgeschlossen, dass ein alter Mensch den Transport in den Osten lange überleben könne, sagte Ziegler. Die Bank sei sich also durchaus darüber im Klaren gewesen, «dass sie dank eingesparter Rentenleistungen indirekt von dem Massenmord an den Juden profitierte».

Komplize des Regimes
Dass es in manchen Fällen zur Deportation kam, weil die gefährdeten ehemaligen Mitarbeiter nicht mehr auswandern konnten, sei ebenfalls ein Ergebnis der Politik der Bank, so Ziegler: Sie habe die Betriebsrenten willkürlich abgesenkt, so dass «manche Betriebsrentner ihre Auswanderung 1938/39 nicht finanzieren konnten, was für sie den sicheren Tod bedeutete».

Der ditte Autor der Studie, Johannes Bähr, fasste seine Forschungsergebnisse so zusammen: «Das Unternehmen als Ganzes machte sich bereitwillig zum Komplizen des Regimes und verfolgte eine geschäftliche Logik, bei der alle ethischen Maßstäbe außer Acht blieben. Gerade bei ihren verwerflichsten Geschäften wäre es für die Dresdner Bank zweifellos möglich gewesen, anders zu handeln. Deshalb trägt die Bank für diese Geschäfte auch die volle Verantwortung.» (nz)