Dresdner war «Vertrauensbank der SS»
17.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Die Dresdner Bank hatte das 1,6 Millionen Euro teure Gutachten, das unter dem Titel «Die Dresdner Bank im Dritten Reich» veröffentlicht wird, selbst in Auftrag gegeben. Hintergrund waren Sorgen beim damals noch selbstständigen Unternehmen, von den Nationalsozialisten Verfolgte und ehemalige Zwangsarbeiter könnten Schadenersatzforderungen stellen. Drei Historiker forschten für die Arbeit nach eigenen Angaben acht Jahre lang im Firmenarchiv und sahen insgesamt 50 Archive in ganz Europa durch.
Die Expansion der Bank sei unter anderem deswegen möglich gewesen, weil sie in den abhängigen und besetzten Gebieten «rigoros und ohne Bedenken» in heiklen Geschäftsfeldern aktiv geworden sei: «Ihre massive Beteiligung beim Ausbau der deutschen Rüstungswirtschaft belegt dies ebenso wie ihr Engagement bei der Finanzierung von Unternehmen zur wirtschaftlichen Ausbeutung der besetzten Gebiete, ihre zahlreichen finanziellen Dienstleistungen für die SS und ihre engen Kontakte zur SS sowie ihre Mitwirkung bei der 'Verwertung' jüdischen Vermögens», urteilte Wixforth.
Obwohl die Bank bei ihrem Engagement in den besetzten Ostgebieten nur geringe Aussichten auf Gewinne hatte, habe sie sich dennoch als Finanzier und Berater bei der Ausbeutungspolitik angedient. Grund war die Hoffnung, in einem «germanisierten» Großwirtschaftsraum die Spitzenstellung unter den Kreditinstituten einnehmen zu können.
Die Dresdner Bank argumentierte jedoch zynisch, sie halte es für ausgeschlossen, dass ein alter Mensch den Transport in den Osten lange überleben könne, sagte Ziegler. Die Bank sei sich also durchaus darüber im Klaren gewesen, «dass sie dank eingesparter Rentenleistungen indirekt von dem Massenmord an den Juden profitierte».
Der ditte Autor der Studie, Johannes Bähr, fasste seine Forschungsergebnisse so zusammen: «Das Unternehmen als Ganzes machte sich bereitwillig zum Komplizen des Regimes und verfolgte eine geschäftliche Logik, bei der alle ethischen Maßstäbe außer Acht blieben. Gerade bei ihren verwerflichsten Geschäften wäre es für die Dresdner Bank zweifellos möglich gewesen, anders zu handeln. Deshalb trägt die Bank für diese Geschäfte auch die volle Verantwortung.» (nz)

