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Lupe Electrolux: Pro Streiktag zehn Arbeitsplätze weg

Electrolux geht ohne neues Angebot in Gespräche um das Nürnberger AEG-Werk. Der IG Metall wurde vorgeworfen, «auf dem Rücken der AEGler ein Medienspektakel» zu veranstalten, um den Mitgliederschwund zu stoppen.

Der seit fast drei Wochen laufende Streik im AEG-Hausgerätewerk in Nürnberg führt dazu, dass bei Electrolux Deutschland mit jedem Streiktag «zehn kerngesunde Arbeitsplätze» verloren gehen. Das teilte die Deutschland-Sparte des schwedischen Mutterkonzerns am Dienstag in Nürnberg mit. Der Konzern habe bereits «erhebliche Volumen» in andere Werke verlagern müssen, um seinen Verpflichtungen gegenüber Kunden nachzukommen, sagte Electrolux-Manager Horst Winkler.
Streik macht Verlagerung «unumkehrbar»
Schon jetzt würden in den Werken in Polen und Italien Sonderschichten gefahren, um die Kunden beliefern zu können, sagte Winkler. Rund 50 Prozent der früher in Nürnberg hergestellten Geschirrspüler würden bereits im Ausland gefertigt. Jeder weitere Streiktag führe zu einer noch schnelleren Verlagerung der Nürnberger Produktion, warnte Winkler die Gewerkschaft IG Metall.

«Im Moment sind das noch Notszenarien, die aber schnell zu Dauerlösungen werden, wenn die IG Metall weiter versucht, unser Unternehmen zu blockieren», sagte Winkler. «Der Prozess ist dann unumkehrbar.» Ursprünglich ist die Schließung des Nürnberger Werks für Ende 2007 geplant. Electrolux will dann im Ausland günstiger Waschmaschinen und Geschirrspüler fertigen.

Spektakel «auf dem Rücken der AEGler»
Der Manager räumte Lieferverzögerungen wegen des seit 19 Tagen laufenden AEG-Streiks ein. «Wir spüren die Auswirkungen.» Im ebenfalls bestreikten AEG-Bereich Logistik liefen die ersten Lieferungen über externe Dienstleister. «So schaffen wir Arbeitsplätze bei anderen Firmen, obwohl wir die Kapazitäten im eigenen Haus gehabt hätten.»

Winkler betonte, der Konzern werde ohne neues Angebot in die nächste Verhandlungsrunde an diesem Mittwoch gehen. «Ich hoffe auf Bewegung der IG Metall», sagte Winkler. Die Gewerkschaft müsse von ihren «utopischen Forderungen» abrücken. «Viele haben den Eindruck, die IG Metall veranstaltet auf dem Rücken der AEGler ein Medienspektakel, um den Mitgliederschwund zu stoppen», ergänzte der Manager.

«Konstruktive Antwort» gefordert
Die Gewerkschaft lasse nach wie vor eine Bereitschaft zu realistischen Lösungen nicht erkennen, kritisierte Winkler. Er betonte, das vergangene Woche vorgelegte Angebot für einen Sozialtarifvertrag mit einem Volumen von über 100 Millionen Euro liege deutlich über sämtlichen bisher mit dem AEG-Betriebsrat vereinbarten Sozialplänen und um rund 40 Prozent über dem in Deutschland durchschnittlich üblichen Niveau. Bis heute warte Electrolux auf «eine konstruktive Antwort» der IG Metall auf das Angebot.

Laut Electrolux sorgt das Verhalten der IG Metall bei immer mehr Electrolux- Mitarbeitern und Partnern für Verärgerung. In der im Herbst ausgelagerten Ersatzteil-Sparte Distriparts hätten 60 von 200 Mitarbeitern vor einigen Tagen per Brief dem Betriebsrat und der IG Metall ihr Vertrauen entzogen. «Die IG Metall tut so, als stünden alle Mitarbeiter hinter ihren Forderungen», so Winkler. «Das ist schlicht unwahr.» (nz)