01.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Springer-Turm in Berlin-Kreuzberg
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Axel Springer will ProSiebenSat1 nicht länger übernehmen. Verlag und Mehrheitseigner beschlossen gemeinsam, die Pläne fallen zu lassen.
Der Verlag Axel Springer
gibt den Kampf um die Übernahme der TV-Gruppe ProSiebenSat1
auf. Wie Springer am Mittwoch in Berlin mitteilte, werden die Pläne nicht weiter verfolgt. Der Verlag und der Mehrheitseigner der Senderkette, die Holding P7S1, hätten «nach intensiver Prüfung und sorgfältiger Abwägung» beschlossen, das Vorhaben «einvernehmlich» zu beenden.
Wegen der wirtschaftlichen und juristischen Unsicherheiten sei das Risiko zu groß, hieß es zur Begründung. Damit entstünden «für alle Beteiligten unzumutbare Risiken».
Sorge um MeinungsvormachtDas Bundeskartellamt hatte am 23. Januar den geplanten Erwerb der ProSiebenSat1 untersagt. Die Behörde hatte das Angebot des Verlags, alle Programm- und Familienzeitschriften zu verkaufen, als unzureichend abgelehnt. Springer wiederum lehnte die Auflage ab, schon vorab einen der beiden großen Sender ProSieben oder Sat1 aus der Kette herauszulösen und an einen Dritten zu veräußern.
Zuvor hatte auch die Medienaufsicht KEK ihr Veto gegen eine Fusion der Senderfamilie mit dem Verlag wegen der Gefahr einer «vorherrschenden Meinungsmacht» ausgesprochen. Springer verzichtet nun darauf, mit einer Klage oder einem Antrag auf Ministererlaubnis die Übernahme doch noch durchzusetzen. Weder der Kaufvertrag zwischen Springer und P7S1 noch das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot von Springer an die Aktionäre der ProSiebenSat1 Media AG vom 16. September werde vollzogen, hieß es.
KEK-Veto hätte fallen könnenBis zuletzt bestand noch die Möglichkeit, dass die Direktoren der Landesmedienanstalten mehrheitlich das KEK-Veto kippen könnten. Am Dienstag hatten sie die Einrichtung einer Arbeitsgruppe beschlossen, die klären sollte, ob und wie die Landesmedienanstalten die Fusion doch noch genehmigen könnten.
Springer hatte im August 2005 die milliardenschwere Übernahme des im M-Dax gelisteten TV-Konzerns angekündigt. Im Kaufvertrag hatte sich Springer verpflichtet, alles zu unternehmen, um eine Zustimmung der Behörden zu bekommen. (nz)