Kollektive Beherrschung des TV-Markts droht
24.01.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Das Kartellamt wird seine Entscheidung vom Montag, die Fusion zu untersagen, am Dienstag in Bonn ausführlich begründen. Den Berichten zufolge wird sich das Amt dabei auch auf die «marktbeherrschende Stellung» berufen, die sowohl auf dem Markt für Straßenverkaufszeitungen wie auch auf dem bundesweiten Anzeigenmarkt für Tageszeitungen entstehen oder sich verstärken würde. Springer hatte in Reaktion auf das Nein mitgeteilt, weiter alle Optionen zu prüfen: Der Verlag kann klagen, eine Sondergenehmigung in Form einer so genannte Ministererlaubnis beantragen oder aus dem Geschäft aussteigen.
Dafür habe Saban im Gegenzug einen um 200 Millionen Euro höheren Preis herausgeschlagen, wie die «Süddeutsche» ergänzend berichtete. Bei dem im Sommer 2005 vereinbarten Geschäft sollten die Investoren eine Summe von rund zweieinhalb Milliarden Euro erhalten; das gesamte Geschäft hätte Springer rund vier Milliarden Euro gekostet.
Auch unter den Sozialdemokraten gibt es mit dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck, dem Koordinator der SPD-Medienpolitik, einen Fürsprecher. Insbesondere aus der SPD-Bundestagsfraktion schlägt den Springer-Plänen allerdings Widerstand entgegen. Der wirtschaftspolitische Sprecher, Rainer Wend, mahnte den Koalitionspartner im «Handelsblatt», den «Konsens» zu suchen, auch wenn Minister Glos «formalrechtlich» allein verantwortlich wäre.
Mitglieder der Bundestagsfraktion sehen sogar eine klare Linie gegen das mögliche Vorhaben. Letztlich müssten aber möglicherweise Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Vize, Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD), entscheiden, heißt es unter der Hand.
Mögliche Klagen durch andere Sender sind für Werner Möschel, Kartellrechtler an er Universität Tübingen und früher Chef der Monopolkommission, auch der Grund, weswegen Springer seiner Meinung nach auf eine Ministererlaubnis verzichten wird. Ein solches Verfahren würde sich nämlich mindestens eineinhalb Jahre hinziehen, sagte Möschel der «Stuttgarter Zeitung»: «Ich denke, dass Springer keine Chance mehr hat.» Zugleich erneuerte er seine Kritik an der Untersagung des Geschäfts durch das Kartellamt und nannte den Spruch «rückwärts gewandt». Er gehe «an den eigentlichen Problemen vorbei».
Für das Web ediert von Kai Makus

