netzeitung.deGründer von Skandalfirma Livedoor verhaftet

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Takefumi Horie (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Takefumi Horie
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die japanische Polizei hat den Chef und weitere Manager der Skandalfirma Livedoor festgenommen. Gegen das Unternehmen wird wegen möglicher Bilanzfälschung ermittelt.

Der Gründer und Präsident des japanischen Skandal-Unternehmens Livedoor, Takafumi Horie, ist am Wochenende wegen Verdachts der Verbreitung falscher Finanzinformationen verhaftet worden. Wie japanische Medien unter Berufung auf Ermittler berichteten, wurden zusammen mit dem 33-jährigen Internet-Millionär drei weitere Manager der Livedoor-Gruppe festgenommen: Finanzchef Ryoji Miyauchi sowie der Präsident von Livedoor Marketing, Fumito Okamoto, und der Chef der Livedoor-Finanzsparte, Osanari Nakamura.
Livedoor könnte vom Kurszettel verschwinden
Gegen die rasant gewachsene Internet-Firma wird unter anderem wegen Kursmanipulation und Bilanzfälschung ermittelt. Hintergrund ist der Vorwurf, mit Transaktionen Verluste bei Tochtergesellschaften versteckt zu haben, um die Mutter Livedoor gut dastehen zu lassen. Das Unternehmen hat die Anschuldigungen zurückgewiesen. Am vergangenen Mittwochabend wurde ein früherer Livedoor-Manager tot in einem Hotel in Südjapan aufgefunden. Er beging nach Polizeiangaben vermutlich Selbstmord.

Nach den Festnahmen teilte die Tokioter Börse am Montag mit, sie habe Livedoor auf eine Liste für mögliches Delisting gesetzt. Der Skandal hatte in der vergangenen Woche zu Panikverkäufen geführt. Daraufhin musste an der Tokioter Börse der gesamte Aktienhandel wegen drohenden Zusammenbruchs des Computersystems abgebrochen werden.

«Enfant terrible»
In der vergangenen Woche verloren die Aktien von Livedoor um mehr als die Hälfte an Wert. Am Montag gaben Livedoor-Aktien
in Frankfurt um 31 Prozent nach. Größter Aktionär ist Horie selbst mit einem Anteil von 17,3 Prozent. Die Staatsanwaltschaft und die japanische Börsenaufsicht haben sich des Falls angenommen und vergangene Woche bereits Büros von Livedoor und Privaträume von Horie durchsucht. Sie beschlagnahmten Unterlagen und Computer, um Beweise sicherzustellen.

Der 33-jährige Firmengründer gilt in Japan als «enfant terrible» der Wirtschaft: Er sorgte mit provokantem Auftreten für Aufsehen und ging lieber im T-Shirt als im Anzug zu Terminen. Zudem baute er mit Zukäufen sein Unternehmen kräftig aus. Seit 2000 hat der Studienabbrecher nicht weniger als 20 Unternehmen gekauft. Für Furore sorgte der letztlich erfolglose Versuch, beim größten privaten Fernsehsender des Landes, Fuji TV, einzusteigen. Daraufhin wurde in Japan heftig über die Auswirkungen des Kapitalismus diskutiert. (nz)