19.01.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Firmenschild von Livedoor
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ein früherer Manager des japanischen Skandal-Unternehmens Livedoor hat offenbar Selbstmord begangen. Die Internetfirma bestritt die Vorwürfe der Bilanzfälschung und Kursmanipulation.
Der Bilanzskandal des japanischen Internetunternehmens Livedoor zieht Kreise. Ein früherer Manager der Firma der heutige Vizepräsident des mit Livedoor verbundenen Tokioter Wertpapierunternehmens H. S. Securities, Hideaki Noguchi ist nach Polizeiangaben am Mittwochabend tot in einem Hotel der südjapanischen Stadt Naha aufgefunden worden. Der 38-Jährige beging demnach vermutlich Selbstmord.
Verstöße bestrittenGegen Livedoor wird wegen des Verdachts der Kursmanipulation und wegen mutmaßlicher Bilanzfälschungen ermittelt. Noguchi war seit 2000 Manager bei dem Unternehmen Livin' On The Edge, dem Vorläufer von Livedoor. Innerhalb des Unternehmens baute er eine Investmentsparte auf, die er anschließend leitete und später mit H.S. Securities zusammenführte.
H.S. Securities zählt zu den Unternehmen, die neben Livedoor selbst in dem Fall von der Staatsanwaltschaft kürzlich durchsucht wurde. Das Unternehmen bestätigte die Durchsuchungen, wies Schuld aber von sich. Auch Livedoor bestritt am Donnerstag jegliches Fehlverhalten. Bei einer internen Untersuchungen seien keine Verstöße gegen Aktienrecht im Zusammenhang mit Firmenübernahmen festgestellt worden, hieß es.
Umstrittener Livedoor-ChefDie Staatsanwaltschaft vermutet, dass Livedoor die Bilanz für das Geschäftsjahr 2003/04 manipuliert hat, um Verluste zu verschleiern. Am Dienstag und Mittwoch verbuchte die japanische Börse in Folge des Skandals kräftige Abschläge; Livedoor selbst fielen um 30 Prozent.
Wie der neue Präsident der Tokioter Börse, Taizo Nishimuro, am Donnerstag mitteilte, könnte Livedoor von der Börse genommen werden. «Wenn wir eine sichere Erklärung für die Vorwürfe bekommen, ist das ausreichend für uns, den Schritt zu machen.»
Star unter Verdacht
Der Fall hat in Japan auch deshalb so großes Medienecho hervorgerufen, weil Livedoor-Gründer und -Chef Takafumi Horie bislang als Star der Tokioter Geschäftswelt galt, dort mit seiner Art aber auch aneckte weil er lieber im T-Shirt als im Anzug zu Terminen ging.
Livedoor hat in den vergangenen Jahren kräftig expandiert, unter anderem ins Wertpapier- und ins Mediengeschäft. Der feindliche Übernahmeversuch von Japans größten TV-Sender sorgte für Diskussionen über die Auswirkungen des Kapitalismus. Derzeit hat Livedoor nach eigenen Angaben 44 Tochterfirmen. (nz)