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Nach Skandal droht Tyco Zerschlagung

09. Jan 2006 13:00
Ex-Tyco-Chef Dennis Kozlowski
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Der inhaftierte frühere Tyco-Chef Kozlowski war mit der Aufspaltung des Konzerns noch am Widerstand der Aktionäre gescheitert. Jetzt könnten das Elektronik- und Gesundheitsgeschäft ausgegliedert werden.

Möglicherweise noch in dieser Woche wird der Verwaltungsrat von Tyco über eine Zerschlagung des Konzerns befinden. Die Mitglieder des Aufsichts- und Führungsgremiums kommen laut «Wall Street Journal» am Firmensitz auf den Bermudas zusammen, um über entsprechende Pläne des Chief Executive Officers (CEO) Edward Breen zu beraten. Damit stünde das Konglomerat, das der frühere Firmenchef Dennis Kozlowski im Laufe mehrerer Jahre zusammengekauft hatte, vor dem Aus.

Kozlowski war im Sommer vergangenen Jahres ebenso wie sein Finanzchef Mark Schwartz wegen Diebstahl zu Lasten des Unternehmens verurteilt worden und muss mindestens sieben Jahre in Haft. Das Gericht befand ihn für schuldig, sich an der Firmenkasse vergriffen zu haben: Er hatte sich unter anderem die Einrichtung seiner Wohnung in New York und eine teure Geburtstagsfeier für seine Frau in Italien vom Unternehmen bezahlen lassen.

Der Skandal wurde in den USA neben den um den Energiehändler Enron und den Telekom-Konzern Worldcom eingereiht, die schwer auf den Aktienkursen lasteten – Händler spotteten damals, der Markt leide an «Enronitis» und «Tycose».

Erster Anlauf zur Zerschlagung gestoppt

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Obwohl Kozlowski die treibende Kraft hinter der immer weiter ausgreifenden Firmen- und Produktpalette des Konzerns war, hegte er bereits vor vier Jahren Pläne, den Mischkonzern zu zerschlagen. Seiner Argumentation, die einzelnen Teile seien mehr wert als das Konglomerat insgesamt, folgten die Anteilseigner indes nicht: Zu groß war die Sorge, bei einer Aufspaltung könnten weitere Ungereimtheiten in den Büchern ans Licht kommen, die den Aktienkurs noch tiefer herabdrücken würden. Auch als Kozlowskis Nachfolger Breen im Sommer 2002 die Führung des Konzerns übernahm, wagte er sich anfangs nicht an das heikle Thema.

Inzwischen aber hat sich das Blatt gewendet: Nicht zuletzt seit der Medienkonzern Viacom seinen Kurs, immer mehr neue Firmen und Geschäfte zuzukaufen, auf Druck von Analysten aufgegeben hat, stehen fokussiertere Unternehmen bei den US-Anleger wieder höher im Kurs als große Konglomerate. Das Festhalten am bisherigen Kurs hat der Tyco-Aktie im vergangenen Jahr einen Abschlag von 16 Prozent beschert; seit Vorstandschef Breen im November eine Kurskorrektur auch nur andeutete, gewann das Papier rund ein Zehntel an Wert.

Bermudas bleiben Firmensitz

Hintergrund:
Tyco bietet derzeit mit weltweit einer Viertel Million Mitarbeitern eine breite Palette von Produkten an – von Feuerlöschern und Spezialausrüstung zur Bekämpfung von Waldbränden über Alarmanlagen bis hin zu Gesundheitsprodukten, etwa gegen Inkontinenz, wo das Unternehmen als Weltmarktführer gilt. Während Tyco vor allem bei Gesundheitsprodukten zuletzt kräftiges Wachstum verbuchte, blieben einige Geschäftsfelder – vor allem die Elektronik - hinter den Erwartungen zurück.

Wie das «WSJ» unter Berufung auf einen Vertrauten von Firmenchef Breen weiter berichtet, laufen dessen Planungen derzeit darauf hinauf, das Elektronik- und das Gesundheitsgeschäft vom Rest des Unternehmens abzuspalten. Der könnte sich dann auf Sicherheits- und Feuerlösch-Produkte sowie das Geschäft mit Pumpen und Armaturen konzentrieren.

Breen wolle die übrigen Mitglieder des Boards dafür gewinnen, hieß es. Vorteil der Transaktionen wäre demnach, dass die Abspaltung steuerfrei wäre. Firmensitz auch der abzuspaltenden Unternehmen würden demnach die Bermudas bleiben – wo ohnehin nicht sonderlich hohe Steuern verlangt werden. (nz)

 
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