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Google fürchtet Macht der US-Telefonfirmen

06. Jan 2006 12:03
Online-Gamer spielen Counter-Strike
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Die Breitband-Anbieter in den USA wollen stärker am Internet-Boom teilhaben: Gegen eine Gebühr versprechen sie schnellere Verbindungen beim Download und für Online-Spiele.

Einige Breitband-Anbieter in den USA haben Gespräche mit Content-Firmen aufgenommen, um stärker von deren Geschäft im Internet zu profitieren. Wie das «Wall Street Journal» berichtete, gibt es bereits Vorgespräche zwischen dem Netzbetreiber Bellsouth und Movielink, einem Joint-Venture von fünf Produktionsgesellschaften, das deren Filme über Internet-Download verkauft.

Geht es nach Bellsouth und anderen Breitband-Anbietern wie AT&T, dann könnten Kunden von Movielink künftig von einem schnelleren Download profitieren, weil ihre Datenpakete bei Staus in den Leitungen bevorzugt transportiert würden. Dafür sollen die Inhalte-Anbieter nach Vorstellung der Netzbetreiber ein Gebühr entrichten. Angesichts des frühen Stadiums der Gespräche nannte das «WSJ» zwar keine Zahlen, schrieb aber von einem «kleinen prozentualen Anteilen» an den zwei bis fünf Dollar, die etwa Movielink für das Herunterladen eines Filmes verlangt.

Geschäftsmodell bedroht

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Hintergrund ist die Bedrohung des Geschäftsmodells der Netzbetreiber – normalerweise die großen, überregionalen Telefongesellschaften – durch den Preisverfall für Festnetzgespräche, für den Überkapazitäten ebenso verantwortlich sind wie technische Neuerungen, etwa Voice-over-IP (VoIP).

Das hat unter anderem dazu geführt, dass der Marktwert der großen Telekom-Konzerne in den USA im vergangenen Jahr zum Teil deutlich gesunken ist oder zumindest stagnierte. Dagegen legten Content-Provider deutlich zu: Der Börsenwert von Yahoo etwa stieg binnen Jahresfrist um fast acht auf knapp 59 Milliarden Dollar an, der von Google verdreifachte sich fast von etwa 53 auf mehr als 133 Milliarden Dollar.

Vorfahrt auf dem Daten-Highway

Bislang gilt für die Lieferung von Daten über das Internet durch die Netzbetreiber der «best efforts» genannte Grundsatz: Die Provider sichern dabei die «größten Mühen» zu, Datenpakete möglichst schnell zu übermitteln, ohne aber irgendwelche Garantien abzugeben. Bislang hatte das den Nutzern kaum Probleme bereitet: Wer im Netz surft oder E-Mail versendet, der ist nicht von einem ununterbrochenen Datenstrom abhängig. Das ist anders, wenn sich der Nutzer Musikdateien oder Filme herunterladen will – und das auch noch möglichst schnell. Auch Nutzer von Online-Spielen sind auf schnelle und zuverlässige Verbindungen angewiesen.

Für die Netzbetreiber ist die Gebühr für die Garantie einer schnellen Datenübertragung nur eine logische Folge: Im «WSJ» verglich William Smith, Technologie-Chef bei Bellsouth, das Geschäft mit der bevorzugten Platzierung von Anzeigen für zahlende Kunden bei der Suchmaschine Google. Smith betonte, sein Unternehmen habe keine Pläne, Kundenzugriffe oder Anbieter zu benachteiligen. Außerdem sei es nur gerechtfertigt, dass sich die Inhalte-Anbieter an der Kosten für die Netze beteiligen: «Während der Hurrikane, zahlte Google nichts, damit DSL wieder hergestellt wurde», schimpfte ein Bellsouth-Sprecher im «WSJ». «Wir zahlten das ganze Geld.»

Google sorgt sich um Inhalte

Vonage-Chef Jeffrey Citron Foto: Vonage
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Die Content-Anbieter sehen das naturgemäß anders: «Sie wollen uns Bandbreite in Rechnung stellen, die die Kunden schon bezahlt haben», kritisierte Jeffrey Citron, Chef und Mitgründer des VoIP-Anbieters Vonage, die Netzbetreiber. Er fürchte, dass US-Kabelanbieter dem Beispiel der mit ihnen konkurrierenden Telefongesellschaften rasch folgen könnten.

Andere Kritiker der Pläne verwiesen darauf, dass besonders junge, kleine Content-Anbieter durch höhere Kosten aus dem Wettbewerb geworfen werden könnten – und dass die Netzbetreiber so bestimmen könnten, welche Firma sich letztlich durchsetzt. Ungenannte Google-Manager warnten laut «WSJ» vor einer zu großen Macht der Netzbetreiber, die die freie Verbreitung von Inhalten gefährden könnte.

FCC für Netzneutralität

Die Pläne haben bereits die FCC auf den Plan gerufen, die für den Telekommunikations- Wettbewerb in den USA zuständige Behörde. «Wir müssen wachsam sein, um sicherzustellen, dass die Netzwerk-Anbieter nicht die Torwächter des Internets werden – mit der Macht zu diktieren, wer das Internet nutzt und zu welchem Zweck», zitierte das Blatt FCC-Commissioner Michael Copps.

Er verwies darauf, dass die Behörde weiter am Ziel der «Netzneutralität» festhält – der Idee, dass die Eigner der Telefon- und Kabelnetze nicht bestimmen können, wie ein Konsument das Internet nutzt oder welcher Content dort verbreitet wird. (nz)

 
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