netzeitung.deConti will in Milliardenhöhe zukaufen

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Conti-Chef Manfred Wennemer (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Conti-Chef Manfred Wennemer
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Auch in Deutschland will Conti-Chef Wennemer zukaufen, obwohl das Reifenwerk in Stöcken wegen hoher Lohnkosten geschlossen werden soll. Für Akquisitionen stehen bis zu vier Milliarden Euro bereit.

Der Vorstandsvorsitzende des Autozulieferers Continental
, Manfred Wennemer, hat Pläne für größere Zukäufe - auch in Deutschland. Das Unternehmen habe zwischen zwei bis vier Milliarden Euro für Übernahmen zur Verfügung, ohne seine Bonitätsbewertung in Gefahr zu bringen, sagte er der «Financial Times Deutschland» (FTD).

Es gebe bereits Gespräche, aber es sei noch nichts konkret, betonte er. «Wir haben derzeit fünf Suchgebiete für Übernahmen.» Wennemer nannte das Elektronikgeschäft sowie die Kautschuk- und Kunststoffproduktion in den USA und Asien. Auch die Reifenproduktion in Fernost solle ausgebaut werden.

Deutschland stärken
Darüber hinaus spielt der Vorstandsvorsitzende mit dem Gedanken auch in Deutschland zu zukaufen: «Wir können uns außerdem vorstellen, Continental in Deutschland zu verstärken», zitierte ihn die Zeitung.

Für diese Pläne dürfte die Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sowie die vor dem Jobverlust stehenden etwa 320 Beschäftigten des Pkw-Reifenwerks in Hannover-Stöcken wenig Verständnis aufbringen. Die Pläne Wennemers, das profitable Werk zu schließen, hatte massive öffentliche Proteste ausgelöst - zumal die betroffenen Mitarbeiter erst vor wenigen Monaten längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich zugestimmt hatten, um ihre Arbeitsplätze zu erhalten.

Eine Chance - keine Garantie
In der «Süddeutschen Zeitung» (SZ) rechtfertigte Wennemer die Schließung in Hannover-Stöcken: «Wir haben immer gesagt: Es gibt eine Chance, wenn wir länger arbeiten, aber es gibt keine Garantie.» Deshalb gebe es auch keine Arbeitsplatzgarantien. «Unsere Kunden geben uns ja auch keine Absatzgarantien», verteidigte er sich.

Durch längere oder flexiblere Arbeitszeiten könne sich Conti nur Verschnaufpausen erarbeiten, sagte er. «Das Enttäuschende beim Werk in Stöcken ist ja, dass diese Verschnaufpause nur sechs Monate lang war.»

Der Konzern handele nach der Strategie, «dort zu produzieren, wo die Kosten am günstigsten sind». Das sei «nicht in Stöcken, sondern in Tschechien». Deutschland habe Wettbewerbsvorteile wie Innovation, Schnelligkeit oder Qualität verloren, kritisierte Wennemer laut «SZ». «Man muss akzeptieren, dass sich vieles verändert hat.»

Wennemer ist überrascht
Mit Blick auf die massiven Proteste der Belegschaft in Stöcken zeigte sich Wennemer in der «FTD» verwundert: «Dass es eine Reaktion geben würde, habe ich erwartet. Doch das Ausmaß war schon überraschend.» Allerdings zeichnet sich in den Gesprächen mit der Gewerkschaft offenbar eine Lösung ab: «Ich glaube, es gibt eine Chance zu einer Einigung.» Die Verhandlungen zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretern über das Aus des Werkes wurden auf Anfang 2006 vertagt.

Die Gewerkschaft hatte darauf gedrängt, die Reifenfertigung erst 2007 einzustellen und verlangte überdies als Gegenleistung andere Fertigungslinien für das Werk. Der Konzern will das Werk dagegen Ende 2006 stilllegen. (nz)