22. Dez 2005 09:40
Die Manager in Deutschland müssten ihr verhalten ändern, fordert Bundestagsvize Thierse angesichts des BGH-Urteils im Fall Mannesmann. Gebe es keinen freiwilligen Kodex, müsse über gesetzliche Regelungen nachgedacht werden.
Der stellvertretende Präsident des Bundestags, Wolfgang Thierse (SPD), hat eine Debatte über die Ethik der Manager in Deutschland angemahnt. Das am Mittwoch ergangenen Revisionsurteil im Mannesmann- Prozess sei eine «öffentliche Aufforderung, über die Unternehmenskultur und die Unternehmermoral in diesem lande zu diskutieren», sagte Thierse dem Inforadio RBB. Ziel der Diskussion müsse es sein, das Verhalten der Manager zu ändern.Es könne nicht sein, dass die Höhe einer Abfindung in keinem Verhältnis zu den erbrachten Leistungen stehe, kritisierte Thierse. Daher müsse auch über einen Kodex gesprochen werden, an den sich die Manager freiwillig hielten. Ansonsten müsse über aktienrechtliche Vorschriften nachgedacht werden, in denen «eine Relation von Einkommen und Abfindungshöhe zu Leistungen, zum Unternehmenserfolg formuliert» werden solle. Zudem müssten die Aktionäre selbst mehr Rechte bei der Genehmigung von Abfindungen erhalten, forderte Thierse.
Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte am Mittwoch die Urteile im Mannesmann-Prozess aufgehoben. Damit muss das Verfahren um Abfindungen im Millionenhöhe im Zuge der Übernahme des Mannesmann- Konzerns durch den britischen Mobilfunkanbieter Vodafone vor dem Landgericht Düsseldorf wiederholt werden.Neben dem damaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser muss sich dann erneut der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank
, Josef Ackermann, der frühere IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel und der damalige Aufsichtsratchef Joachim Funk neben weiteren Managern wegen des Vorwurfs der Untreue und des Betrugs verantworten.Der Spruch hatte unter anderem zu Rücktrittsforderungen von Aktionärsvertretern an Ackermann geführt, der sie aber umgehend zurückwies. Auch einige Politiker hatten sich der Forderung angeschlossen. (nz)