21.12.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Wolfgang Gerke
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
In der Aufhebung des Mannesmann-Urteils sieht Börsenexperte Gerke nicht den Hauptgrund für eine möglichen Rücktritt von Deutsche-Bank-Chef Ackermann. Dennoch müsse sich die Bank schnell um einen «Kronprinzen» kümmern.
Der Bank- und Börsenexperte Wolfgang Gerke hat sich gegen einen schnellen Rücktritt von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ausgesprochen. «Ackermann ist noch nicht rechtskräftig verurteilt es gilt daher die Unschuldsvermutung», sagte Gerke, der an der Universität Erlangen-Nürnberg lehrt, am Dienstag der Netzeitung.
Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte zuvor sämtliche Freisprüche im Mannesmann-Prozess aufgehoben. Der Fall, in dem es um die Millionen-Abfindungen im Rahmen der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone geht, muss jetzt neu verhandelt werden.
«Miserabler Kommunikator»Für Gerke steht die BGH-Entscheidung für die Beurteilung Ackermanns aber nicht an erster Stelle: Die Schließung des Immobilienfonds «Grundbesitz-Invest» sei «viel problematischer», betonte er. Es sei «ein Informations-Gau, wenn Ackermann 300.000 Kunden sagen muss, ihr kommt bis Februar nicht an euer Geld», erläuterte der Banken-Experte. Das sei ein eindeutig eine «Management-Fehlleistung». Schon in der Vergangenheit habe Ackermann gezeigt, dass er ein «miserabler Kommunikator» sei.
Die Deutsche Bank
hatte Mitte Dezember entschieden, vorübergehend weder Anteile des umstrittenen offenen Immobilienfonds «Grundbesitz-Invest» auszugeben, noch welche zurückzunehmen. Die Aussetzung gilt so lange, bis die Neubewertung des Immobilien-Portfolios vorliegt. Die Maßnahme gilt als einmalig in der Geschichte der offenen Immobilienfonds in Deutschland und hatte eine Welle der Kritik aus Politik und Wirtschaft ausgelöst.
Hinzu kommt nach Ansicht von Gerke die Diskussion um den Stellenabbau bei der Deutschen Bank. Das Institut hatte gleichzeitig mit der Bekanntgabe eines Milliardengewinns Ende vergangenen Jahres angekündigt, weltweit insgesamt 5500 Arbeitsplätze abzubauen und war dafür scharf kritisiert worden.
Kronprinz muss her«Für Ackermann ist eine Menge zusammengekommen», sagte Gerke. Er sei deshalb «extrem angeschlagen», auch wenn er immer noch ein «hervorragender Investmentbanker ist und die Zahlen der Bank in Ordnung gebracht hat». Die Deutsche Bank wird im laufenden Jahr eines der Hauptziele Ackermanns die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern auf 25 Prozent zu steigern - erfüllen.
Für die Deutsche Bank sei es wichtig, «intern einen Kronprinzen zu nominieren» und ihn aufzubauen. «Die Deutschw Bank hat bei der Suche nach einem Nachfolger wenig Zeit, bei der Umsetzung aber viel.»
Nachfolger-Entscheidung bestimmt AusrichtungNamen wollte Gerke nicht nennen: «Die Entscheidung über den Nachfolger ist auch eine Entscheidung über die künftige Ausrichtung der Bank», betonte er lediglich. «Ein Investmentbanker wäre gut für die Strategie, aber schlecht für die Kunden in Deutschland.»
Gerke verteidigte auch den Vorsitzenden der Aufsichtsrats, Rolf Breuer, der in der «Financial Times» offen über die Nachfolgersuche gesprochen hatte. «Breuer muss als Chef des Aufsichtsrats öffentlich sagen: Wir haben Alternativen», lobte Gerke.