20.12.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Josef Ackermann
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Alles oder nichts, heißt es am Mittwoch für Deutsche-Bank-Chef Ackermann. Obwohl das BGH-Urteil noch nicht veröffentlicht ist, wird schon spekuliert, wer Ackermann ersetzen könnte.
Schon jetzt kursieren erste Namen in der Frankfurter Finanzwelt, wer als möglicher Nachfolger für den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank
, Josef Ackermann, in Frage käme. Am Mittwoch entscheidet der Bundesgerichtshof (BGH) im Fall Mannesmann und damit auch über die weitere Karriere eines der umstrittensten Managers in Deutschland.
Als möglicher Nachfolger wird am Finanzplatz Frankfurt laut einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» Deutschland-Chef Jürgen Fitschen gehandelt.
Länge des Verfahrens entscheidendSollte der BGH wirklich entscheiden, den Fall komplett neu aufzurollen, hatte Ackermann vage angedeutet, sein Amt möglicherweise aufzugeben. Entscheidend wird dabei sein, wie weit die BGH-Richter in ihrem Urteil gehen. Dass der Fall komplett neu aufgrollt wird, halten Juristen für die unwahrscheinlichste Variante.
Wird der Freispruch dagegen nur in Teilen aufgehoben, fällt die in der Folge notwendige neue Beweisaufnahme am Landgericht Düsseldorf entsprechend kurz aus. Das könnte dazu führen, dass Ackermann den Kopf noch einmal aus der Schlinge ziehen kann.
Fauxpas Victory-ZeichenJe länger der Prozess jedoch dauert, desto größer wird der Druck auf Ackermann und natürlich auch auf die Deutsche Bank. Einen erneuten Fauxpas, wie die Victory-Pose zu Beginn des Prozesses im Januar 2004, wird sich Ackermann nicht leisten können.
Rückendeckung bekommt der gebürtige Schweizer von der Finanzaufsicht Bafin: Die Behörde hat schon signalisiert, dass sie die Position Ackermanns erst dann in Frage stellen will, wenn es ein rechtskräftiges Urteil gibt.
BGH sieht in Prämien «Geschenke»Dass der zuständige BGH-Richter Klaus Tolksdorf die Freisprüche nicht einfach akzeptieren und durchwinken wird, hat er schon im Oktober klar gemacht. Tolksdorf hatte die 2000 gezahlte Prämie an den damaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser damals mehrfach als «Geschenk» bezeichnet - darauf habe Esser seinem Vertrag nach keinen Anspruch gehabt, stellte Tolksdorf heraus.
Im Prozess geht es um insgesamt 57 Millionen Euro an Prämien und Pensionsabfindungen, die an Manager und Ex- Vorstände gezahlt worden waren, nachdem der britische Mobilfunkkonzern Vodafone Anfang 2000 Mannesmann übernommen hatte. Ackermann sowie der Ex-IG-Metallvorsitzende Klaus Zwickel und der frühere Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Funk sind wegen Untreue angeklagt, weil sie dem für die Ausschüttungen zuständigen Präsidium des Kontrollgremiums angehörten.
Konkurrenz auch sauerDerzeit steht Ackermann nicht allein aufgrund des nahenden Urteils unter Druck. Die Konkurrenz, die ihn in der Vergangenheit noch oft gegen Anfeindungen aufgrund des massiven Stellenabbaus bei der Deutschen Bank in Schutz genommen hat, ist sauer.
Der Ärger über Ackermanns Verhalten im Rahmen der Schließung des Immobilienfonds «Grundbesitz Invest» ist so groß, dass er sogar in der am Dienstag stattfindenden so genannten Bristol-Runde mit Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) die anderen Punkte auf der Tagesordnung überdecken soll.