netzeitung.deAEG-Belegschaft baut Überstunden ab

 Herausgeber: netzeitung.de

Protest vor dem Nürnberger AEG-Werkstor (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Protest vor dem Nürnberger AEG-Werkstor
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Aus Protest gegen die geplante Schließung des Nürnberger AEG-Werks ruht die Arbeit erneut. Am Dienstag sollen die Bürger der Stadt den Mitarbeitern ihre Solidarität zeigen.

Die Arbeit im von der Schließung bedrohten Hausgerätewerk der AEG in Nürnberg ruht am Montag erneut. Wie der Betriebsrat mitteilte, bauen die Mitarbeiter aus Protest Überstunden ab. Sie müssten dafür Lohneinbußen hinnehmen. Am frühen Dienstagnachmittag sei zudem eine weitere Betriebsversammlung geplant, kündigte die IG Metall an. Die Belegschaft hatte in den zurückliegenden Tagen aus Protest mehrfach die Arbeit niedergelegt.

Nach der Belegschaftsversammlung sei ein Demonstrationszug durch die fränkische Stadt mit einer Menschenkette geplant, hieß es weiter. Für eine anschließende Kundgebung würden sowohl der bayerische IG-Metall-Vorsitzende Werner Neugebauer als auch Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) erwartet. Maly hatte die Nürnberger bereits aufgerufen, aus Solidarität mit den AEGlern an der Demonstration teilzunehmen.

Nur vorgeschobene Argumente
«Ich bin überzeugt, dass dieser Beschluss nicht nötig war», sagte Maly. Nach Berechnungen des Oberbürgermeisters amortisieren sich die auf 250 Millionen Euro geschätzten Kosten für die Schließung des Werkes für Elektrolux erst in 13 Jahren. Im Unterschied zu Mitbewerbern am Hausgerätemarkt habe der schwedische Konzern die Marke AEG nur mangelhaft gepflegt, kritisierte Maly.

Statt nach Wegen für eine Fortführung der Produktion in Nürnberg zu suchen, habe Elektrolux von Beginn an nur die Schließung im Auge gehabt. Auch das Argument plötzlich aufgetretener Überkapazitäten sei nur vorgeschoben.

Der mittelfränkische DGB-Chef Stephan Doll nannte die geplante Zerschlagung von AEG einen gesellschaftspolitischen Skandal: «Wir brauchen dringend eine Diskussion, wie der grenzenlosen Gier von Konzernen Einhalt geboten werden kann», sagte Doll. Der evangelische Stadtdekan Michael Bammessel forderte die Manager des Electrolux- Konzerns auf, sich nicht ihrer Verantwortung für die Menschen zu entziehen.

Fertigung geht nach Polen
Der schwedische Mutterkonzern Electrolux hatte in der vergangenen Woche endgültig beschlossen, die Fertigung von Waschmaschinen, Geschirrspülern und Trocknern in Nürnberg bis Ende 2007 nach und nach zu schließen. Die Produktion soll aus Kostengründen nach Polen verlagert werden. Davon sind 1750 Arbeitsplätze betroffen.

Unklar ist, was mit den übrigen AEG-Arbeitsplätzen in Nürnberg geschehen soll. Dort arbeiten noch etwa 250 weitere Mitarbeiter für Electrolux, unter anderem in der Deutschland-Zentrale. Gewerkschaft und Betriebsrat sind vor allem deshalb über die Schließung erbost, weil nach ihrer Ansicht seit Jahren nichts in das Stammwerk investiert wurde, so dass die Produktivität dort vergleichsweise niedrig ist. Das Management betont indes, dass in Nürnberg mit Verlust gefertigt werde und der Standort daher geschlossen werden müsse. (nz)