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Rabattschlacht unterm Tannenbaum

28. Nov 2005 13:43
Rangeleien vor Weihnachten in Wal-Mart-Filiale
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Das erste Advents-Wochenende brachte Einzelhändlern in Deutschland wie in den USA volle Läden. Was beide Länder ebenfalls verbindet: Ohne kräftige Preisnachlässe geht es wohl auch in diesem Jahr nicht.

Von Matthias Breitinger

Sicher – die Umsätze des US-Einzelhandels am Thanksgiving-Wochenende lassen sich nicht auf das gesamte Weihnachtsgeschäft hochrechnen. Beeindruckend sind die Zahlen dennoch: Die Einzelhändler in den Vereinigten Staaten setzten am zurückliegenden langen Wochenende insgesamt 27,8 Milliarden Dollar um, 22 Prozent mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres, wie der Branchenverband National Retail Federation (NRF) berichtete.

Nicht alle Einzelhändler hatten jedoch ein erfolgreiches Wochenende. Vor allem für Fachgeschäfte in Einkaufszentren lief es weniger gut als für die großen Discount-Ketten wie Wal-Mart oder Target. Laut NRF machten am zurückliegenden Wochenende 61 Prozent der Konsumenten Einkäufe bei Discountern, 47 Prozent in Kaufhäusern und 41 Prozent in Fachgeschäften.

Laptop fast zum halben Preis

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Experten verweisen als Erklärung auf die teils heftigen Rabatte und günstige Finanzierungen, die die großen Unternehmen in diesem Jahr gewähren. Die Kaufhaus- Kette JC Penney senkte den Preis für Frauen-Lammfelljacken von 299,99 auf 99 Dollar. Am Freitag hatte Wal-Mart Laptops von Hewlett-Packard für 398 Dollar im Angebot – 350 Dollar unter dem Durchschnittspreis. Deshalb gab es in manchen Wal-Mart-Filialen um die Notebooks regelrechte Kämpfe, in die Sicherheitskräfte eingreifen mussten.

Bei Macy's in Manhattan warteten zur Ladenöffnung schon mehr als 1000 Kunden vor den Türen – eine so große Menge habe er in den letzten zehn Jahren nicht gesehen, meinte der Chef der Macy's-Mutter Federated Department Stores. Kein Wunder: Das Geschäft warb in Anzeigen mit 20-Prozent-Rabattcoupons, die zahlreiche Kunden ausgeschnitten und mitgebracht hatten. Diese Taktik mag zwar für volle Läden und gute Umsätze sorgen, sie schlägt aber bei den Margen zu Buche.

Teure Energie sorgt für Sparsamkeit

Womit die großen Ketten nach Ansicht von Analysten außerdem punkteten: Sie öffneten ihre Filialen teils deutlich vor den Einkaufszentren. Wer wollte, konnte sich etwa bei JC Penney am Freitag schon um fünf Uhr morgens in den Kaufrausch stürzen. Wal-Mart öffnete am Freitag nach Thanksgiving ebenfalls früher als sonst. Auch bei der Werbung war der weltgrößte Einzelhandelskonzern in diesem Jahr früher dran: Schon ab dem 1. November machte das Unternehmen Reklame für sein Weihnachtsgeschäft.

«Ich habe Verbraucher noch nie so werbeorientiert gesehen wie in diesem Jahr», urteilt der Chef des Konsumforschungsinstitut America's Research Group, Britt Beemer, im «Wall Street Journal». Angesichts gestiegener Benzinpreise und höherer Heizkosten erwarten Experten im jetzt gestarteten Weihnachtsgeschäft eine besonders harte Schlacht um die Konsumenten. Laut Forschungsinstitut Conference Board wollen die US-Haushalte in diesem Jahr durchschnittlich 466 Dollar für Geschenke ausgeben, zehn Dollar weniger als in 2004.

Preiskampf «bis zum Endspurt»

Weihnachtsschmuck in einem Kaufhaus in Washington
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«Man sieht viele Leute beim Shoppen, aber nicht sehr viele, die auch einkaufen – außer es hängen große 'Rabatt'-Schilder im Schaufenster», meint der Branchenanalyst Rob Plaza von Zacks Investment Research in Chicago. Sein Kollege Frank Badillo vom Marktforschungsinstitut Retail Forward schätzt: «Um das Tempo des Thanksgiving-Wochenendes beizubehalten, werden die Händler an ihren Preisnachlässen festhalten müssen.» Badillo rechnet mit einem Preiskampf «bis zum Endspurt».

Einen Teil des Kuchens müssen die klassischen Einzelhändler zudem dem wachsenden Internet-Geschäft abtreten. Der Kreditkarten-Anbieter Visa verbuchte am Thanksgiving-Wochenende einen Kartenumsatz im E-Commerce von 205 Millionen Dollar, gut 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei hat das Unternehmen nur sieben Prozent mehr Karten ausgegeben als vor einem Jahr.

In den USA wird mit dem neben Weihnachten wichtigsten Feiertag des Landes, dem Erntedankfest Thanksgiving, traditionell das Weihnachtsgeschäft eingeläutet. Das lange Wochenende gilt als das konsumstärkste des Jahres. Insbesondere der Freitag nach Thanksgiving ist meist der Tag mit den höchsten Einzelhandelsumsätzen. In den Wochen danach werden die Erlöse wieder etwas schwächer, um am letzten Wochenende vor den Feiertagen nochmals hochzuschnellen.

In Deutschland stagnierender Umsatz erwartet

Der Fachverband NRF erwartet für die gesamte Adventszeit ein Umsatzplus zum Vorjahr von sechs Prozent. Vergangenes Jahr lag der Anstieg gegenüber 2003 noch bei 6,7 Prozent. Immerhin ist die Branche wieder optimistischer geworden: Im September lag die Prognose des NRF für das diesjährige Weihnachtsgeschäft noch bei einem Plus von fünf Prozent - unter Verweis auf die kräftig gestiegenen Energiepreise.

In Deutschland ist der Einzelhandel weniger optimistisch. Hier zu Lande gilt schon als Erfolg, wenn «das nicht gerade gute Vorjahresergebnis» von 68,1 Milliarden Euro erreicht wird, wie der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) zum Start des Weihnachtsgeschäfts mitteilte. Das Nürnberger Konsumforschungsinstitut GFK rechnet damit, dass sich die Hoffnung der Branche «gerade noch erfüllen» könnte. Zumindest scheint das Weihnachtsgeschäft gut angelaufen zu sein: Der HDE berichtete von vollen Innenstädten und Warenhäusern. Zahlen über den Umsatz will der Branchenverband am Montagnachmittag nennen.

50 Prozent wollen spendabler sein

Rabattschild in einem Schaufenster
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Experten schätzen allerdings, dass ähnlich wie in den USA das hiesige Weihnachtsgeschäft durch deutliche Preissenkungen geprägt sein dürfte. «Es wird wie im Vorjahr zu massiven Angebotsschlachten kommen», meint Sirko Siemssen von Mercer Management Consulting. Damit widersprach er dem HDE, der kürzlich noch erklärt hatte, es sei nicht mit Rabattschlachten wie im Weihnachtsgeschäft vor zwei Jahren zu rechnen.

Laut Siemssen sind die Unternehmen aber wegen des scharfen Wettbewerbs gezwungen, ihre Preise zu senken, zumal die Lager gut gefüllt seien. Positiv könnte sich für die Händler in diesem Jahr auswirken, dass vor Weihnachten eine komplette Woche für Einkäufe zur Verfügung stehe. Mit einer Wirkung der geplanten Mehrwertsteuer-Erhöhung zum 1. Januar 2007 auf das diesjährige Weihnachtsgeschäft rechnet Siemssen nicht: «Das ist noch zu lange hin.» Kaum jemand werde deswegen schon jetzt Anschaffungen vorziehen.

Einer Umfrage zufolge will rund jeder zweite Deutsche in diesem Jahr mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Besonders konsumfreudig zeigten sich junge Menschen: 57,3 Prozent der unter 24-Jährigen lassen sich die Geschenke mehr kosten als im vergangenen Jahr.

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland könnten Flach-Fernseher und Merchandising-Produkte rund um das Sportereignis in diesem Jahr der Renner werden. Der frühe Wintereinbruch könnte ferner zu einer verstärkten Nachfrage nach Jacken, Mäntel, Stiefel und Wintersportartikel führen.

 
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