Steve Case sagt AOL Good-Bye
01.11.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Als Grund für seinen Rückzug führte Case an, er wolle sich künftig stärker seinem Anfang des Jahres gegründeten Investment- Unternehmen Revolution widmen. Die Beteiligungsgesellschaft, die auf Luxus-Ferienanlagen und Gesundheitsdienste spezialisiert ist, wolle demnächst mit einem Internetportal an den Start gehen, berichtete das «Wall Street Journal». Weil es damit in direkte Konkurrenz zu AOL trete, hätte Case seinen Kollegen im Board genannten Aufsichts- und Führungsgremium von Time Warner einige Details seiner Geschäftspläne verraten müssen.
So etwas sorgt für schlechte Stimmung, auch unter den Kontrolleuren. Noch verschlechtert haben dürfte sich das Klima durch die jüngsten Pläne von Konzern-Chef Dick Parsons: Er sucht einen Partner, um das AOL-Geschäft loszuwerden entweder durch (Teil)verkauf oder durch einen Börsengang.
Auch wenn es auf die konkreten, laufenden Verhandlungen keine Auswirkungen mehr haben dürfte: Case bevorzugt offensichtlich eine Partnerschaft mit Google für das von ihm mitgegründete Unternehmen. Die aktuell im Internet erfolgreichste Firma würde sich mit dem Unternehmen zusammentun, das zu Zeiten der Blase als Vorreiter für Geschäfte im Internet und als große Zukunftshoffnung galt.
Nach Einschätzung von Beobachtern sind die Gespräche mit Microsoft am weitesten fortgeschritten. Der weltgrößte Softwarehersteller möchte offenbar seinen Internetdienst MSN mit AOL verschmelzen, möglicherweise könnte Time Warner die Mehrheit an einem Joint Venture erhalten und damit die Kontrolle oder das Gemeinschaftsunternehmen würde an die Börse gebracht.
Die beiden Partner haben es mehr auf den Content abgesehen, den AOL produziert etwa live ins Internet übertragene Musikkonzerte. Mit dem Zugangsgeschäft kann Google wohl eher weniger anfangen ganz zu schweigen von Comcast, das seinen Kunden den Zugang zum Internet auch über das eigene Kabel anbietet.
Für das Web ediert von Kai Makus

