netzeitung.deAOL schafft Position für Cheney-Tochter

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Mary Cheney bei der Vereidigung ihres Vaters Dick (l.) (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mary Cheney bei der Vereidigung ihres Vaters Dick (l.)
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mary Cheney ist die Tochter von Dick, Republikanerin, lesbisch - und seit neuestem Angestellte des Internetdienstes AOL.

Über zu lose Verbindungen zur Wirtschaft konnte US-Vizepräsident Dick Cheney noch nie klagen: Bevor er als Stellvertreter an der Seite von Präsident George W. Bush die Macht im Weißen Haus mit übernahm, stand Cheney fünf Jahre lang an der Spitze von Halliburton, eines der größten Zulieferer und Dienstleister für die globale Ölindustrie. Immer wieder wurde dem Vizepräsidenten seine Vergangenheit vorgehalten – aus aktuellem Anlass.

Denn Cheney war es gewesen, der als Verteidungsminister von Bush senior die Privatisierung von Armee-Diensten vorantrieb. Viele Aufträge für die Versorgung und Wartung von Militäreinrichtungen sicherte sich Halliburton. Lauter wurde die Kritik noch, als nach der erfolgreichen Invasion Iraks der Konzern nicht nur Liefer- sondern auch Wiederaufbauverträge erhielt. Einige von ihnen waren freihändig – also ohne öffentliche Ausschreibung - vergeben worden. Die Rechnungen mussten teils nachträglich von Armee-Behörden überprüft und korrigiert werden.

Neu geschaffener Posten
Erste Erfahrung in der Unternehmenswelt hat auch die Cheney-Tochter Mary inzwischen gesammelt. Mit ihrem neuen Arbeitsvertrag tritt sie allerdings in eine Branche ein, in der sich der Vater wahrscheinlich nicht wirklich auskennt: AOL heißt ihr Arbeitgeber, Mary Cheney soll sich für die Internet-Tochter des Medienkonzerns Time Warner auf einem neu geschaffenen Assistenten- Posten um die Themen Werbung, E-Commerce und Internet-Suche kümmern.

Sie werde direkt an Vizepräsident Ted Leonsis berichten, teilte AOL am Donnerstagabend in Dulles im Bundesstaat Virginia mit. Zu ihrem Einkommen wollte sich eine Firmensprecherin unter Verweis des Rechts auf Privatsphäre nicht äußern. Die Sprecherin betonte aber, Leonsis habe sich die Cheney-Tochter selbst ausgesucht. Sie habe «genau die Fähigkeiten und Talente», die der Job erfordere, lobte die Sprecherin.

Gerangel um AOL
Dass Mary Cheney einen interessanten Arbeitsplatz bekommt, dürfte klar sein. Denn AOL gilt nicht nur als Klotz am Bein von Time Warner – nur wenige Jahre, nachdem die kleine Internetfirma den Medienriesen übernommen hatte. Und dass sich die Cheney-Tochter mit der Internet-Suche beschäftigen darf, macht den Job angesichts des Gerangels zwischen Google, Microsoft und Yahoo um einen möglichen AOL-Einstieg nicht unspannender.

Dabei sind die Zeiten nicht leicht für AOL: Das einstige Standbein Internet-Zugang ist fast vollständig in Richtung Breitband abgewandert. Bei der Vermarktung von Werbung im Netz sind andere deutlich erfolgreicher. AOL hatte daher erst jüngst angekündigt, konzernweit stünden bis zu 700 Stellen zur Disposition.

Bekennende Lesbe und Republikanerin
Mit Öffentlichkeitsarbeit hat Mary Cheney im Übrigen bereits Erfahrung gesammelt. Noch während ihres Studiums in Denver im Bundesstaat Colorado arbeitete sie für die fünftgrößte Brauerei des Landes, Coors: Die bekennende Lesbe verantwortete dort eine Kontaktstelle für Homosexuelle. Nach US-Agenturberichten hat sie bereits ihre Memoiren verkauft, in denen sie nicht nur über ihre beruflichen, sondern auch über ihre politische Erfahrungen berichten soll. Und da steht sie dem Vater weitaus näher: Obwohl sie sich öffentlich zu ihrer Homosexualität bekannt hatte, gilt Mary als linientreue Republikanerin. (nz)