netzeitung.deAEG-Beschäftigte sehen überwiegend schwarz

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Protest bei AEG in Nürnberg (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Protest bei AEG in Nürnberg
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

24 Stunden lang wollen Arbeiter im von Schließung bedrohten AEG-Werk Nürnberg die Fabrik blockieren. Trotz kämpferischer Parolen der IG Metall überwiegt unter den Beschäftigten die Resignation.

Von Stephan Maurer

Seit 30 Jahren arbeitet Robert Kussinger beim Hausgerätehersteller AEG in Nürnberg. Für seine Zukunft sieht der 46-Jährige schwarz: «Ich rechne mit dem Schlimmsten.» Wie Kussinger bangen rund 1750 AEG-Beschäftigte um ihre Jobs. Der schwedische Mutterkonzern Electrolux plant die Schließung des Nürnberger Werks, in dem jährlich etwa 700.000 Waschmaschinen und 500 000 Geschirrspüler hergestellt werden.

«Hier geht nichts rein und nichts raus!»
Künftig soll billiger in Polen produziert werden. Für die meisten Arbeitnehmer in Nürnberg, darunter viele angelernte Kräfte, dürfte dies den Gang in die Arbeitslosigkeit bedeuten. Hunderte haben sich deshalb schon am frühen Mittwochmorgen zu einem Warnstreik vor den Werkstoren versammelt. Fackeln lodern in der Dämmerung, mit Trillerpfeifen machen die Arbeiter ihrer Wut Luft.

«Dieser Betrieb ist besetzt - Wir kämpfen für unsere Zukunft», steht auf einem großen Transparent. 24 Stunden lang soll die Blockade des Werks durchgehalten werden. «Hier geht nichts rein und nichts raus!», ruft Jürgen Wechsler von der örtlichen IG Metall. Der Gewerkschafter sitzt auch im Aufsichtsrat von AEG Deutschland und sieht «Signale, dass die Electrolux-Spitze daran festhält, den Standort zu schließen» - trotz des Angebots der Arbeitnehmer, auf Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Zuschläge zu verzichten.

IG Metall droht Boykott-Aufruf an
Für den 24. Oktober wird die Entscheidung des Electrolux-Aufsichtsrates erwartet. Die IG Metall kündigt im Falle eines Schließungsbeschlusses einen harten Kampf an. Bis 2007 ist Electrolux nach Einschätzung der Gewerkschaft noch auf die Nürnberger Produktion angewiesen. Doch die könnte sofort komplett und für lange Zeit lahm gelegt werden, drohen die Gewerkschafter. Der Warnstreik am Mittwoch sei erst der Anfang.

Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, kündigt an, nofalls zum «Käuferboykott der Produkte» aufzurufen. «Von Nürnberg wird ein Signal ausgehen: Die Arbeitnehmer lassen sich nicht wie Opferlämmer zur Schlachtbank führen.» Doch viele Arbeiter sind skeptisch. «Electrolux ist bekannt dafür, seine Beschlüsse durchzuziehen», sagt Robert Kussinger.

Überdurchschnittlich hohe Arbeitslosenrate
Seine eigene Lage schätzt er realistisch ein. «Auf dem Arbeitsmarkt bin ich schwer vermittelbar. Und in Nürnberg gibt es ja kaum noch Großindustrie.» Schon jetzt sind in Bayerns zweitgrößter Stadt knapp 35.000 Menschen ohne Beschäftigung. Die Arbeitslosenquote in der einstigen Industriemetropole liegt bei 11,5 Prozent.

Sein Kollege Enzo Giurbino sieht die Lage ähnlich. «In meinem Alter noch etwas zu finden - das ist vorbei», meint der 47-Jährige. Auch der Grieche Vassilios Ziakas hat wenig Hoffnung, obwohl er erst 30 Jahre alt ist. «Es ist in ganz Europa schwer, Arbeit zu finden.» Ziakas, der seit elf Jahren in Nürnberg arbeitet, überlegt, wieder nach Griechenland zu gehen. Optimistischer gibt sich sein Landsmann Georgios Posnaidis: «AEG wird bleiben, weil wir weiter kämpfen werden.» (dpa)