AEG-Beschäftigte sehen überwiegend schwarz
05.10.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Seit 30 Jahren arbeitet Robert Kussinger beim Hausgerätehersteller AEG in Nürnberg. Für seine Zukunft sieht der 46-Jährige schwarz: «Ich rechne mit dem Schlimmsten.» Wie Kussinger bangen rund 1750 AEG-Beschäftigte um ihre Jobs. Der schwedische Mutterkonzern Electrolux plant die Schließung des Nürnberger Werks, in dem jährlich etwa 700.000 Waschmaschinen und 500 000 Geschirrspüler hergestellt werden.
«Dieser Betrieb ist besetzt - Wir kämpfen für unsere Zukunft», steht auf einem großen Transparent. 24 Stunden lang soll die Blockade des Werks durchgehalten werden. «Hier geht nichts rein und nichts raus!», ruft Jürgen Wechsler von der örtlichen IG Metall. Der Gewerkschafter sitzt auch im Aufsichtsrat von AEG Deutschland und sieht «Signale, dass die Electrolux-Spitze daran festhält, den Standort zu schließen» - trotz des Angebots der Arbeitnehmer, auf Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Zuschläge zu verzichten.
Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, kündigt an, nofalls zum «Käuferboykott der Produkte» aufzurufen. «Von Nürnberg wird ein Signal ausgehen: Die Arbeitnehmer lassen sich nicht wie Opferlämmer zur Schlachtbank führen.» Doch viele Arbeiter sind skeptisch. «Electrolux ist bekannt dafür, seine Beschlüsse durchzuziehen», sagt Robert Kussinger.
Sein Kollege Enzo Giurbino sieht die Lage ähnlich. «In meinem Alter noch etwas zu finden - das ist vorbei», meint der 47-Jährige. Auch der Grieche Vassilios Ziakas hat wenig Hoffnung, obwohl er erst 30 Jahre alt ist. «Es ist in ganz Europa schwer, Arbeit zu finden.» Ziakas, der seit elf Jahren in Nürnberg arbeitet, überlegt, wieder nach Griechenland zu gehen. Optimistischer gibt sich sein Landsmann Georgios Posnaidis: «AEG wird bleiben, weil wir weiter kämpfen werden.» (dpa)

