netzeitung.deSiemens streicht mehrere tausend Arbeitsplätze

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Siemens-Zentrale (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Siemens-Zentrale
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Siemens greift in seinen Problemsparten hart durch. Mehr als 10.000 Jobs sollen gestrichen werden. Allein beim IT-Dienstleister SBS gehen mehr als 2000 Jobs und zwei Drittel der Standorte verloren.

Der Siemens-Konzern
wird wie erwartet mehrere tausend Arbeitsplätze abbauen. Insgesamt wird sich der Konzern voraussichtlich von mehr als 10.000 Mitarbeitern trennen. Allein beim IT-Dienstleister Siemens Business Services (SBS) werden in den kommenden beiden Jahren 2400 Jobs gestrichen, wie das Unternehmen am Montag in München mitteilte. Dadurch sollten die Kosten bis 2007 um 1,5 Milliarden Euro gesenkt werden.

Wo bei SBS die Stellen in Deutschland gestrichen werden sollen, ließ Siemens offen. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld sagte indes, die rund 60 SBS-Standorte in Deutschland müssten konzentriert und «auf die Größenordnung von etwa 20» zusammengeschrumpft werden. Vor allem die Standorte München und Paderborn gelten bei der IG Metall als gefährdet.

Weniger Jobs und weniger Lohn
Nach Angaben von Siemens laufen derzeit mit den Arbeitnehmervertretern Gespräche über den Stellenabbau und Gehaltskürzungen bei den verbleibenden Mitarbeitern. In der Sparte arbeiten derzeit weltweit etwa 34.000 Menschen. In den ersten neun Monaten des im September endenden Geschäftsjahres verbuchte SBS einen Verlust von gut 260 Millionen Euro.

Zugleich gab Siemens einen Wechsel an der Spitze von SBS bekannt: Der bisherige Chef Adrian von Hammerstein werde den Posten auf eigenen Wunsch räumen, hieß es. Ihm folge Christoph Kollatz nach, der bisher ein Geschäftsgebiet im Bereich Industrieleistungen verantworte. Kleinfeld hält sich für SBS weiter alle Optionen offen. «Bei SBS geht es jetzt erstmal darum, die operative Performance vernünftig hinzubekommen», betonte der Vorstandsvorsitzende. Das habe aber keinerlei Auswirkungen darauf, wie Siemens weiter strategisch vorgehe. «Optionen in jeder Variante» seien besser, wenn SBS stark sei.

Noch mehr Streichungen bei Com
Auch in der Kommunikationssparte Com werde es Streichungen geben, hieß es weiter. Eine Größenordnung wollte Kleinfeld mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen nicht nennen. Gewerkschaften gehen davon aus, dass 3000 bis 4000 Mitarbeiter betroffen sein könnten. Mit den Arbeitnehmervertretern werde derzeit über flexiblere Arbeitszeiten und flexibleren Einsatz des Personals gesprochen, sagte Kleinfeld.

Als Grund nannte der Konzern vor allem die schwache Binnenkonjunktur und den dadurch bedingten schwachen Absatz bei mittelständischen Kunden: «Damit sind Personalanpassungen verbunden, zu denen das Unternehmen Gespräche mit Arbeitnehmervertretern und IG Metall führt», teilte Siemens mit. Vertrieb und Service im Firmenkundengeschäft bei Com sollen umstrukturiert werden. Im Sommer hatte Siemens bereits sein Handygeschäft an den taiwanesischen Konzern Benq abgegeben.

Logistiksparte verschwindet
Die ebenfalls defizitäre Logistiksparte L&A werde zum 1. Oktober aufgelöst, hieß es weiter. Von der geplanten Ausgliederung des verlustreichen Geschäftsbereichs «Distribution and Industry» in eine eigenständige Gesellschaft seien allein 5000 Mitarbeiter betroffen. Dadurch werde eine Partnerschaft oder ein Komplettverkauf vorbereitet. Die übrigen L&A-Teile würden anderen Konzersparten zugeordnet.

Kleinfeld bekräftigte zugleich sein Ziel, in allen Sparten rasch für profitables Wachstum zu sorgen. Sein Sanierungsprogramm sei auf Kurs. Alle Bereiche sollen bis Mitte 2007 ihre Zielrenditen erreichen. Siemens sei «auf gutem Wege dahin», sagte er. «Die notwendigen Maßnahmen setzen wir konsequent um», betonte Kleinfeld. «Nur erfolgreiche Geschäfte sichern und schaffen Arbeitsplätze.»

Kleinfeld bekräftigte zudem die Prognose für das Ende dieses Monats auslaufende Geschäftsjahr. Das operative Ergebnis der fortgeführten Geschäfte solle in etwa auf Vorjahresniveau liegen. Ende Juli hatte Kleinfeld von etwa 3,1 Milliarden Euro als Ziel gesprochen.

Heftige Kritik der IG Metall
Der Siemens-Chef widersprach zugleich der Behauptung, der Termin für die Bekanntgabe der Stellenstreichungen einen Tag nach der Bundestagswahl sei bewusst gewählt. Das sei Zufall, betonte Kleinfeld: Man habe das Vorgehen mit Arbeitnehmervertretern absprechen müssen. Das erfordere seine Zeit. «Der Beratungsbedarf ist immens, dafür haben wir unseren eigenen Kalender.»

Die IG Metall erneuerte dagegen ihre Kritik am Termin. Siemens habe offenbar Rücksicht genommen auf Kleinfelds Vorgänger und den jetzigen Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, der im Wahlkampf als Wirtschaftsberater von Unions- Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) aufgetreten war.

Kurzfristiges Renditeplus im Blick
Es sei ein «Treppenwitz der Geschichte», dass von Pierer Innovationsberater einer möglichen Kanzlerin Merkel werden solle, sagte der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer in München. Wegen fehlender Innovationen in der Zeit, als von Pierer Vorstandschef von Siemens war, habe der Konzern in den betroffenen Sparten nun Probleme.

Aufsichtsrat Wolfgang Müller von der IG Metall kündigte Widerstand gegen die Pläne an. «Die Beschäftigten sind stark verunsichert», sagte Müller. Die Geschäftsführung setze zu stark auf kurzfristige Renditeverbesserungen. (nz)